Einsatz von Tierarzneimitteln und Stoffen mit pharmakologischer Wirkung in der Tierproduktion
der Abgeordneten Frau Flinner, Kreuzeder und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen22
Wie groß war die — in der Bundesrepublik Deutschland hergestellte, — in der Bundesrepublik Deutschland vertriebene, — in die Bundesrepublik Deutschland eingeführte, - - von der Bundesrepublik Deutschland ausgeführte Menge, und wie groß war der Wert an Tierarzneimitteln pro Jahr in den letzten zehn Kalenderjahren?
Auf welche Angaben stützt sich die Bundesregierung?
Welchen Anteil hatten die Tierarzneimittel an der gesamten Pharmaproduktion der Bundesrepublik Deutschland (Menge und Wert) pro Jahr in den letzten zehn Kalenderjahren?
Wie groß waren in den letzten zehn Jahren jeweils die jährlich in der Bundesrepublik Deutschland vertriebenen Mengen, und wie groß war der Wert an Antibiotika, Leistungsförderern (Zusatzstoffe nach Futtermittelverordnung Anlage 3, 1 und 4), Hormonen, Tranquilizern, Beta-Mimetika (z. B. Clenbuterol), Beta-Blockern und Antiparasitika, die für den Einsatz bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, zugelassen sind?
Wie gliedert sich der Einsatz der Wirkstoffgruppen/Mittel nach Tierarten, wie nach Haltungsformen?
Welchen Daten und Erkenntnisse über Tierarzneimittel in den anderen Mitgliedstaaten der EG liegen der Bundesregierung vor (entsprechend den Fragen 1 bis 3)?
Bei welchen pharmakologisch wirksamen Substanzen ist der Bundesregierung bekannt, daß sie in den letzten 15 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland illegal als Masthilfsmittel eingesetzt wurden, aufgeschlüsselt nach Jahr, Wirkstoff, Tierart und Anzahl der Tiere?
Wie hoch ist beim Mißbrauch von pharmakologisch wirksamen Substanzen die Dunkelziffer anzusetzen?
Welche dieser Stoffe werden in welchen Mengen in der Bundesrepublik Deutschland hergestellt?
Welche weiteren Stoffe mit pharmakologischer Wirkung können nach Kenntnis der Bundesregierung als potentielle illegale Masthilfsmittel angesehen werden, aufgeschlüsselt nach Wirkstoff und Tierart, bei der der Wirkstoff eingesetzt werden könnte, sowie Vermerk, welche als Humanmedikamente eingesetzt werden?
Welche dieser Stoffe werden in welcher Menge in der Bundesrepublik Deutschland hergestellt?
Liegen der Bundesregierung Informationen über die Herkunft der illegal eingesetzten Wirkstoffe vor; wenn ja, aus welchen Ländern und von welchen Herstellern stammen diese (bzw. läßt sich eine Verwendung der Präparate namhafter Hersteller ausschließen)?
Welche der in den Fragen 5 und 6 angesprochenen Wirkstoffe sind in anderen EG-Mitgliedstaaten als Human- oder Tierarzneimittel zugelassen?
Welche Institutionen bzw. Untersuchungsämter sind zur Analyse der in den Fragen 5 und 6 angesprochenen Substanzen in der Lage?
Für welche Stoffe besteht kein Nachweisverfahren?
Läßt sich der Anteil von nicht zugelassenen Stoffen mit pharmakologischer Wirkung im Verhältnis zu den in der Bundesrepublik Deutschland vertriebenen, zugelassenen Tierarzneimitteln beziffern bzw. liegen der Bundesregierung Schätzungen darüber vor, welchen Anteil am Wert und an der abgesetzten Menge sie haben?
Welche Vertriebswege für nicht zugelassene Stoffe sind der Bundesregierung und den Länderbehörden bekannt, und welchen Anteil haben sie jeweils am gesamten Umsatz illegaler Arzneimittel?
Welche Präventivmaßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um den illegalen Einsatz von Stoffen mit pharmakologischer Wirkung, die nicht als Tierarzneimittel zugelassen sind, in der Tierproduktion zu unterbinden?
Tierarzneimittel werden in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur über niedergelassene Tierärzte vertrieben, sondern erreichen auch über den „grauen Arzneimittelmarkt" den Landwirt.
Welche Berufsgruppen vertreiben legal und welche illegal Tierarzneimittel in der Bundesrepublik Deutschland, welchen prozentualen Anteil haben sie jeweils am Vertrieb?
Welchen Anteil am gesamten Umsatz von Tierarzneimitteln (Menge, Wert) haben sogenannte Autobahntierärzte (niedergelassene Tierärzte, die in großem Umfang Tierarzneimittel an Landwirte vertreiben, ohne daß ein Betreuungsvertrag besteht und ohne daß sie Hoftierarzt sind)?
Welchen Anteil an der Tierärzteschaft haben diese Autobahntierärzte?
Nach Anlage 1 Kapitel III 2. der Fleisch-Hygiene-Verordnung werden stichprobenweise Rückstandsuntersuchungen an Schlachttieren vorgenommen.
Wie viele Proben wurden insgesamt in den letzten zehn Kalenderjahren gezogen, aufgeschlüsselt nach Jahren und der Art der Probe (auf was wurde untersucht?), —wie viele Proben auf hormonelle Rückstände waren positiv, —wie viele Proben auf Antibiotika und Chemotherapeutika waren positiv?
Bei wie vielen positiven Untersuchungen wurde anschließend eine Verwarnung des Besitzers oder eine Bestandsüberprüfung durchgeführt?
Auf welche Angaben stützt sich die Bundesregierung?
Wie viele Untersuchungen auf Chloramphenicol wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt (absolut und in Prozent aller Schlachttiere); wie viele Untersuchungen hatten ein positives Ergebnis?
Welche Institutionen und Untersuchungsämter sind zur Untersuchung auf Chloramphenicol in der Lage?
Welche jährlichen Kosten entstehen durch Untersuchungen auf Rückstände nach Anlage 1 Kapitel III 2. und 3. der Fleisch-Hygiene-Verordnung?
Welche Polizeidienststellen und Zolldienststellen mit wieviel Personen sind auf Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz in bezug auf Tierarzneimittel spezialisiert?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung zur Verbesserung der Transparenz des Handels mit pharmakologisch wirksamen Substanzen und zur Klärung des Verbleibs bzw. der Verwendung dieser Stoffe?
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Einführung einer vom Produzenten über Handel bis zum Verbraucher durchgehenden Buchführungspflicht?
Welche Entwicklung für den (legalen und den illegalen) Handel mit pharmakologisch wirksamen Substanzen ist durch die Einführung des Europäischen Binnenmarktes zu erwarten, durch den Grenzkontrollen völlig entfallen und nationale Verbote und Einschränkungen aufgehoben werden?
Welche Auswirkungen wird der Binnenmarkt auf die Zulassung von Arzneimitteln haben?
Wie wird sich der Binnenmarkt auf die Zulassung der innerhalb der EG und zwischen EG und USA umstrittenen Wachstumshormone auswirken?