Handbuch zur Selbstmedikation
der Abgeordneten Frau Schoppe und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Der Frankfurter pmi-Verlag hat kürzlich ein „Handbuch zur Selbstmedikation — Heilmittelindex '84 herausgegeben. Das Buch wird in einer ganzseitigen Anzeige in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 4. Juli 1984 als Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen angepriesen.
Die Anzeige kann den Eindruck erwecken, der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung und der Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit hätten an der Herausgabe des Handbuchs mitgewirkt oder würden das Handbuch als Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen befürworten.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen6
Haben Mitglieder der Bundesregierung an der Herausgabe des Handbuchs mitgewirkt, oder haben Mitglieder der Bundesregierung das Handbuch befürwortet?
a) Wenn ja, wer hat in welcher Weise mitgewirkt oder befürwortet?
b) Wenn nein, was hat die Bundesregierung unternommen, um dem Eindruck zu begegnen, Mitglieder der Bundesregierung hätten an der Herausgabe des Buchs mitgewirkt oder würden das Handbuch als Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen befürworten?
Befürwortet die Bundesregierung eine Ausweitung der Selbstmedikation ohne vorherige Inanspruchnahme der Heilberufe?
Wie wird die Bundesregierung den folgenden Gefahren des Mißbrauchs und der Nebenwirkungen bei einer solchen Selbstmedikation begegnen:
a) mögliches Suchtpotential bei Beruhigungs- und Schlafmitteln,
b) Gefahr der Überdosierung (z. B. bei Mitteln gegen angebliche Mangelzustände),
c) Gefahr von Nebenwirkungen z. B. bei Vorliegen von Allergien oder von unerwünschten Auswirkungen auf den Blutdruck?
Hält es die Bundesregierung für verantwortbar, medizinischen Laien eine Selbstmedikation anzuraten z. B. bei
— Herzerkrankungen (Prophylaxe und Behandlung von Herzinfarkt, der Angina pectoris, Stenocardien, Extrasystolie und Arrhythmien, energetisch-dynamischer Herzinsuffizienz, Acidose, Elektrolytentgleisung, Cor pulmonale) mit „Trophicard-Köhler" ,
— Magen- und Darmgeschwüren mit „Agamadon" etc.?
Ist die Bundesregierung in der Lage und gegebenenfalls bereit, zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher das „Handbuch zur Selbstmedikation" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bewerten zu lassen, damit unter anderem die unter 4. genannten Mißempfehlungen korrigiert werden können?
Welche Alternativen empfiehlt die Bundesregierung zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen anstelle der propagierten Selbstmedikation?