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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Umwelt- und Gesundheitsgefährdung durch Cadmium und Maßnahmen der Bundesregierung (G-SIG: 11005028)

Cadmiumeintrag in die Umwelt, Belastung von Lebensmitteln und des Grundwassers, gesundheitliche Folgen, Gegenmaßnahmen

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Datum

15.02.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/622816.01.90

Umwelt- und Gesundheitsgefährdung durch Cadmium und Maßnahmen der Bundesregierung

der Abgeordneten Frau Garbe und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

In der Bundesrepublik Deutschland liegt die durchschnittliche tägliche Cadmiumaufnahme im Mittel bei 35 Mikrogramm pro Tag. Diese vorrangig durch die Schadstoffbelastung der Lebensmittel bedingte tägliche Giftzufuhr ist so hoch, daß Zehntausende von Niereninsuffizienzen allein aus diesem Grunde zu befürchten sind.

In den Cadmiumgehalten der Lebensmittel ist kein Trend zu fallenden Werten zu erkennen. Vielmehr steigen die Cadmiumkonzentrationen in Milch, Fisch und Gemüse sogar an.

Eine effektive Reduzierung der Cadmiumaufnahme vor allem im Bereich der Lebensmittel ist gesundheitspolitisch geboten. In ihrer Bodenschutzkonzeption hat die Bundesregierung die Auffassung vertreten, daß bezüglich dieser persistenten Umweltchemikalien wie Cadmium „unter Berücksichtigung der bereits jetzt vorhandenen Vorbelastungen eine weitere Verbreitung dieser Stoffe in der Umwelt grundsätzlich vermieden werden muß."

Wir fragen die Bundesregierung:

Zur Umwelt- und Gesundheitsbelastung:

Fragen21

1

Welche Mengen Cadmium wurden jährlich im Zeitraum der letzten zehn Jahre in der Bundesrepublik Deutschland gewonnen oder in der Produktion zum Einsatz gebracht?

2

Welche Mengen Cadmium gelangten in diesem Zeitraum jährlich in die Umwelt

a) aus der Cadmium-Gewinnung

b) aus der NE-Metall-Industrie

c) aus der Anwendung von Cadmium in der Produktion verschiedener Branchen

d) aus der Düngemittel-Industrie

e) mit der Nutzung von Klärschlämmen

f) aus Beseitigungsmaßnahmen (Verbrennung, Deponierung, Recycling) cadmiumhaltiger Produkte

g) aus sonstigen Bereichen?

3

In welchem Maße tragen die verschiedenen Pfade zur Belastung von Wasser, Boden und Luft bei?

4

Wie hoch ist die Gesamtmenge an Cadmium, die im Zeitraum der letzten zwanzig Jahre in die Umwelt eingetragen wurde?

5

Welche Daten liegen der Bundesregierung über die Bodenbelastung mit Cadmium vor?

6

Welche Gebiete/Regionen sind sogar über den Bodengrenzwert hinaus belastet?

7

Wieviel des in die Umwelt eingetragenen Cadmiums ist bioverfügbar?

8

In welchem Umfang sind Lebensmittel mit Cadmium belastet?

9

Welche Gefahren sieht die Bundesregierung in der Umweltbelastung mit Cadmium im Hinblick auf das Grundwasser und die Trinkwasserversorgung, und welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang über Wechselwirkungen mit dem sauren Regen, mit der Anwendung von EDTA in Düngemitteln sowie dem hohen Gehalt an Komplexbildnern in Klärschlämmen?

10

Wie hoch ist zur Zeit die durchschnittliche tägliche Cadmium-Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland, und wie groß ist die Bandbreite?

11

Wie beurteilt die Bundesregierung die gesundheitliche Beeinträchtigung der Bevölkerung durch die Cadmiumaufnahme?

12

Welche Bedeutung mißt die Bundesregierung der Cadmiumbelastung im Hinblick auf die zunehmenden Niereninsuffizienzen bei?

Zu Cadmium-Aktionsprogrammen

13

Vom BLAU (Bund-Länder-Ausschuß Umweltchemikalien) ist Anfang 1989 ein Maßnahmenkatalog zu Cadmium erarbeitet worden.

Welche Maßnahmen sind darin vorgesehen, und wie weit ist die Umsetzung der geplanten Maßnahmen gediehen?

14

Welche Schlußfolgerungen wurden von seiten der Bundesregierung aus den Untersuchungen von Oldiges et al. am Fraunhofer-Institut für Umweltchemie und Umwelttoxikologie zur karzinogenen Wirkung cadmiumhaltiger Aerosole im Hinblick auf Konsequenzen für den Arbeitsschutz gezogen?

15

Wie hat sich die Cadmium-Bilanz der eingesetzten Phosphatdünger in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt, und welche Maßnahmen wurden von der Bundesregierung ergriffen, eine technische Cadmium-Eliminierung aus Rohphosphaten zu ermöglichen?

16

Welche Maßnahmen sieht das EG-Cadmium-Aktionsprogramm vor, und zu welchen Ergebnissen hat es bislang in der Bundesrepublik Deutschland geführt?

17

Worauf führt die Bundesregierung die Tatsache zurück, daß der Cadmium-pro-Kopf-Verbrauch in der Bundesrepublik Deutschland noch deutlich höher ist als in Japan und den USA?

18

Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß der Cadmium-Einsatz im Bereich der Nickel-Cadmium-Akkumulatoren immer noch expansiv ist, und welche Maßnahmen wurden ergriffen, um diese größte Cadmium-Anwendung zu reduzieren?

19

Sind von seiten der Chemischen Industrie in der PVC-Herstellung die Cadmiumstabilisatoren inzwischen vollständig durch Calcium- oder Zinkstabilisatoren ersetzt worden, und wenn nein, was gedenkt die Bundesregierung zu tun, um den völligen Verzicht auf den Einsatz von Cadmium-Stabilisatoren in der PVC-Herstellung zu erzwingen?

20

Wie beurteilt die Bundesregierung die Cadmium-Aktionsprogramme in Dänemark und Schweden, und ist es zutreffend, daß in diesen Ländern weiterreichende Maßnahmen in der Cadmiumreduzierung ergriffen wurden als in der Bundesrepublik Deutschland?

Bonn, den 16. Januar 1990

Frau Garbe Hoss, Frau Schoppe, Frau Dr. Vollmer und Fraktion

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