Humanität im Leistungssport
der Abgeordneten Dr. Bötsch, Dr. Blank, Clemens, Regenspurger, Carstensen (Nordstrand), Fischer (Hamburg), Kittelmann, Marschewski, Müller (Wesseling), Dr. Jobst, Dr. Kunz (Weiden), Dr. Müller, Nelle, Oswald, Rauen, Frau Rönsch (Wiesbaden), Schwarz, Spilker, Sauer (Stuttgart), Tillmann, Lenzer, Dr. Meyer zu Bentrup, Dr. Möller, Seesing, Schulze (Berlin) und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Mischnick, Baum, Neuhausen, Frau Folz-Steinacker und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Dem Leistungssport kommt eine Vorbildfunktion für den Breitensport zu; er dient zugleich der nationalen Repräsentation. Seine Förderung ist daher für CDU/CSU und FDP ein wesentlicher Bestandteil ihrer Sportpolitik.
Mit großer Sorge ist zu beobachten, wie durch gesundheitsschädliche Manipulationen in Einzelfällen versucht wird, die individuelle Leistungsgrenze immer weiter hinauszuschieben.
Derartigen Entwicklungen ist konsequent entgegenzuwirken. Dies kann u. a. durch Intensivierung der trainingsspezifischen und sportmedizinischen Forschung, durch die Verbesserung der sportmedizinischen Betreuung sowie durch eine soziale Absicherung der Athleten geschehen. Doping ist inhuman und verwerflich.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen13
Wie beurteilt die Bundesregierung die gegenwärtige Lage des Spitzensports in der Bundesrepublik Deutschland, und welchen Stellenwert mißt sie dem Spitzensport für die gesellschaftliche und sportliche Entwicklung in unserem Lande bei?
Von welchen Grundsätzen läßt sich die Bundesregierung bei der Förderung des Spitzensports leiten?
Wie beurteilt die Bundesregierung Entwicklungen im internationalen Spitzensport, durch medizinisch-pharmakologische Beeinflussungen die individuellen Leistungsgrenzen hinauszuschieben, und wie bewertet sie die dadurch entstehenden Wettbewerbsverzerrungen und möglichen gesundheitlichen Gefährdungen?
In welcher Weise werden nach Kenntnis der Bundesregierung von den deutschen Spitzenfachverbänden die in der „Grundsatzerklärung für den Spitzensport" des Deutschen Sportbundes am 11. Juni 1977 formulierten Ziele umgesetzt?
Teilt die Bundesregierung die Kritik der Aktiven-Sprechervollversammlung am Widerspruch zwischen der Grundsatzerklärung des Deutschen Sportbundes für den Spitzensport und den Qualifikationskriterien für die Teilnahme an Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, wonach diese Kriterien auf Leistungssteigerungen im internationalen Bereich beruhen, die nach Ansicht der Aktiven überwiegend auf medikamentöse Leistungsbeeinflussung zurückzuführen sind?
In welchen Fällen waren in den letzten 5 Jahren Spitzensportler in Doping verwickelt und welche Konsequenzen hatte dies für die Sportler, die Verbände, Trainer oder Betreuer?
Sah sich die Bundesregierung in den Fällen, in denen deutsche Sportler betroffen waren, veranlaßt, entsprechend ihren Richtlinien Fördermaßnahmen einzustellen oder geleistete Förderungen zurückzufordern?
Ist nach Auffassung der Bundesregierung eine ausreichende sportärztliche und sportphysiologische Betreuung der Spitzenathleten gewährleistet?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die sportmedizinische Betreuung über die Wettkampfbetreuung hinaus auf trainingsbegleitende Maßnahmen so auszudehnen, daß gesundheitsgefährdende medizinisch-pharmakologische Manipulationen überflüssig und lebensbedrohende Reaktionen auf medikamentös-pharmakologische Leistungsbeeinflussung unmöglich werden?
Ist es nach Auffassung der Bundesregierung sachlich gerechtfertigt, immer mehr medizinische Präparate auf die Doping-Liste zu setzen?
Ist es richtig, daß viele dieser Medikamente bzw. Substanzen zur Behandlung von Verletzungen oder zur Wiederherstellung der vollen Leistungsfähigkeit aus ärztlicher Sicht als dringend notwendig angesehen werden?
Welche Erkenntnisse bzw. Forschungsergebnisse liegen der Bundesregierung vor über tatsächliche oder vermeintliche leistungssteigernde Präparate; wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung die Grenze zwischen ungefährlichem Kraftaufbau, Mangelausgleich und Doping?
Inwieweit werden diese Erkenntnisse an die Aktiven, Ärzte, Trainer und Betreuer weitergegeben, und welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, das bestehende Informations- und Anwendungdefizit in den Bereichen Ernährung und Substitution zu beseitigen?
Welche Maßnahmen im gesellschaftlichen Umfeld der Athleten könnten nach Auffassung der Bundesregierung geeignet sein, Sportler abzuhalten, ihre Gesundheit durch Doping zu gefährden?
Welchen Beitrag kann die Bundesregierung dazu leisten, daß im Zusammenwirken mit den Spitzenorganisationen des Sports, der Sport- sowie Kultusministerkonferenz der Länder und den Sozialpartnern die Förderung des Spitzensports und der Sportler so gestaltet wird, daß neben der befristeten Ausübung des Spitzensports den Athleten eine Zukunftssicherung ermöglicht wird, und wie könnte ein solches unserer Gesellschaftsordnung adäquates Förderkonzept aussehen?
Welche Maßnahmen zur Talentsuche und Talentförderung in Schulen und Sportvereinen werden praktiziert, und welche Verbesserungsmöglichkeiten schlägt die Bundesregierung gegebenenfalls vor?