Auswärtige Kulturpolitik in Ländern mit überwiegend moslemischer Bevölkerung
der Abgeordneten Frau Dr. Wisniewski, Dr. Stercken, Pfeifer, Dr. Mertes (Gerolstein), Klein (München), Rühe, Graf von Waldburg-Zeil, Frau Geiger, Dr. Hüsch, Werner, Jäger (Wangen), Lenzer, Dr. Hennig, Dr. Meyer zu Bentrup, Eigen, Dr. von Geldern, Dr.-Ing. Kansy, Broil, Krey, Dr. Möller, von der Heydt Freiherr von Massenbach und Genossen und der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
In den letzten Jahren hat sich in Ländern mit überwiegend moslemischer Bevölkerung eine religiös-politische Bewegung verstärkt, die das Ziel einer auf den Koran gegründeten religiösen Erneuerung mit darüber hinausgehenden politischen Zielsetzungen verbindet. Gegenüber den westlichen Demokratien wird der Vorwurf erhoben, durch Materialismus und übersteigerten Individualismus „die menschliche Gesellschaft in ein Affentheater" verwandelt zu haben (Ghadhafi).
Vor diesem Hintergrund kommt der Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland in islamischen Ländern und namentlich solchen, die den Kontakt mit den westlichen Demokratien suchen, eine besondere Bedeutung zu.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen5
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen oder welche Maßnahmen sind beabsichtigt, um in mehrheitlich islamischen Ländern Werte und Eigenarten der abendländischen Kultur bekanntzumachen und den Dialog mit dem morgenländischen Kulturkreis intensiv zu führen?
Welche Einrichtungen (Schulen, Goethe-Institute, wissenschaftliche Institute, Einzelprofessuren etc.) werden von der Bundesregierung in dieser Region mittel- oder unmittelbar gefördert, die geeignet sind, über Vortragsveranstaltungen hinaus durch ständige Präsenz und Kontakte wirksam zu werden und junge Intellektuelle des anderen Kulturkreises in das wissenschaftliche, philosophische, religiöse, künstlerische Denken der europäischen Kultur einzuführen und diese in ihrer historischen Entwicklung verständlich zu machen?
Welchen Anteil besitzt in solchen Einrichtungen a) die Sprachvermittlung, b) die Kulturvermittlung, c) die wissenschaftliche Beschäftigung mit deutscher und europäischer Kultur?
Wie viele Lektoren, wie viele Professoren, wie viele sonstige Wissenschaftler aus der Bundesrepublik Deutschland stehen dafür an welchen Orten zur Verfügung?
Welche Möglichkeiten gibt es für deutsche Studierende, in islamischen Ländern einen Teil des Studiums zu absolvieren?