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Kleine AnfrageWahlperiode 11Beantwortet

Einsatz biologischer Toiletten in Reisezugwagen der Deutschen Bundesbahn (G-SIG: 11005209)

Einsatz des Toilettensystems "Microphor" nach amerikanischem Vorbild, Erprobung in einem Interregio-Wagen, Einsatz in Bahndienstwagen, Bundesmittel zur Nachrüstung älterer Wagen

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Verkehr

Datum

16.08.1990

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 11/761119. 07.90

Einsatz biologischer Toiletten in Reisezugwagen der Deutschen Bundesbahn

des Abgeordneten Weiss (München) und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

In den meisten Reisezugwagen der Deutschen Bundesbahn sind bis heute nur „Plumsklos" enthalten, bei denen die Fäkalien ungereinigt aus dem Zug ins Gleis fallen. Die Wagen, die auf Hochgeschwindigkeitsstrecken zum Einsatz kommen, werden mit Vakuumklos ausgestattet, bei denen die Fäkalien gesammelt werden.

Dies schafft dann wiederum Probleme mit der Entsorgung, weil die gesamten Fäkalien zentral an einem Ort entsorgt werden müssen.

Aus diesem Grund werden auch neue Wagen (z. B. die Interregio-Wagen oder die neu zu beschaffenden Pendolinos für Bayern) nach wie vor nur mit „Plumsklos" ausgerüstet. Eine Alternative bestünde in dem Einsatz biologischer Toiletten vom Typ „Microphor", bei denen Redwood-Rinde zum Einsatz kommt. Auf dieser Rinde gedeihen Bakterien, die die Fäkalien einschließlich Papier auffressen, so daß nur Wasser übrigbleibt und keine Feststoffe.

Dazu fragen wir die Bundesregierung:

Fragen11

1

Ist der Bundesregierung bekannt, daß in den USA bereits etwa 1 000 Stück dieser Toiletten in Fahrzeugen erfolgreich eingesetzt werden?

2

Trifft es zu, daß die Deutsche Bundesbahn bereits im Januar 1990 von der Partner für Fahrzeugausstattungen (PFA) in Weiden einen Interregio-Wagen mit biologischer Toilette vom Typ Microphor ausgeliefert bekommen hat?

3

Trifft es weiter zu, daß dieser Wagen dann zunächst im Betriebswerk Kassel abgestellt und nicht eingesetzt worden ist?

4

Trifft es weiter zu, daß dieser Wagen zwar inzwischen eingesetzt wird, die biologische Toilette jedoch abgesperrt wurde, so daß sie nicht benutzt werden kann?

5

Ist es richtig, daß als Grund für die Weigerung der Bahn, die Toilette benutzbar zu machen, angegeben wird, diese biologische Toilette sei noch nicht ausreichend erprobt?

6

Wie und wo soll denn nach den Vorstellungen der Deutschen Bundesbahn eine solche Toilette erprobt werden, wenn nicht in den Zügen der Deutschen Bundesbahn?

7

Trifft es zu, daß biologische Toiletten auch bei der Deutschen Bundesbahn bereits eingesetzt werden in sog. Bahndienst-wagen?

Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bundesbahn mit diesen Wagen gemacht?

Was muß an diesem Toilettensystem noch erprobt werden, was nicht bereits in den Bahndienstwagen erprobt werden konnte?

8

Kann ,es sein, daß die Deutsche Bundesbahn befürchtet, daß im Falle eines erfolgreichen Tests der Bio-Toilette Forderungen erhoben werden, daß diese Klos auch in älteren Wagen nachgerüstet werden müssen und daß deshalb die Deutsche Bundesbahn die Erprobung verhindert?

9

Wäre denn die Bundesregierung grundsätzlich bereit, der Deutschen Bundesbahn Geld (außerhalb des bestehenden Plafonds) zur Verfügung zu stellen zum Nachrüsten älterer Wagen mit biologischen Toilettenanlagen?

10

Wann wird die bei der Deutschen Bundesbahn jetzt in einem Wagen vorhandene biologische Toilette für die Benutzung durch Reisende freigegeben werden?

11

Wird die Bundesregierung bei der Deutschen Bundesbahn darauf drängen, daß das System der „Plumsklos" möglichst bald abgelöst wird?

Welche Vorstellungen dazu hat die Bundesregierung?

Bonn, den 3. Juli 1990

Weiss (München) Hoss, Frau Dr. Vollmer und Fraktion

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