Zur Situation der Fachhochschulen
der Abgeordneten Vogelsang, Weisskirchen (Wiesloch), Dr. Osswald, Frau von Braun-Stützer, Frau Dr. Engel, Neuhausen und der Fraktionen der SPD und FDP
Vorbemerkung
In diesem Jahr bestehen die Fachhochschulen in der Bundesrepublik Deutschland zehn Jahre. Rund 20 v. H. der gesamten Studentenschaft studiert zur Zeit an Fachhochschulen. Bei den Studienanfängern beträgt der Anteil der Fachhochschulen, wegen der kürzeren Studienzeit, sogar nahezu 30 v. H. Allein dies zeigt, welche Bedeutung die Fachhochschulen schon rein quantitativ in unserem Hochschulwesen haben. Hochschulrechtlich sind sie den übrigen Hochschulen des tertiären Bereichs durch das Hochschulrahmengesetz grundsätzlich gleichgestellt; die Bundesländer haben das Hochschulrahmengesetz jedoch in unterschiedlicher Weise ausgefüllt. Auch die Entwicklung von integrierten Studiengängen und Gesamthochschulen verläuft nicht einheitlich. Auch aus der Bewertung der Abschlüsse von Fachhochschulen im Vergleich zu denen wissenschaftlicher Hochschulen im Beschäftigungssystem ergeben sich grundsätzliche Fragen, die für die weitere Entwicklung der Fachhochschulen von großer Bedeutung sind.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen9
Wieviel Fachhochschulen gibt es in der Bundesrepublik Deutschland, und welche Fachrichtungen werden an ihnen angeboten?
Wie hat sich die Anzahl der Studienanfänger an Fachhochschulen und wissenschaftlichen Hochschulen entwickelt, und welche Gründe gibt es für unterschiedliche Entwicklungen?
Inwieweit trifft es zu, daß Kapazitäten an Fachhochschulen nicht ausgelastet sind, und welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, das Studium an Fachhochschulen auch im Hinblick auf die technischen Studiengänge attraktiver zu machen?
Welche Unterschiede in sozialer Herkunft und Struktur sind bei Studenten an Fachhochschulen im Vergleich zu wissenschaftlichen Hochschulen festzustellen?
Welche Bildungswege haben Fachhochschulstudenten aufzuweisen, und wie wirken sich die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen für Fachhochschulen im Vergleich zu wissenschaftlichen Hochschulen aus?
Welche Bedeutung hat die individuelle Ausbildungsförderung (BAföG) in den zur Fachhochschulreife führenden Bildungsgängen und im Fachhochschulbereich selbst?
Auf welchen Gebieten sieht die Bundesregierung die künftigen Aufgabenschwerpunkte der Fachhochschulen, und welche Bedeutung mißt sie der Entwicklung von integrierten Studiengängen und Gesamthochschulen für die Studienreform im gesamten Hochschulbereich zu?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Fachhochschulen auch in Zukunft einen festen Platz in unserem Bildungssystem einnehmen, und welchen Beitrag kann der Bund — z. B. im Rahmen der Modellversuchspolitik — hierzu leisten?
Wie ist die gegenwärtige Nachfrage nach Absolventen der Fachhochschulen im Vergleich zur Nachfrage nach Absolventen von wissenschaftlichen Hochschulen auf dem Arbeitsmarkt, und wie sind die Berufschancen von Fachhochschulabsolventen in der Zukunft einzuschätzen?