Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
der Abgeordneten Dr. Hakki Keskin, Cornelia Hirsch, Ulla Jelpke, Sevim Dagdelen, Petra Pau und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Die Bundesregierung hat in ihrem Berufbildungsbericht 2005 den ein Jahr zuvor geschlossenen Ausbildungspakt mit der Wirtschaft für erfolgreich erklärt. Demnach gäbe es einen Zuwachs bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um 2,8 Prozent (vgl. Bundestagsdrucksache 15/5285, S. 1). Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) kommt dagegen zu dem Ergebnis, dass die Zahl der im Jahr 2005 neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge so niedrig wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland gewesen ist (http://www.bibb.de). Laut Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind im Jahr 2005 mindestens 100 000 junge Menschen mit Ausbildungsplätzen unversorgt geblieben, da sie entweder noch immer einen Ausbildungsplatz suchen, in Alternativen ausgewichen (jobben, wieder zur Schule gehen, berufsvorbereitende Maßnahmen ergriffen haben) sind oder an öffentlich finanzierter außerbetrieblicher Ausbildung teilnehmen. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe liegt demnach nur noch bei 23 Prozent (http://www.dgb.de).
Unter diesen qualitativen und quantitativen Mängeln leiden im Vergleich mit ihren deutschen Altersgenossen insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen18
Wie viele Jugendliche haben in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 überhaupt keinen Ausbildungsplatz gefunden (bitte nach einzelnen Jahren und getrennt nach männlichen und weiblichen Jugendlichen auflisten)?
Wie viele Jugendliche haben in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden (bitte nach einzelnen Jahren und getrennt nach männlichen und weiblichen Jugendlichen angeben)?
Wie viele Jugendliche, die in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 überhaupt keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, besitzen einen Migrationshintergrund (bitte nach einzelnen Jahren, nach jeweiliger Staatsangehörigkeit und nach Geschlecht getrennt auflisten)?
Wie viele Jugendliche, die in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten haben, besitzen einen Migrationshintergrund (bitte nach einzelnen Jahren, nach jeweiliger Staatsangehörigkeit und nach Geschlecht ausweisen)?
Wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund haben in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005 eine Ausbildung im öffentlichen Dienst aufgenommen (bitte nach einzelnen Jahren, nach Staatsangehörigkeit und nach Geschlecht getrennt ausweisen)?
Wie vielen Jugendlichen konnte seit Geltung des Ausbildungspakts eine betriebliche Ausbildungsstelle vermittelt werden (bitte nach Geschlecht ausweisen)?
Wie vielen Jugendlichen konnte seit Geltung des Ausbildungspakts eine außerbetriebliche Ausbildungsstelle vermittelt werden (bitte nach Geschlecht ausweisen)?
Wie vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund konnte seit Geltung des Ausbildungspakts eine betriebliche Ausbildungsstelle vermittelt werden (bitte getrennt nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht auflisten)?
Wie vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund konnte seit Geltung des Ausbildungspakts eine außerbetriebliche Ausbildungsstelle vermittelt werden (bitte getrennt nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht ausweisen)?
Welche Maßnahmen beabsichtigt die Bundesregierung zu ergreifen, falls sich die Ausbildungssituation in der Bundesrepublik trotz Ausbildungspakts in diesem und in den folgenden Jahren weiter verschlechtert?
Weshalb erwägt die Bundesregierung im Fall einer weiteren Verschlechterung des Ausbildungsplatzangebots keine Einführung einer Ausbildungsplatzumlage?
a) Wie bewertet die Bundesregierung die qualitativen und quantitativen Veränderungen in der Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund seit dem Abschluss des Ausbildungspakts bis heute?
b) Auf welche Berichte, Studien und Materialien stützt sich diese Bewertung?
c) Inwieweit sieht die Bundesregierung zu diesem Thema weiteren Forschungsbedarf?
a) An welche Beschlüsse des „Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Weiterbildung“ (BAAuWe) und an welche Vereinbarungen aus den Gesprächen zur Strukturverbesserung der Berufsbildung bezüglich der Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sieht sich die Bundesregierung noch gebunden?
b) Welche Umsetzungsdefizite und welchen Handlungsbedarf sieht sie diesbezüglich?
c) Welche Beschlüsse plant sie, unter den neuen Verhältnissen nicht mehr fortzuführen bzw. nicht mehr weiter umzusetzen (bitte mit Begründung)?
Wie sieht die vorläufige Bewertung der Bundesregierung des Ausbildungsstrukturprogramms KAUSA aus?
Inwieweit wurde in den Anträgen der ersten Förderrunde des neuen BMBF- Programms Jobstarter die besondere Situation von ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund – auch im Verhältnis zu anderen Förderzielen – berücksichtigt?
Inwieweit wird die Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der von der Bundesregierung angekündigten Strukturinitiative eine Rolle spielen?
a) In welchem Verhältnis stehen für die Bundesregierung die Ziele, Betriebe mit Migrationshintergrund für mehr Ausbildung zu gewinnen und Jugendliche mit Migrationshintergrund besser zu qualifizieren?
b) Welche konkreten Maßnahmen sind geplant, um mehr Betriebe mit Migrationshintergrund für die Ausbildung zu gewinnen?
c) Welche konkreten Maßnahmen sind geplant, um Jugendliche mit Migrationshintergrund besser zu qualifizieren und somit ihre Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu verbessern?
In welchem Umfang und mit welchen Mitteln erwägt die Bundesregierung, den Anteil von auszubildenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst zu erhöhen?