Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
10. Wahlperiode
Drucksache 10/1986
17.09.84
Sachgebiet 2121
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Frau Dr. Hickel und der Fraktion DIE GRÜNEN
Sicherstellung der Arzneimittelversorgung durch Apotheken
Die Apotheke ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur ein
Geschäftsbetrieb, sondern eine Einrichtung des öffentlich-
rechtlichen Gesundheitswesens, die die Arzneimittelversorgung der
Bevölkerung sicher zu stellen hat (§ 1 Apothekengesetz) und
dabei in den Möglichkeiten ihrer Geschäftsführung (Werbung,
Selbstbedienung) im Interesse der Gesundheitsfürsorge stark
eingeschränkt sowie zur Bereitstellung von Fachberatung durch
approbierte Apotheker oder pharmazeutisch-technische
Assistenten verpflichtet ist.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
1. Ist der Bundesregierung bekannt, daß in der Bundesrepublik
Deutschland mindestens sieben Maklerfirmen darauf
spezialisiert sind, in Zusammenarbeit mit
Apothekeneinrichtungsfirmen vorhandene Apotheken von ihrem Standort zu verdrängen
mit dem Hinweis, daß in unmittelbarer Nachbarschaft eine
neue Apotheke eröffnet, wenn die alte sich nicht bereit findet,
die neuen Räume — auch zu ruinösen Mieten — anzumieten?
2. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Anteil der
jährlichen „Neugründungen" von Apotheken, deren
„Neugründung " auf derartige „Erpressung", auch durch weitere Makler-
und Architektenfirmen, beruht?
3. Ist es nach Auffassung der Bundesregierung
gesundheitspolitisch unbedenklich, wenn Apotheken durch massiven
finanziellen Druck von Immobilienmaklern und anderen
Geschäftsleuten gezwungen werden, ihre Umsätze drastisch zu erhöhen,
um die geforderten Mieten — die einer indirekten
Gewinnbeteiligung gleichkommen — aufbringen zu können?
4. Ist die Bundesregierung der Auffassung, daß die Bestimmung
eines Mindestabstandes zwischen zwei Apotheken ein
geeignetes Mittel wäre, um diesem Mißstand abzuhelfen, und ist sie
bereit, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, und wenn ja,
wann?
Bonn, den 17. September 1984
Dr. Hickel
Schoppe, Dr. Vollmer und Fraktion]