Biokost-Studie des Verbandes Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten e. V. (VDLUFA) (Ergänzungsanfrage)
der Abgeordneten Frau Dr. Vollmer und und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Da in der Vergangenheit, als die wissenschaftliche Seriosität der VDLUFA-Studie noch nicht in Frage stand, gerade auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich in Veröffentlichungen auf diese o. g. Studie zu beziehen und dazu von hohen Beamten des Ministeriums in Interviews und Veranstaltungen positive Aussagen gemacht wurden, können sich DIE GRÜNEN zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit den ausweichenden Antworten der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage — Drucksache 10/1114 — nicht zufriedengeben.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen12
Entspricht es nicht der Sorgfaltspflicht eines zuständigen Ministeriums, wenn statistische Manipulationen an so bedeutenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen aufgedeckt werden, diesen Sachverhalt zu prüfen und auf Anfrage über das Prüfungsergebnis Mitteilung zu erstatten?
Wird die Bundesregierung diese Prüfung nunmehr veranlassen oder gibt sie sich mit den Erklärungen der VDLUFA zufrieden, daß keine statistischen Manipulationen vorgenommen wurden, sondern lediglich diverse Schreib- und Übertragungsfehler vorgekommen seien?
Wird die Bundesregierung bei dieser Überprüfung auch die Unterlagen und den Brief des Kantonchemikers Dr. M. R. Schüpbach, Kantonales Laboratorium Basel-Stadt, vom 23. Februar 1984 an die VDLUFA in Darmstadt berücksichtigen, in dem Dr. Schüpbach unter anderem schreibt: „Als besonders unfair empfinde ich auch die Tatsache, daß Probleme der Umweltverschmutzung oft unbesehen den alternativen Produzenten angelastet werden. Stoffe, die früher als Pestizide eingesetzt waren (chlorierte Kohlenwasserstoffe), sind heute leider überall zu finden. Daß sich auch die biologischen Produzenten davor nicht schützen können, ist selbstverständlich. Dies aber als Anlaß zu nehmen, den bestehenden Unterschied in bezug auf die Rückstände von Stoffen, die heute eingesetzt werden, zu verwedeln, ist ein recht starkes Stück, das von Ihrem Verband in Szene gesetzt worden ist. "?
Wann wird das Ergebnis dieser Prüfung voraussichtlich der interessierten Öffentlichkeit und den Parlamentariern bekanntgegeben werden?
Wer war(en) der (die) Auftraggeber dieser Studie?
In welchem Umfang werden die landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten insgesamt jährlich mit Bundesmitteln unterstützt?
In welchem Umfang wurden in den letzten fünf Jahren Forschungsaufträge der Bundesregierung an den VDLUFA vergeben?
Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage wurde die Aussage der Bundesregierung getroffen: „Wuchsstoffherbizide (wie z. B. Phenoxycarbonsäure) werden zwar in größeren Mengen angewandt, jedoch werden sie und ihre Metaboliten als Rückstände in Lebensmitteln nur in Ausnahmefällen gefunden"?
Liegen flächendeckende und umfassende Erhebungen über die Rückstandssituation bezüglich Phenoxycarbonsäure (2,4,5—T; 2,4—D) im Getreide bzw. in Getreideprodukten in der Bundesrepublik Deutschland vor? Wenn ja, welche und mit welchen Ergebnissen?
Ist der Bundesregierung bekannt, in welchen staatlichen chemischen Untersuchungsämtern und in welchen landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten Getreide und Getreideprodukte und mit welcher Häufigkeit auf Phenoxycarbonsäuren, speziell 2,4,5—T und 2,4—D, untersucht werden?
Hält die Bundesregierung die Auffassung für zutreffend, wonach eine der Hauptbelastungen des Bundesbürgers mit Dioxinen und Dibenzofuranen durch den landwirtschaftlichen Einsatz von 2,4,5-T über die Anreicherung dieser Stoffe in Nutztieren stattfindet, und wie beurteilt sie in diesem Zusammenhang die von Prof. Rappe gefundenen Dioxingehalte in der Muttermilch?
Nach der Pflanzenschutzmittel-Höchstmengenverordnung vom 24. Juni 1982 (BGBl. I S. 745) ist gerade für die mengenmäßig bedeutsamen Wuchsstoffherbizide (wie z. B. Phenoxycarbonsäuren) der Gesichtspunkt der Metabolisierung und der Abbau der entsprechenden Wirkstoffe unberücksichtigt geblieben.
Wo werden welche Metabolite routinemäßig in Getreide und Getreideprodukten untersucht?