Beteiligung der Lufthansa u. a. an problematischen Tourismusgeschäften
der Abgeordneten Frau Saibold und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Seit jeher bestimmten Skandale den Tourismus im indischen Bundesstaat Goa; seit Juni 1987 wurden sie durch Aktionen der Bürgerinitiative „Wachsame Goaner" durch spektakuläre Aktionen vor dem Flughafen Dabolim gegen deutsche Chartertouristen bekannt. In deutscher Sprache forderten die Goaner mit großen Transparenten: „Condor-Touristen fliegt zurück" und „Uns liegt nichts an Eurem Lebensstil und Eurer D-Mark." Flugblätter klärten die überraschten Urlauber über einige der Probleme des Tourismus in Goa auf: Kultureller Ausverkauf, Drogenmißbrauch, Kriminalität, Prostitution, Aids, Nudismus, Enteignung für Hotelbauten, Wassermangel der Bevölkerung und ökologische Zerstörung. Seit 1987 hat sich die Protestbewegung ganz entscheidend verbreitert.
Nicht nur ausländische Hotelketten beteiligen sich am Ausverkauf von Goa, sondern auch bundesrepublikanische, bzw. bundeseigene Firmen.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen10
Ist der Bundesregierung bekannt, daß ein „Kempinski"-Hotel samt Golfplatz in Goa in Bau ist, das überwiegend der bundeseigenen Lufthansa gehört (die ja gleichzeitig die Muttergesellschaft von Condor ist)?
Gibt es Auflagen für den Bau von „Kempinski"-Hotels u. a. in sogenannten Drittweltländern?
Wenn ja, welche?
Falls nein, warum nicht?
Wird sich die Bundesregierung Informationen über die Einzelheiten bei der Planung und Erstellung des Hotels besorgen; insbesondere über die Einhaltung der landeseigenen Gesetze?
Ist der Bundesregierung bekannt, daß u. a. auch für den „R-C" einer Tochtergesellschaft des großen Touristikunternehmens in Hannover in Goa bereits Bauentwürfe vorliegen?
Welche Verbindungen bestehen zwischen dem deutschen Beratungsunternehmen „St.-C." in Frankfurt, das im Auftrag der indischen Regierung die Ausarbeitung sogenannter Strandentwicklungspläne vornimmt und betont, daß nur Charterflüge hohe Besucherzahlen garantieren, und der Lufthansa - Tochter Condor?
Ist der Bundesregierung bekannt, ob die in Frage 4 erwähnten Baupläne für den „R-C" noch aus der Zeit stammen, als der „R-C" noch zu 50 Prozent der Firma „St.-Hotels" gehörte (bis Mitte 1989)?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß die Anti-Tourismus-Bewegung in Goa diese Art der Tourismusentwicklung ablehnt, da die deutschen Touristen ihre Reisen bei einem deutschen Veranstalter buchen, mit der deutschen Condor fliegen und in einem deutschen Hotel wohnen, so daß das „große Geld" gar nicht erst ins Land kommt?
Sind in den letzten zehn Jahren in Goa oder in anderen Teilen Indiens (wenn ja, wo?) Bundesmittel zur direkten und/oder indirekten Tourismusförderung eingesetzt worden, oder ist dies geplant?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, auf eine derartige Entwicklung des Tourismus Einfluß zu nehmen?
Ist der Bundesregierung darüber hinaus bekannt, daß die Lufthansa-Tochter Condor als Flugpartner verschiedener Reiseveranstalter Ein- bis Zweitagesreisen nach Algerien, Portugal, Marokko usw. ausführt?
Wie beurteilt sie diese Art des Flugtourismus angesichts der Tatsache, daß neben großer Energievergeudung und Umweltbelastung diese Quick-Trip-Touristen zu der unsensibelsten (weil meist ohne Kenntnis von Land und Leuten) Touristensorte gehören und insbesondere für die einheimische Bevölkerung negative Auswirkungen zu erwarten sind?
Wird die Bundesregierung zumindest bei Condor diese Art der Reisen zu stoppen versuchen?