Einsatz von Chlordioxid im Rahmen der Trinkwasseraufbereitung
des Abgeordneten Dr. Ehmke (Ettlingen) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Aufgrund beobachteter Nebenwirkungen der Trinkwasser-Chlorung (Bildung halogenorganischer Verbindungen) hat in vielen Wasserwerken der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jahren eine Verminderung der Chlordosierung und ein Verzicht auf Chlor zugunsten von Chlordioxid stattgefunden. Mittlerweile wird speziell am Rhein im Rahmen der Trinkwasserdesinfektion sogar häufiger auf Chlordioxid zurückgegriffen. Die Chlordioxidanwendung ist mit der Begründung eingeführt worden, daß hier im Vergleich zur Chloranwendung keine toxikologischen Bedenken bestünden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen7
Wie beurteilt sie in diesem Zusammenhang die anteilige Bildung von Chlorit im Verlauf der Chlordioxidanwendung?
Welche Bedeutung mißt sie biochemischen Beobachtungen bei, wonach ClO2 und/oder gebildete Beiprodukte die DNA Synthese beeinflussen (Court D. et al.; Envir. Health Persp. 46, 1982)? Sind ihrer Auffassung nach Auswirkungen auf die Spermatogenese oder Oogenese zu befürchten?
Welche Bedeutung haben für sie in diesem Zusammenhang Arbeiten, die auf die Bildung halogenierter organischer Verbindungen durch Chlordioxidzugabe hinweisen, und welche toxikologische Bedeutung wird diesen Nebenprodukten beigemessen?
Wie beurteilt sie neuere Befunde, wonach nach Chlordioxidanwendung von Trinkwasserkonzentraten eine ebensolche mutagene Wirkung auszugehen scheint wie von gechlortem Trinkwasser (Zoetemann et al.; Env. Health Persp. 46, 1982)?
Welche detaillierten Vorteile mißt sie dem Ersatz von Chlor durch Chlordioxid bei, abgesehen von dem verminderten Entstehen von Trihalogenmethanen und geschmacksintensiven Chlorphenolen?
Welche gesetzlich bindenden Vorschriften sind geplant, um die Chlordioxidzugabe mengenmäßig zu begrenzen bzw. zu regulieren? Wann werden diese Vorschriften voraussichtlich erlassen?
Welche Alternativen zur chemischen Trinkwasserdesinfektion (mittels Chlor, Chlordioxid, Chloraminen, Ozon) sind der Bundesregierung bekannt? Welche Verfahren werden z. Z. erforscht, welche in Pilotanlagen geprüft?