Anbau von kleinkörnigen Leguminosen in Deutschland
der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Dr. Gesine Lötzsch, Lorenz Gösta Beutin, Heidrun Bluhm, Jörg Cezanne, Kerstin Kassner, Caren Lay, Sabine Leidig, Ralph Lenkert, Michael Leutert, Amira Mohamed Ali, Victor Perli, Ingrid Remmers, Andreas Wagner, Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Leguminosen sind Pflanzen, die über Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff binden. Diese Stickstoffbindung sorgt zum einen dafür, dass die Pflanze selbst mit diesem Nährstoff versorgt wird. Zum anderen können nachfolgende Anbaukulturen von dem gespeicherten Stickstoff profitieren.
Neben großkörnigen Leguminosen wie etwa Bohnen, Erbsen, Lupinen u. a. werden in Deutschland auch kleinkörnige Leguminosen wie Luzerne und Klee als Futterpflanzen für die Tierproduktion angebaut.
Gleichzeitig tragen gerade kleinkörnige Leguminosen wesentlich zur Verbesserung der Biodiversität bei. Durch ihren nachhaltigen Anbau und die mehrfache Schnittnutzung (zwei- bis vierfach innerhalb einer Vegetationsperiode als mehrjähriges Feldfutter) stellen sie neben dem Dauergrünland einen Lebensraum für alle Kleinsäuger dar und damit eine Nahrungsquelle für deren Beutegreifer, z. B. Greifvögel und Eulen, allen voran als Leitart der Rotmilan (vgl. Rotmilanprojekt des Deutschen Verbands für Landschaftspflege – DVL – e. V., www. rotmilan.org/downloads/).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Jahresanbaufläche für klein- und großkörnige Leguminosen in Deutschland und den einzelnen Bundesländern in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte Kulturen einzeln in ha/pro Jahr nach Bundesländern auflisten)?
Wie viele Hektar der gesamten Anbaumenge Leguminosen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung dabei im Rahmen des Greening angemeldet (bitte nach groß- und kleinkörnigen Leguminosen und Bundesländern getrennt nach ha/pro Jahr auflisten)?
In welchem Umfang (ha/pro Jahr) wurde nach Kenntnis der Bundesregierung im gleichen Zeitraum Ackergras angebaut (bitte Fläche in Deutschland und nach Bundesländern aufgeteilt angeben)?
Welche Biomonitoringstudien zu den Auswirkungen ökologischer Vorrangflächen z. B. auf die biologische Vielfalt sind der Bundesregierung bekannt bzw. wurden von ihr initiiert (bitte Laufzeit, Finanzierungsquelle, Projektnehmerinnen und Projektnehmer angeben)?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen dieser Studien, insbesondere hinsichtlich der Wertigkeit des Anbaus kleinkörniger Leguminosen als Anbaualternative und für den Erhalt der biologischen Vielfalt?
Welche betrieblichen Strukturen haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren insbesondere am Anbau kleinkörniger Leguminosen beteiligt (Nebenerwerb, Größenklassen, Familienbetriebe, Genossenschaften, Agrarholdings etc.; bitte betriebliche Strukturen und wenn möglich Hektargröße angeben)?
Welche vorhandenen Verarbeitungs- und Vermarktungswege wurden in den vergangenen zehn Jahren für kleinkörnige Leguminosen genutzt oder neu erschlossen? Welche Defizite sind der Bundesregierung in diesem Zusammenhang bekannt?
In welchem Umfang wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die Ernte von kleinkörnigen Leguminosen im eigenen Betrieb bzw. zur direkten Vermarktung in den vergangenen zehn Jahren verwertet (bitte in Tonnen pro Hektar und Jahr angeben)?
Welche Auswirkungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung der Anbau kleinkörniger Leguminosen auf die Einkommensstabilisierung in den Landwirtschaftsbetrieben (bitte erläutern)?
Welche Hemmnisse sieht die Bundesregierung hinsichtlich des Anbaus kleinkörniger Leguminosen, und welche Maßnahmen hat sie ergriffen oder wird sie ergreifen, um diese zu überwinden?