Tritiumbelastung der Mosel und anderer Gewässer aus Atomanlagen in der Bundesrepublik Deutschland
der Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Hüseyin-Kenan Aydin, Sevim Dağdelen, Lutz Heilmann, Hans-Kurt Hill, Inge Höger, Ulla Jelpke, Ulla Lötzer, Paul Schäfer (Köln), Volker Schneider (Saarbrücken), Alexander Ulrich und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
In unbelasteten Flüssen liegt die Tritiumbelastung normalerweise bei unter 1 Becquerel pro Liter Wasser (Bq/l). Dieser Wert wird an Fließgewässern in der Bundesrepublik Deutschland flussabwärts von Atomanlagen erheblich überschritten, wie der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar e. V. (BBMN) zusammen mit dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e. V. (BBU) bei Messungen feststellte.
Tritium ist ein besonders problematischer radioaktiver Stoff, da er zu einem Bestandteil des Wassers wird und durch herkömmliche Aufbereitungsverfahren nicht mehr daraus zu entfernen ist. Es wird vom Körper aufgenommen und führt zu einer Strahlenbelastung aller Organe. Weil Tritium im Körper organisch gebunden wird, kann es bei seinem radioaktiven Zerfall noch nach Jahrzehnten den menschlichen Körper schädigen und Krebs hervorrufen.
Als vor einigen Jahren der französische Elektrizitätskonzern EdF beantragte, die Tritiumkonzentration des Atomkraftwerkparks Cattenom in der Mosel zu erhöhen, kam es in der Bundesrepublik Deutschland zu massiven Protesten. Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) konnte in ihrer Stellungnahme vom Oktober 2003 den massiven Widerständen in der Öffentlichkeit gegen die Erhöhung der radioaktiven Einleitung nicht folgen: „Die in Cattenom gemessenen Tritiumeinleitungen von 16 bis 22 TBq (Terabecquerel) pro Block und Jahr liegen in den gleichen Größenordnungen der Ableitungen deutscher Druckwasserreaktoren gleicher Leistung“. In diesem Maße belasten auch die deutschen Atomkraftwerke Elbe, Weser, Ems, Rhein und Donau mit Tritium. Durch die Umstellung auf die Verwendung von höher angereicherten Brennelementen wurde ein neuer Grenzwert für die Einleitung beantragt. Die französische Regierung legte den Grenzwert für die Tritiumeinleitung nun mit 48 TBq pro Jahr und Reaktorblock fest. Genau der gleiche Wert wurde auch schon früher dem deutschen Atomkraftwerk ISAR 2, das ebenfalls höher angereicherte Brennelemente einsetzt, zugebilligt.
Gerade aus der Verwendung dieser neuartigen Brennelemente bei den Druckwasserreaktoren kommt es zu einer stark erhöhten Tritiumbelastung der Umwelt. So erreichten zwar einige deutsche Atomkraftwerke Spitzenleistungen in der Stromerzeugung, aber auch in der Tritiumabgabe.
Drucksache 16/11828 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeWir fragen die Bundesregierung:
Fragen6
Wie beurteilt die Bundesregierung die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Kinderkrebsregisters Mainz vom November 2007, wonach das Risiko für kleine Kinder an Krebsleiden zu erkranken zunimmt, je näher ihr Wohnort an einem Atomkraftwerk oder einer anderen Atomanlage liegt?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Gefahr der Belastung des Grundwassers und der Trinkwasservorräte, da Tritium bei der Wasseraufbereitung nicht beseitigt werden kann?
Wie beurteilt die Bundesregierung die gesundheitliche Gefährdung durch den Verzehr von Fischen aus tritiumbelasteten Gewässern in der Bundesrepublik Deutschland?
Wie beurteilt die Bundesregierung die gesundheitliche Gefährdung von Tieren, die Wasser aus tritiumbelasteten Gewässern in der Bundesrepublik Deutschland trinken?
In welchem Maße wird die Belastung der Gewässer mit Tritium in der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Belastung der Mosel durch Tritiumabgabe aus dem französischen Atomkraftwerk Cattenom heute, und welche Messergebnisse liegen vor?