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[Drucksache 11/38
05.03.87
Sachgebiet 212
Deutscher Bundestag
11. Wahlperiode
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Kreuzeder und der Fraktion DIE GRÜNEN
Radioaktive Belastung von Fleisch- und Milchprodukten
Nach Berichten des „stern" ist seit Oktober 1986 die radioaktive
Belastung der Milch wieder angestiegen. Im Januar 1987 wurden
im süddeutschen Raum ähnlich hohe Becquerel-Werte ermittelt wie
kurz nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Das „Münchner
Umweltinstitut " ermittelte Werte von 300 Becquerel, die dem
ohnehin unter Experten strittigen EG-Grenzwert von 370
Becquerel bedenklich nahekommen. Experten des Landwirtschaftsamtes
in Laufen z.13. befürchten einen Anstieg der radioaktiven
Belastung der Milch bis zu 500 Becquerel.
Die Experten des Landwirtschaftsministeriums im CDU-regierten
Schleswig-Holstein haben sich auf eine Interventionsmarge von
20 Becquerel geeinigt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wird die Bundesregierung der Risikoeinschätzung des
schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums folgen und die
Grenzwerte bundesweit auf 20 Becquerel/Liter festsetzen?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie hoch die
radioaktive Belastung des Molkepulvers, des Heus und der Silagen
in den einzelnen Landkreisen und Ländern der Bundesrepublik
Deutschland, insbesondere Bayerns und Baden-Württembergs
seit Anfang des Jahres 1987 ist?
3. Welche Menge an Molkepulver wird insgesamt in Bayern und
Baden-Württemberg vom 1. Mai 1986 bis 1. Juni 1987 anfallen?
4. Welche radioaktiven Belastungen des Schweine- und
Rindfleischs und aller Milchprodukte sind nach Einschätzung der
Bundesregierung aus der Verfütterung von radioaktivem Heu,
Silage und Molke zu erwarten, welche Werte wurden bislang
bei den Fleisch- und Milchprodukten (einschließlich Molke,
Trinkmolke, Joghurt) von den Landwirtschaftskammern/
Landwirtschaftsämtern, Lebensmittel-Untersuchungs- und
Kontrollstellen in den Landkreisen und Ländern ermittelt, und wie
wurden diese Ermittlungen durchgeführt (Art der Proben,
Häufigkeit, statistische Auswertung)?
5. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um
die radioaktive Belastung des Schweinefleischs durch die Ver-
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fütterung radioaktiver Molke zu verhindern, und aus welchen
Gründen darf Molke in flüssiger Form verfüttert werden?
6. Welche Pläne hat die Bundesregierung, um die Zwischen- und
Endlagerung alles anfallenden radioaktiven Molkepulvers
sicherzustellen, und wann wird sie die Bürger und betroffenen
Gemeinden davon in Kenntnis setzen?
7. Welche Unterstützungsmaßnahmen sind für die am stärksten
betroffenen Molkereien vorgesehen?
8. Inwieweit macht die Bundesregierung den einzelnen
Gemeinden und Kreisen Untersuchungsergebnisse über die
radioaktive Belastung landwirtschaftlicher Produkte und Flächen
zugänglich und unterstützt sie im Rahmen der Aufklärungs
-
und Informationsarbeit?
Bonn, den 5. März 1987
Kreuzeder
Ebermann, Frau Rust, Frau Schoppe und Fraktion]