Aufgeblähte Atommüllfässer
der Abgeordneten Dr. Daniels (Regensburg), Frau Wollny und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Am 27. Dezember 1987 wurde in der Sendung „Bilder aus der Wissenschaft" gezeigt, daß es in einigen Fässern mit Atommüll zu Gasentwicklung gekommen ist. Dies ist inzwischen nicht nur aus dem Kernkraftwerk Ohu, sondern auch aus dem Zwischenlager Gorleben bekanntgeworden. Aufgrund des Überdrucks von bis zu 5 bar ist eine Explosion dieser Fässer nicht mehr auszuschließen. In jüngster Zeit sind auch Risse in diesen Fässern bekanntgeworden. Das Konzept und die Technik der Zwischenlagerung scheint in Frage gestellt zu sein.
Daher fragen wir die Bundesregierung:
Fragen33
Seit wann ist der Bundesregierung bekannt, daß es zu Rissen und zur Gasentwicklung in Atommüllfässern mit schwachem und mittelradioaktivem Müll kommt?
Was sind die Gründe für die Gasentwicklung in den Fässern?
a) Welche Rolle spielt dabei Korrosion?
b) Welchen Anteil haben dabei radiolytische Vorgänge?
Welche spezifischen Untersuchungen wurden bisher wo und wann unternommen und warum erst so spät?
Wieviel Fässer wurden bisher wo untersucht?
Welche Standorte wurden bisher nach aufgeblähten Atommüllfässern durchsucht?
Wie viele Fässer an welchen Standorten sind aufgebläht, und wie viele Fässer an welchen Standorten haben Risse?
Gedenkt die Bundesregierung, alle aufgeblähten Fässer einzeln zu untersuchen?
Bis wann glaubt die Bundesregierung, ihre Ermittlungen abschließen zu können?
Wie setzt sich das Gas aus den aufgeblähten Atommüllfässern nach den bisherigen Untersuchungen zusammen?
Handelt es sich hierbei um einheitliche Ergebnisse, die bei allen untersuchten Atommüllfässern in etwa gleich waren?
Trifft es zu, daß Mitarbeiter bei den Untersuchungen starke Bedenken hatten, die Fässer zu öffnen? Kam es irgendwo deswegen zu Verzögerungen der Untersuchungen?
Trifft es zu, daß nach dem bisherigen Kenntnisstand eine Vorbehandlung vor der Verfüllung des Abfalls in die Fässer eine Gasentwicklung verhindert hätte?
Sind alle möglichen radiolytischen Reaktionen in den Fässern bekannt und bisher berücksichtigt worden?
Kann die Bundesregierung es ausschließen, daß es zu einer Ausdehnung des Zements in den Atommüllfässern gekommen ist?
Kann die Bundesregierung versichern, daß es nur bei den Atommüllfässern neueren Typs mit Gummidichtung zu einer Aufblähung oder zu Rissen in den Fässern kommt?
Kann es auch bei den älteren Fässern, die in der Regel vor dem Jahre 1984 benutzt worden sind, zur Gasentwicklung gekommen sein, und welche theoretisch maximalen Gasmengen sind dabei freigesetzt worden?
Kann die Bundesregierung es ausschließen, daß es nicht bei allen Atommüllfässern zur Gasentwicklung gekommen ist, und warum?
Wo wurden die bisher bekanntgewordenen Blähfässer konditioniert, und liegt dieses Problem nur an der Konditionierungsanlage Mol und der Falschdeklarierung der Atommüllfässer?
Plant die Bundesregierung das Wiederauffahren der Stollen in Asse 2 oder kann die Bundesregierung garantieren, daß die dort endgelagerten Fässer nicht aufgebläht sind und keine Risse haben, und wenn ja, warum?
Wurden bisher aufgeblähte Atommüllfässer transportiert, wann geschah dies, welches war der Herkunftsort und welches die Zielorte? Wie viele solcher Fässer wurden bisher transportiert? Plant die Bundesregierung weitere Transporte von aufgeblähten Atommüllfässern? Wo und wann soll dies geschehen?
Hält die Bundesregierung eine Knallgasexplosion für theoretisch denkbar, wenn etwa ein gestapeltes aufgeblähtes Faß von ca. 5 m Höhe auf den Boden fällt?
Hält die Bundesregierung es für theoretisch denkbar, daß es zu einer Explosion dieser Fässer kommen kann?
Was wurde an den jeweiligen Standorten jeweils unternommen, um diese Explosionsgefahr zu reduzieren?
Kann die Bundesregierung es ausschließen, daß irgendeine Gefährdung der Arbeitnehmer, die in den Zwischenlagern arbeiten, eintreten kann?
Hält die Bundesregierung die Betreiber der Zwischenlager für ausreichend und richtig informiert und instruiert, mit den aufgeblähten Fässern korrekt umzugehen?
Wie erklärt sich die Bundesregierung, daß noch am 15. Januar 1988 die Existenz aufgeblähter Fässer in Gorleben dementiert worden ist, dies jedoch schon am Nachmittag zugegeben wurde, obwohl verschiedene Kreise sagten, daß die Tatsache schon seit längerem bekannt sei?
Wie erklärt sich die Bundesregierung, daß die DWK (Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen) den Transport solcher Blähfässer in Gorleben aus Sicherheitsgründen untersagt hat?
Wann sind die Fässer, die sich jetzt aufblähen, das letzte Mal untersucht worden, wann wurden sie und von wem genehmigt, welche Belastung müssen sie aushalten, welche Mengen an Gas dürfen sie freisetzen, bei welchem Druck explodieren sie?
Müssen Fässer für die Zwischenlagerung oder die Endlagerung dicht oder technisch dicht sein, und was heißt das für die Freisetzung von Gasen?
Darf es in den Fässern für die Zwischen- oder Endlagerung zu chemischen Reaktionen kommen, und wenn ja, in welchem Umfang?
Hält die Bundesregierung die derzeitige Zwischenlagerung für sicher, und wenn nein, welche Änderungen sind geplant?
Plant die Bundesregierung neue Auflagen für die Konditionierung von schwach- oder mittelaktivem radioaktiven Müll zu erlassen, und wenn ja, welche?
Wie beurteilt die Bundesregierung das Sicherheitsrisiko bei mobilen Konditionierungsanlagen? Sind solche geplant oder im Einsatz, und wenn ja, wo?