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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Leichen als Dioxinquelle nach Paradichlorbenzolbehandlung (G-SIG: 11003131)

Produktion von pDCB in der Bundesrepublik Deutschland, Umweltgefährdung, Dioxinbildung bei der Leichenverbrennung, Marktverbot für pDCB

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

20.12.1988

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/362801.12.88

Leichen als Dioxinquelle nach Paradichlorbenzolbehandlung

der Abgeordneten Frau Garbe und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Paradichlorbenzol ist Hauptkomponente von sogenannten Luftverbesserern und Sanitätsgeruchsminderern von Toilettensteinen, Mottenkugeln und Geruchsverbesserern im Bestattungswesen.

Nachweislich hat Paradichlorbenzol (pDCB) keinerlei desinfizierende Wirkung und keinerlei geruchsmindernde Wirkung, Gerüche werden lediglich durch den intensiven Geruch des pDCB und die Lähmung der Geruchsnerven überboten.

pDCB ist chemisches Abfallprodukt der Chlorbenzolproduktion und wird über Kleinstmengen in Haushalt und Gewerbe in die Umwelt „entsorgt". pDCB wird nicht abgebaut, ist persistent auch in Kläranlagen, belastet Klärschlämme und Gewässer. pDCB wird in Lebewesen stark angereichert. Seine Langzeittoxizität ist ungeprüft. Kürzlich hat das Bundesgesundheitsamt festgestellt, daß durch die Leichenbehandlung mit pDCB in den Krematorien während der Einäscherung Dioxine gebildet werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen7

1

Welche Mengen von Paradichlorbenzol werden jährlich in der Bundesrepublik Deutschland in den Handel gebracht?

2

Welche Mengen hiervon werden unschädlich entsorgt, welche Mengen werden unkontrolliert in die Umwelt entlassen und welche Mengen werden im Bestattungswesen eingesetzt und können zur Dioxinbildung beitragen?

3

Sieht die Bundesregierung durch die Persistenz von pDCB und die Bildung von Dioxinen bei der Verbrennung Gefahren für Umwelt und Gesundheit?

4

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor bezüglich Persistenz, Bioakkumulation, Ökotoxizität und gesundheitlicher Gefährdung durch pDCB?

5

Welche Auswirkungen hat die von BGA und UBA 1985 ausgesprochene Empfehlung, auf Urinsteine zu verzichten, auf den Absatz von pDCB in der Bundesrepublik Deutschland gehabt?

6

Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung zu ergreifen, um die Dioxinentstehung in Krematorien durch Leichenbehandlung mit pDCB zu unterbinden?

7

Wird die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um pDCB vom Markt zu verbannen? Wenn ja, welche, wenn nein, warum nicht?

Bonn, den 1. Dezember 1988

Frau Garbe Dr. Lippelt (Hannover), Frau Schmidt-Bott, Frau Vennegerts und Fraktion

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