BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 10Beantwortet

Umweltgefahren durch Uranhexafluorid im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage Gronau (G-SIG: 10001786)

Sicherheitsmaßnahmen gegen die Freisetzung von Uranhexafluorid, Kapazität der Anreicherungsanlage Gronau, Möglichkeit der Aufbewahrung des Urans in anderer Verbindung, Umfang der Transporte von Uranhexafluorid, Katastrophenschutzvorkehrungen, Verwendbarkeit des angereicherten Urans für Kernwaffen

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

26.10.1984

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 10/209810.10.84

Umweltgefahren durch Uranhexafluorid im Zusammenhang mit der Urananreicherungsanlage Gronau

der Abgeordneten Frau Schoppe und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Im Ärmelkanal ist der Frachter „Mont Louis" mit 225 Tonnen Uranhexafluorid an Bord gesunken. In der im Bau befindlichen Gronauer Urananreicherungsanlage (UAA) soll derselbe Stoff verarbeitet werden. Im Jahre 2009 sollen 34 000 Tonnen in Gronau in Fässern unter freiem Himmel gelagert werden. Bereits in Verbindung mit dem Wasserstoff der Luft entstehen aus dem Uranhexafluorid (UF6) die hochgiftigen Stoffe Uranylfluorid und Fluorwasserstoff.

Wir fragen aus Anlaß des jüngsten schweren Uranhexafluorid-Transportunfalls im Ärmelkanal die Bundésregierung:

Fragen10

1

Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um die Beschäftigten der UAA und die sonstige Bevölkerung bei einem Leck in einem UF6-Behälter bzw. einem sonstigen Unfall mit starken UF6-Freisetzungen zu schützen?

2

Wieviel Tonnen an abgereichertem Uran fallen jährlich bei Produktionsbeginn der UAA bzw. bei Aufnahme der maximalen Produktionskapazität der UAA Gronau an?

3

Für welchen Zeitraum ist die Lagerung des abgereicherten UF6 in Gronau vorgesehen? Wie soll nach Auffassung der Bundesregierung die Entsorgung dieses chemisch hochgiftigen Stoffes erfolgen?

4

Bestätigt die Bundesregierung Informationen, denen zufolge a) die chemische Toxizität des UF 6 erheblich verringert werden könnte durch die Abtrennung des Urans von dem Fluor, b) schon der Verkauf des so gewonnenen Fluors die Trennkosten decken würde?

Falls ja, warum wird auf die Trennung von Uran und Fluor verzichtet? Falls nein, welche Überlegungen wurden bisher angestellt, um die Mengen des zu lagernden Uranhexafluorids zu reduzieren, welche Maßnahmen sind hierfür vorgesehen?

5

Mit wieviel UF6-Transporten von oder nach Gronau ist jährlich zu rechnen — ab August 1985, — im Laufe der 90er Jahre?

6

Einer Studie der Gruppe Ökologie, Hannover, zufolge drohen die größten Transportgefahren bei UF 6- Binnenlandtransporten, wenn bei einem Verkehrsunfall ein Feuer ausbricht.

U. a. heißt es hierzu in der Studie: „Wird ein intakter Behälter einem Brand bei einer Umgebungstemperatur von 800° C (ein Benzinfeuer erzeugt Temperaturen von über 1 000° C) ausgesetzt, platzt der Behälter unter dem steigenden Druck nach 1,7 Stunden explosionsartig. Schlagartig werden 80 % des UF 6 230 m hochgeschleudert, wo es verdampft. Die restlichen 20 % werden brockenweise in die nähere Umgebung geworfen und verdampfen innerhalb von vier Stunden." (Gruppe Ökologie Hannover, Sicherheit und Umweltauswirkungen eines Lagers für Uranhexafluorid und Urankonzentrat bei Leese, Hannover, Juni 1983)

Inwieweit kann nach Auffassung der Bundesregierung das hier dargelegte Szenario ausgeschlossen werden?

Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund dieses Szenarios die Aussage des Uranit-Geschäftsführers Dr. H. Mohrhausen, der zufolge für die Störfallvorsorge der größte anzunehmende Unfall bereits bei einem Entweichen von 50 kg UF6 angenommen wird (vgl. „ Gronauer Nachrichten" vom 1. September 1984)?

Welche Katastrophenschutz-Vorkehrungen sind entlang der bundesdeutschen UF6-Transportrouten eingerichtet bzw. vorgesehen?

7

Wieviel Tonnen UF 6 werden derzeit in welchen Anreicherungsstufen in Weisweiler (Nordrhein-Westfalen) und in Hanau (Hessen) bzw. an anderen Orten der Bundesrepublik Deutschland gelagert? Auf welche Tonnage wird sich . die in der Bundesrepublik Deutschland zu lagernde UF 6 -Menge bis zum Jahr 1990 und zum Jahr 2000 erhöhen?

8

Kann nach Auffassung der Bundesregierung ausgeschlossen werden, daß Uran 238 wegen seiner hohen Dichte in Waffenköpfen Verwendung findet?

9

Nach welchen internationalen Verträgen darf die Bundesrepublik Deutschland Uranhexafluorid bis zu welcher Uran- 235-Konzentration anreichern? Ab welchem Prozentsatz kann von waffenfähigem Uran gesprochen werden?

10

Bis zu welcher Uran-235-Konzentration wird die UAA Gronau anreichern können? Bis zu welcher Konzentration könnte sie bei anderen Kaskadenschaltungen maximal anreichern?

Bonn, den 10. Oktober 1984

Schoppe, Dr. Vollmer und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen