Zusammenhang von Kinderzahl und Lebenseinstellung
der Abgeordneten Frau Krieger und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Auf die schriftliche Frage der Abgeordneten Frau Krieger, warum die Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Frau Dr. Süssmuth, den Geburtenanstieg in der Bundesrepublik Deutschland begrüßt, antwortete der Parlamentarische Staatssekretär Pfeifer (Drucksache 11/3167):
„Der Geburtenanstieg in der Bundesrepublik Deutschland ist ein Zeichen dafür, daß sich mehr Paare als früher ihre Kinderwünsche erfüllen. Damit wird eine optimistische Lebenseinstellung sichtbar. Das ist bereits Anlaß genug für eine positive Bewertung. Es kommt hinzu, daß steigende Geburtenzahlen zur Verringerung des Ungleichgewichts im Altersaufbau der Bevölkerung beitragen. Dadurch werden auch aufgrund einer ungleichgewichtigen Altersstruktur sich ergebende Probleme in den Bereichen von Kultur, Sozialpolitik und Wirtschaft gemindert und nicht zuletzt ist dies ein Anzeichen dafür, daß unsere Gesellschaft wieder kinderfreundlicher wird. "
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Ist die Bundesregierung der Auffassung, daß Paare ohne Kinder eine pessimistische Lebenseinstellung haben?
Wenn ja, wie begründet sie dies?
Geht die Bundesregierung davon aus, daß die Anzahl der Kinder eines Paares als Indikator für den Grad der „optimistischen Lebenseinstellung" gesehen werden kann?
Nach Angaben der Bundesregierung sind 15 % der Ehepaare in der Bundesrepublik Deutschland ungewollt unfruchtbar und folglich kinderlos.
Welche Vermutungen hat die Bundesregierung über die „Lebenseinstellung" dieser Paare?
Beabsichtigt die Bundesregierung, den unerfüllten Kinderwunsch unfruchtbarer Paare in Zukunft damit zu befriedigen, daß sie ungewollt schwangere Frauen über die Beratung nach dem geplanten Schwangerenberatungsgesetz dazu bewegt, die Schwangerschaft auszutragen, um dann das Kind zur Adoption freizugeben?
Ist davon auszugehen, daß die Bundesregierung die hohe Kinderzahl in Entwicklungsländern als Ausdruck einer „optimistischen Lebenseinstellung" der dort lebenden Menschen sieht?
Falls ja, warum ist sie dann für eine Geburtenbegrenzung in Entwicklungsländern? Will sie den Menschen in Entwicklungsländern ihre „optimistische Lebenseinstellung" nehmen, die nach Meinung der Bundesregierung offensichtlich mit der Kinderzahl korreliert?
Falls nein, warum ist nach Meinung der Bundesregierung die hohe Kinderzahl in Entwicklungsländern ein Ausdruck für eine andere „Lebenseinstellung" als in der Bundesrepublik Deutschland?
Welche Probleme sieht die Bundesregierung aufgrund einer ungleichgewichtigen Altersstruktur in den Bereichen von Kultur, Sozialpolitik und Wirtschaft?
Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung daraus für die Altersstruktur der Bundesregierung?
Beabsichtigt die Bundesregierung der vermuteten negativen Entwicklung vorzubeugen?
Falls ja, durch welche Maßnahmen - bezogen auf die Bevölkerung und bezogen auf die Bundesregierung?
Wie hoch ist die durchschnittliche Kinderzahl der Mitglieder der Bundesregierung?
Zieht die Bundesregierung daraus Schlüsse über die „Lebenseinstellung" der Regierungsmitglieder?
Wenn ja, welche?
Wenn nein, warum nicht?