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Kleine AnfrageWahlperiode 10Beantwortet

Spallations-Neutronenquelle in der Kernforschungsanlage Jülich (G-SIG: 10002361)

Entscheidung der Bundesregierung über Bau und Finanzierung der Spallations-Neutronenquelle (SNQ), Kostenabschätzungen, Impulse für die Grundlagenforschung, geplante Untersuchungen im Bereich der Nuklearbiologie, Biotechnologie und Kernphysik, Nutzung gewonnener Erkenntnisse für die Technologie der Atomwaffenentwicklung, Standort der SNQ, insbesondere Beschaffenheit des Untergrundes und der Bodenabsenkungen, Sicherheitsprobleme und Störfallrisiken, Strahlenschutz, Verwendung von Uran-238-Targets und deren Entsorgung, Genehmigungsverfahren für die einzelnen Anlagenteile

Fraktion

Die Grünen

Ressort

Bundesministerium für Forschung und Technologie

Datum

29.03.1985

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 10/304914.03.85

Spallations-Neutronenquelle in der Kernforschungsanlage Jülich

der Abgeordneten Frau Dr. Bard und der Fraktion DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Dr. Bard und der Fraktion DIE GRÜNEN Spallations-Neutronenquelle in der Kernforschungsanlage Jülich

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen51

1

Wann beabsichtigt die Bundesregierung, eine endgültige Entscheidung über Bau und Finanzierung der Spallations-Neutronenquelle (SNQ) in der Kernforschungsanlage Jülich (KFA) zu treffen?

2

a) Wie haben sich die Kostenabschätzungen im Laufe der Planungsphase entwickelt, und welche Gründe waren dafür jeweils maßgeblich?

2

b) Von welchen unabhängigen Gremien läßt die Bundesregierung die Kostenschätzungen überprüfen?

2

c) Wie hoch liegen die aktuellen Abschätzungen der Gesamtkosten für die SNQ inklusive der Teuerungszuschläge und der Nebenkosten? Übersteigen diese Kosten den Betrag von 3 Mrd. DM?

2

d) Welcher Finanzierungsanteil ist aus Bundesmitteln geplant? Gibt es andere Geldgeber, und wenn ja, wie hoch ist jeweils deren Anteil?

3

Wie steht die Bundesregierung zu der verschiedentlich geäußerten Kritik, daß keine ausreichende Versuchsplanung für die SNQ vorliege und daß man erst die Anlage baue und dann überlege, was man damit anfangen könne?

4

a) Aufgrund welcher Kriterien hat die Bundesregierung beschlossen, ein Projekt in der Größenordnung der SNQ zu fördern, während gleichzeitig zahlreiche kleinere Projekte aus dem Bereich der Grundlagenforschung an Universitäten aus finanziellen Gründen nicht gefördert werden können?

4

b) Hat die Bundesregierung eine Kosten-Nutzen-Analyse für die SNQ anfertigen lassen? Ist diese Analyse zugänglich?

4

c) Was sind die Ergebnisse dieser Analyse?

4

d) Welchen Impuls erhofft sich die Bundesregierung für die Grundlagenforschung von der SNQ?

4

e) Welche anderen Projekte würde die Bundesregierung vorrangig fördern, wenn sie den Bau der SNQ aufgeben würde?

5

a) In welchen Bereichen sind Erkenntnisse und Ergebnisse zu erwarten, die mit anderen Forschungsinstrumenten als der SNQ nicht gewonnen werden können?

5

b) Warum könnten die betreffenden Ergebnisse nicht mit anderen Methoden und Experimenten erzielt werden?

5

c) Welche Alternativen bestehen gegebenenfalls in den einzelnen Bereichen zur SNQ, welches sind dafür jeweils die Kosten und die technischen/wissenschaftlichen Realisationsaussichten der einzelnen Alternativen?

6

a) In welchem Zusammenhang mit der SNQ stehen geplante Untersuchungen biologischer Molekülstrukturen mit Arbeiten aus den Bereichen Biotechnologie oder Biochemie?

6

b) Wie viele und welche Forschergruppen haben heute bereits Forschungsansätze, die den Gebrauch einer SNQ als wünschenswert oder notwendig erscheinen lassen?

6

c) Um welche Forschungsansätze handelt es sich hierbei jeweils?

6

d) Welche alternativen Methoden stehen für diese Ansätze bereit?

6

e) Sind für die Realisierung dieser Forschungsansätze bereits Kosten-Nutzen-Analysen angefertigt worden, wenn ja, von wem und mit welchem Ergebnis?

6

f) Inwieweit ist für diese Untersuchungen die Nutzung der englischen SNQ in Rutherford möglich und bereits erwogen worden?

7

a) In welchem Zusammenhang stehen mit der SNQ geplante kernphysikalische Experimente mit der technologischen Weiterentwicklung von Atomwaffen?

7

b) Läßt sich jede direkte und indirekte Nutzung der mit Untersuchungen an der SNQ gewonnenen Erkenntnisse für die Technologie der Atomwaffenentwicklung ausschließen?

8

a) Welchen Einfluß hat die Bundesregierung auf die Auswahl der Experimente?

8

b) Welche Mittel hat die Bundesregierung, einen Mißbrauch der SNQ zu Forschungen bei ethisch problematischen, bedenklichen oder verwerflichen Entwicklungen oder bei der Weiterentwicklung von Know-how im Atomwaffenbereich zu erkennen und gegebenenfalls zu verhindern?

9

a) Gibt es in der Planung und Entwicklung der SNQ Verzögerungen, und welche Gründe sind für die Verzögerungen gegebenenfalls verantwortlich?

9

b) Treffen insbesondere Informationen zu, daß nicht finanzielle, sondern technische Probleme dazu führen, daß die Bundesregierung erwägt, von Finanzierung und Bau der SNQ Abstand zu nehmen? Um welche Probleme handelt es sich dabei im einzelnen?

10

a) Kann die Bundesregierung den Sachverhalt bestätigen oder widerlegen, der bei einer öffentlichen Anhörung in Jülich am 21. Februar 1985 geäußert wurde, daß nämlich der Standort der SNQ nach dem Kriterium der geringsten Bodenverschiebung infolge des Braunkohletagebaus bestimmt wurde und daß an dem jetzt vorgesehenen Standort die Bodenabsenkung in der Vergangenheit „nur" 10 m betragen hat gegenüber 30 m an den anderen Standorten auf dem Gelände der Kernforschungsanstalt Jülich?

10

b) Welche weiteren Bodenabsenkungen sind am geplanten Standort der SNQ zu erwarten, insbesondere durch den Tagebau „Hambach", der ja seine endgültige Tiefe von 500 m noch lange nicht erreicht hat?

10

c) Wie kann angesichts der Beschaffenheit des Untergrundes und der Bodenabsenkungen die Stabilität und Integrität der gemeinsamen Betonfundamentplatte der Anlage gewährleistet werden?

10

d) Welche Relativverschiebungen über die gesamte Länge der Anlage sind zulässig, ohne ihre Funktion oder Sicherheit zu beeinträchtigen?

11

a) Wo liegen Sicherheitsprobleme bei der SNQ, von welchen Bereichen und von welchen Anlagenteilen gehen Risiken für Beschäftigte und Umgebung aus?

11

b) Welche Störfallanalysen und welche Untersuchungen über Normalbetriebs- und Störfallrisiken wurden bisher vorgelegt?

11

c) Von welchen Instituten wurden diese Studien durchgeführt?

12

a) Welche Targetkonzepte und welche Targetmaterialien sollen nach welchem Schema und welchen Kriterien zum Einsatz kommen?

12

b) Welche Lebensdauererwartungen gibt es für die Targets?

13

a) Mit welcher Strahlenexposition ist innerhalb und außerhalb der Beschleunigeranlage zu rechnen?

13

b) Mit welchen Methoden werden diese Belastungen ermittelt?

13

c) Kann gewährleistet werden, daß die Grenzwerte nach der Strahlenschutzverordnung mit Sicherheit nicht überschritten werden? Wenn ja, kann dies aufgrund technischer oder aufgrund administrativer Maßnahmen erreicht werden?

13

d) Trifft es zu, daß zur Einhaltung der Grenzwerte bestimmte Wartungsmaßnahmen im (abgeschalteten) Beschleuniger ferngedient ausgeführt werden müssen? Sind die dafür benötigten Techniken und Geräte entwickelt und erprobt? Um welche Wartungsmaßnahmen handelt es sich hierbei jeweils?

14

a) Wie hoch ist das Aktivitätsinventar des Targets bei Verwendung der in Frage kommenden Materialien?

14

b) Welche Rückhalteeinrichtungen sind vorgesehen, welche Strahlenexpositionen sind beim Versagen der Rückhalteeinrichtungen im ungünstigsten Fall zu erwarten?

14

c) Welche Störfallanalysen liegen hierfür vor?

14

d) Welche Untersuchungen wurden dazu von welchen Instituten durchgeführt, welche Materialien wurden dabei verwendet?

15

a) Wann ist die Verwendung von Uran-238-Targets vorgesehen?

15

b) In welcher Menge und Zusammensetzung fallen bei der Verwendung von Uran-Targets Spaltprodukte, insbesondere Plutonium, an? Wie sehen diese Angaben bei der Verwendung von Wolfram-Targets aus?

15

c) Wie soll die Entsorgung des Targets vonstatten gehen, und welche Störfallanalysen liegen hierfür vor?

15

d) Trifft es zu, daß in der Anfangsphase zunächst kein Uran-Target verwendet werden soll, um mögliche Schwierigkeiten im Genehmigungsverfahren wegen des Anfalls von Plutonium aus dem Wege zu gehen? Was sonst sind die Gründe, warum zunächst kein Uran-Target vorgesehen ist?

16

Welche Strahlenbelastungen durch (hochenergetische) Neutronen können in der Anlage auftreten?

17

a) Welche Genehmigungsverfahren sind für die einzelnen Anlagenteile und die Gesamtanlage vorgesehen?

17

b) Welches ist die Genehmigungsbehörde, welche Antragsunterlagen sind einzureichen und welche Gutachten werden zur Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit erforderlich?

17

c) Trifft es zu, daß kein atomrechtliches Genehmigungsverfahren nach § 7 Atomgesetz vorgesehen ist?

Bonn, den 14. März 1985

Dr. Bard Schoppe, Dr. Vollmer und Fraktion

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