Trockenheit der Wälder
der Abgeordneten Karlheinz Busen, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Carina Konrad, Nicole Bauer, Renata Alt, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Thomas L. Kemmerich, Pascal Kober, Oliver Luksic, Hagen Reinhold, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Katja Suding, Linda Teuteberg, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die seit Monaten anhaltende Trockenheit hat zu vielen Waldbränden und extremen Wasserdefiziten in der Natur geführt. Die aktuelle Lage in der Land- und Forstwirtschaft ist von Trockenheit, hohen Wasserdefiziten, Dürreschäden, Schädlingsbefall und Bränden gekennzeichnet. Die höchsten Waldbrandwarnstufen sind mittlerweile erreicht und massive Verbreitung von Schädlingen findet nun in geschwächten Waldbeständen statt. Das Aufeinanderfolgen von Stürmen, Niederschlagsextremen und Trockenheit in einer Wirtschaftsperiode bereitet allen Land- und Forstwirten viele Sorgen und nimmt zunehmend existenzbedrohende Züge an. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ideellen Verluste in den Waldgebieten durch die aktuellen Extremwetterereignisse muss die Bundesregierung sofort anerkennen und darf diese langfristig nicht aus den Augen verlieren.
Langfristig müssen Regelungen zur Vermeidung von Waldbränden entwickelt werden. Eine verbesserte Aufklärungsarbeit in den Bereichen öffentliche Waldnutzung und Waldbetretung muss stattfinden.
Auch der Grundwasserspiegel wird durch die massiven Wasserdefizite beeinflusst. Die Bevölkerung kann nur noch begrenzt auf vorhandene Wasserreserven zurückgreifen (www.bbv-net.de/Lokales/Bocholt/Trockenheit-in-Bocholt-Wird-das-Grundwasser-bald-knapp-151074.html; www.ndr.de/nachrichten/schleswigholstein/Das-Wasser-wird-knapper-fuer-Mensch-und-Tier,hitze270.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
Welcher Schadenumfang ist nach aktueller Einschätzung der Bundesregierung durch Sturm, Schädlingsbefall, Dürre und Waldbrand jeweils in der Land- und Forstwirtschaft entstanden, und wie hoch schätzt die Bundesregierung den Aufwand der Schadensbekämpfung und -vermeidung durch o. g. Ereignisse ein, auf welche Grundlage stützt sie sich dabei, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im Hinblick auf zukünftige klimatische Veränderungen Brände in Wirtschaftswäldern, Schädlingsbefall von Wirtschaftswäldern aufgrund anhaltender Trockenheit, Brandgefahr auf Äckern und in Wäldern, und Sturm- und Orkanschäden verhindern?
Hält die Bundesregierung ein absolutes Betretungsverbot während extremer Trockenperioden für sinnvoll und effektiv?
Wird die Bundesregierung eine intensivere Aufklärungsarbeit zum Thema Waldbrand betreiben?
Welche Erkenntnis hat die Bundesregierung über die Verbotsregelungen zum Rauchen im Wald sowie zum Entzünden von Lagerfeuern im Wald, und hält die Bundesregierung eine bundeseinheitliche Verbotsregelung für erforderlich?
Falls ja, welchen Zeitraum sollte eine Verbotsregelung aus Sicht der Bundesregierung erfassen?
Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung zur Minimierung und Eindämmung wirtschaftlicher und ideeller Schäden in heimischen Wäldern und ganzen Waldgebieten?
Trägt aus Sicht der Bundesregierung ein staatlich forcierter Waldumbau in Staatswäldern oder ein anteilig geförderter Waldumbau in Privatwäldern mit dem Ziel einer Diversifizierung der Waldstrukturen zur Minderung von Schäden durch Sturm, Trockenheit, Schädlingsbefall oder Waldbrand effektiv bei?
Welcher Zeitraum und welche Kosten sind für Maßnahmen des Waldumbaus vorgesehen?
Sieht die Bundesregierung im Bundesgebiet einen Bedarf für Löschflugzeuge oder Löschhubschrauber zur Bekämpfung von mit anderen Verkehrsmitteln nicht oder schlecht erreichbaren Bränden?
Falls nein, wie sollen Brände aus Sicht der Bundesregierung in schwer oder nicht zugänglichen Wäldern auf anderem Wege bekämpft werden?
Stehen geeignete Hubschrauber der Bundeswehr zum Löschen von Waldbränden im Rahmen der Amtshilfe zur Verfügung, und wenn ja, sind diese gegenwärtig einsatzbereit?
Falls ja, wie ist die Alarmierungskette im Rahmen der Amtshilfe ausgestaltet, und wo wären die geeigneten Hubschrauber stationiert?
Wenn die Einsatzbereitschaft verneint wird, wann ist mit einer Einsatzbereitschaft zu rechnen?
Ist anlässlich des Waldbrands in Straelen (Kreis Kleve) (www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/waldbrand-straelen-100.html) ein Amtshilfeersuchen zur Bereitstellung eines Löschhubschraubers oder Löschflugzeugs an die Bundesregierung oder direkt an die Bundeswehr gerichtet worden?
Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung aktuell am effektivsten, um Waldbrand und Schädlingsbefall in heimischen Wäldern zu verhindern oder einzudämmen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der realen Verfügbarkeit von Feuerwehren und anderer Organisationen zur Brandbekämpfung, die auf kleinräumige und großräumige Brandereignisse vorbereitet sind?
Werden Waldbrandschutzverordnungen aus Sicht der Bundesregierung sachgemäß umgesetzt und eingehalten?
Werden nach Ansicht der Bundesregierung vereinzelte Waldflächen, die an Ackerflächen angrenzen, durch die Anlegung eines sogenannten Grubberstrichs, eines „Pflugstreifens“ oder durch ähnliche bodenwendende Bearbeitungsspuren nach der Aberntung effektiv geschützt?
Werden diese Maßnahmen kontrolliert?
Gibt es einen Notfallplan der Bundesregierung für eine weiter andauernde und sich eventuelle verschärfende Trocken- und Dürreperiode?
Welche Unterstützungen gibt es nach aktueller Lage für forstwirtschaftliche Betriebe, die direkt oder indirekt von Schadensereignissen wie Sturm, Schädlingsbefall, Trockenheit oder Waldbrand betroffen sind?
Wie groß sind nach Erkenntnis der Bundesregierung die aktuellen nationalen, verfügbaren Süßwasserreserven?
Gibt es eine Strategie der Bundesregierung zur eventuellen Verwendung, Regenerierung oder Ausweitung nationaler Wasserreserven, und ist der effektive Gebrauch solcher Wasserreserven vorgesehen und umsetzbar?
Wie hoch waren die durchschnittlichen Niederschläge in den einzelnen Bundesländern in den Monaten April, Mai, Juni, Juli und August jeweils?
Wie hoch waren die Abweichungen zum langjährigen Mittel?
Welche Wassermengen fassen die deutschen Talsperren gegenwärtig jeweils, und wie groß ist die durchschnittliche jährliche Wassermenge, die jeweils gehalten wird?