Gifte im Benzin (II)
der Abgeordneten Frau Garbe, Brauer, Frau Rock, Weiss (München) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Benzol ist eines der stärksten Umweltgifte, die wir kennen. Selbst in der chemischen Industrie, in Wissenschaft und Forschung wird versucht, auf dieses Gift zu verzichten. Andererseits toleriert es die Bundesregierung, daß das Benzin bis zu 5 Prozent aus Benzol besteht, obwohl Millionen Menschen zwangsweise täglich mit Benzol belastet werden. Das Benzol ist durch technische Maßnahmen leicht aus dem Benzin zu entfernen.
Neben Blei und Benzol enthalten die Kraftstoffe weitere giftige und krebserregende Beimischungen (Additive). Einige dieser Additive haben lediglich die Aufgabe, andere Gifte, nämlich das Blei, in die Luft zu pusten, damit es sich nicht auf Ventile, Zündkerzen und im Auspuff niederschlägt. Hierbei greifen diese Stoffe gleichzeitig Ventile, Zündkerzen, Auspuff u. a. an und verkürzen deren Lebensdauer beträchtlich.
Wir fragen die Bundesregierung:
I. Benzol
Benzol ist auch in kleinsten Konzentrationen krebserregend, hat eine hohe Wirkung als Blutgift und gilt in der Fachwelt als eines der heimtückischsten und gefährlichsten Kohlenwasserstoffe.
Fragen30
Welche Mengen Benzol werden bei der Herstellung, bei der Lagerung, bei der Betankung, aus dem Kfz-Tank und bei der Verbrennung jeweils emittiert?
Woher stammt das im Benzin enthaltene Benzol?
Könnte der Benzolgehalt des Benzins durch andere Herstellungsverfahren, beispielsweise durch höhere Temperaturen, gesenkt werden?
Wie groß ist der Anteil des Benzols an den Rücklieferungen, z. B. von Pyrolysebenzin aus der chemischen Industrie?
Durch welche technischen Maßnahmen ließe sich der Benzolgehalt im Benzin verringern?
Wird durch die Beigabe oder Nichtentfernung des Benzols ein Abfallproblem der chemischen und/oder der Mineralölindustrie gelöst?
Welche zugelassenen Benzolkonzentrationen anderer Länder sind der Bundesregierung bekannt?
Liegen die Benzolgehalte in anderen Ländern, insbesondere dort, wo Benzol noch als Lösemittel verwendet wird, unter den in der Bundesrepublik Deutschland zugelassenen fünf Prozent?
Ist die Bundesregierung auch der Meinung, daß anläßlich der hohen Gefährlichkeit des Benzols und der Tatsache, daß die meisten Bürgerinnen und Bürger, vor allem im Straßenverkehr, hohen Benzolkonzentrationen ausgesetzt sind, die Einhaltung der Gefahrstoffverordnung zu überwachen ist?
Was unternimmt die Bundesregierung, damit die in § 5 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vorgeschriebene Kennzeichnung von Tanksäulen, Autotanks und Reservekanister mit der Aufschrift „Benzol — kann Krebs erzeugen" eingehalten wird?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die Benzolemissionen aus Kraftstoffen zu verringern oder ganz abzustellen?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, daß Tankwarte einem höheren Gesundheitsrisiko, insbesondere Blutbildveränderungen und Leukämie, ausgesetzt sind?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, daß Ausgasungen aus Kfz-Tanks, insbesondere aus Kunststofftanks und Reservekanistern, hier vor allem bei Kombifahrzeugen, zu einer Innenraumbelastung der Kraftfahrzeuge führen?
Welchen Dosen an Benzol können Autofahrer bei einer Fahrzeit von einer, zwei oder acht Stunden ausgesetzt sein?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über ein um den Faktor 10 000 erhöhtes Krebsrisiko für Autofahrer durch Benzol, und welchen Handlungsbedarf leitet sie davon ab?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Benzolkonzentrationen in der Umwelt als sogenannte Hintergrundbelastung und an verkehrsreichen Straßen?
Sind der Bundesregierung Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, nach denen bereits ein Krebsrisiko für Benzolkonzentrationen von einem Mikrogramm Benzol pro Kubikmeter Luft nachgewiesen ist, und welchen Handlungsbedarf leitet sie davon ab?
Sind der Bundesregierung Messungen von Benzolkonzentrationen bis zu 14 700 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bekannt, und welche weiteren Meßwerte liegen der Bundesregierung über Benzolkonzentrationen in der Luft von Ballungsgebieten und an Tankstellen vor?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, daß Benzol in der Luft um den Faktor 1 000 stärker vertreten ist als andere krebserregende Luftschadstoffe?
Wie beurteilt die Bundesregierung das Octenar-Verfahren der Firma Krupp Koeppers aus Essen, bei dem auch im großtechnischen Maßstab benzolfreie, hochoktane Treibstoffe hergestellt werden können?
Warum wird das Octenar-Verfahren den Raffinerien nicht vorgeschrieben?
Wann wird die Bundesregierung von der Möglichkeit Gebrauch machen, aus Gründen der nationalen Gesundheit den EG-Grenzwert von 5 Prozent Benzolanteil im Benzin auf 0,1 Prozent Benzolanteil zu verringern? Falls die Bundesregierung dies nicht anstrebt, warum nicht?
Ist der Bundesregierung bekannt, daß Fahrzeuge mit geregeltem Katalysator nach US-Norm den Ausstoß von unverbranntem Benzol um 90 Prozent senken, und warum schreibt die Bundesregierung diesen Katalysator nicht aus Gründen der Gesundheit zwingend vor?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den zu erwartenden Anstieg der Benzolkonzentration in der Luft vor?
Welche Stoffe werden aus welchen Gründen, in welchen Mengen und welchen Kraftstoffsorten (bleifreien und bleihaltigen) zugesetzt?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Giftigkeit, krebserregende, erbgutändernde oder sonstige schädliche Wirkung dieser Benzinzusatzstoffe vor, und was gedenkt die Bundesregierung dagegen zu tun?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die von solchen Zusatzstoffen ausgehenden Gefahren für Kraftfahrzeugbenutzer, Fußgänger und Tankstellenbedienstete?
Welche Meßwerte über Benzinzusatzstoffe in der Luft liegen der Bundesregierung vor?
Ist die Bundesregierung der Meinung, daß bei einem Verzicht auf bleihaltige Kraftstoffe gänzlich auf die krebserregenden Benzinzusätze, wie z. B. Dichlordibrometan, verzichtet werden könne? Wenn ja, wann und welche Schritte wird die Bundesregierung deshalb unternehmen? Wenn nein, warum nicht?
Welche Schäden an welchen Kraftfahrzeugteilen und in welchem finanziellen Umfang durch Zusatzstoffe in Kraftstoffen sind der Bundesregierung bekannt, und was unternimmt die Bundesregierung dagegen?