Holz als nachwachsender Rohstoff – nachhaltiger Waldumbau
der Abgeordneten Karlheinz Busen, Frank Sitta, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Thomas L. Kemmerich, Dr. Lukas Köhler, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Oliver Luksic, Till Mansmann, Alexander Müller, Dr. Stefan Ruppert, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Michael Theurer, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der Wald besteht gegenwärtig zu 56 Prozent aus Nadelwald und zu 44 Prozent aus Laubwald (www.sdw.de/waldwissen/wald-in-deutschland/waldanteil/). Das Verhältnis von Laubholz zu Nadelholz in heimischen Waldbeständen wird sich aufgrund von biotischen und abiotischen Faktoren in absehbarer Zeit ändern. Jungwälder bestehen teilweise nur noch zu 27 Prozent aus Nadelbäumen und zu 73 Prozent aus Laubbäumen. In der letzten Zeit sind viele Wälder von Trockenheit, Sturm, Waldbrand und Schädlingsbefall betroffen gewesen. Die Auswirkungen dieser Schadereignisse werden sich in den zukünftigen Produktionszeiträumen vieler Nutzwälder bemerkbar machen. Die Sturmereignisse der letzten Jahre gleichen einer außerplanmäßigen und zufälligen Holzernte. Der planmäßige Holzvorrat vieler Forstbetriebe ist nun verbraucht, die Produktionsgrundlage Wald ist bedroht. Auch die Sektoren der holzverarbeitenden Industrie werden davon betroffen sein.
Aufgrund seiner technischen Eigenschaften ist besonders das Holz der Fichte für den Bausektor interessant. Zukünftig wird der „Brotbaum“ Fichte auf vielen herkömmlichen Standorten nur schwer zu erhalten sein. Die Standortfaktoren für diese Baumart ändern sich zunehmend. Die hohe Nachfrage nach Fichtenholz stellt die Waldwirtschaft bereits jetzt vor große Herausforderungen. Bei einem Anteil von nur 25 Prozent der Waldfläche und 33 Prozent des Vorrats, trug die Fichte in der letzten Dekade mit 52 Prozent überproportional zum Holzaufkommen bei. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellt im Rahmen der Bundeswaldinventur selbst fest, dass mit einem weiteren Rückgang der Fichte der Verlust einer wichtigen Säule in der forst- und holzwirtschaftlichen Wertschöpfung bevorsteht (www.bundeswaldinventur.de/index.php?id=674&L= 3%252527A%25253D0).
Die CO2-Speicherung der Wälder bildet einen wichtigen Beitrag als Kohlenstoffsenke. Die Verwendung von Holz als Kohlenstoffspeicher trägt zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bei. Wichtige Faktoren der CO2-Speicherleistung sind die Waldfläche, das Wachstum der Bäume und die Bewirtschaftungsweise.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen27
Welche nachhaltigen Waldumbaustrategien hält die Bundesregierung in heimischen Waldbeständen für sinnvoll?
Welchen Zeitraum plant die Bundesregierung für eine nachhaltige Waldumbaustrategie ein, wenn in der Forstwirtschaft in Zeiträumen von 50 bis 100 Jahren geplant wird? Wann kann aus Sicht der Bundesregierung mit nachhaltig etablierten Waldbeständen gerechnet werden?
Welche Maßnahmen bewertet die Bundesregierung als effektiv, um den Verlust wertvoller Nutzwälder durch extreme Naturereignisse und Folgeereignisse einzudämmen? Wie kann der Ausfall von Jungbaumbeständen durch Trockenheit und Waldbrand nachhaltig kompensiert werden? Wie können Altersklassenbestände der Fichte, die massiv durch Stürme und Orkane geschädigt wurden, zeitlich und waldbaulich effektiv wieder aufgeforstet werden?
Wie können aus Sicht der Bundesregierung einschichtige Bestände zu mehrschichtigen Waldbeständen umgewandelt werden?
Ist sich die Bundesregierung der aktuellen Schädigung vieler Fichtenbestände durch den Borkenkäfer, den Kupferstecher und andere Schädlinge bewusst? Welche Handlungsempfehlungen im waldbaulichen Sinne sind aus Sicht der Bundesregierung empfehlenswert?
Wie bewertet die Bundesregierung die Nichtnutzung von Wäldern durch die Ausweitung von Naturschutzgebieten? Sind solche Naturschutzmaßnahmen aus Sicht der Bundesregierung förderlich für eine Bekämpfung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer und dem Kupferstecher? Kann die Bundesregierung für solche interbetrieblichen Probleme Maßnahmen empfehlen?
Wie bewertet die Bundesregierung den Kahlfraß des Kiefernschädlings „Nonne“ in wirtschaftlich wichtigen Kiefernbeständen? Wie bewertet die Bundesregierung Pflanzenschutzmaßnahmen zur Bekämpfung solcher Schädlinge?
Wie bewertet die Bundesregierung mögliche Bauvorhaben von Windrädern in Wäldern? Sind solche Baumaßnahmen zweckdienlich für den Erhalt von stabilen und nachhaltigen Nutzwäldern?
Wie interpretiert die Bundesregierung den Begriff der „ordnungsgemäßen Bewirtschaftung“ im Bundeswaldgesetz? Hält die Bundesregierung eine Konkretisierung dieses Begriffes für notwendig?
Welche Maßnahmen empfiehlt die Bundesregierung zur Stabilisierung und Erhaltung von Wäldern, die durch Trockenheit, Schädlingsbefall, Waldbrand, Sturm und Nichtnutzung akut in ihrer Existenz bedroht sind? Welche Maßnahmen liegen in Bundes- und Länderkompetenz? Wer koordiniert solche Maßnahmen?
Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung notwendig, um Baumarten, wie die Douglasie und die Küstentanne, die als sensible Baumarten in der Aufforstung gelten, zu fördern und nachhaltig zu etablieren? Bilden Douglasien und Küstentannen, im Falle einer erfolgreichen Aufforstung, eine ausreichende Alternative zur Fichte?
Sind aus Sicht der Bundesregierung die bestehenden Aufforstungen vor dem Hintergrund des aktuellen „Wald/Wild-Verhältnisses“ nachhaltig?
Wie bewertet die Bundesregierung die Schwarzkiefer, die Douglasie, die Weißtanne und die Küstentanne als Alternativen für die Fichte (bitte eine einzelne detaillierte Beschreibung von Eigenschaften und Merkmalen der verschiedenen Baumarten vornehmen)?
Welche Aufforstungs- und Schutzmaßnahmen sind für die erfolgreiche und langfristige Etablierung solcher Bestände notwendig? Wie werden aus Sicht der Bundesregierung weitere Baumarten als zukünftige Alternativen zu herkömmlichen Nutzholzarten bewertet?
Welche besonderen Maßnahmen im nachhaltigen Waldumbau empfiehlt die Bundesregierung für sturm- und orkanexponierte Lagen?
Inwieweit bietet sich Durchmischung oder Mehrschichtigkeit der Waldbestände an? Welche Durchmischungsgrade und Mehrschichtigkeiten sind aus Sicht der Bundesregierung nachhaltig sinnvoll? Welche Arten der Durchmischung und Mehrschichtigkeit sind einzelnen Regionen zuzuschreiben (bitte eine detaillierte Beschreibung vornehmen)?
Wie schätzt die Bundesregierung die Existenz der Forstbetriebe vor dem Hintergrund einer zufälligen Holzernte und dem Verlust des zukünftigen Holzvorrates ein (bitte eine Aufstellung von Betriebsergebnissen der letzten 50 Jahre oder ggf. Erläuterungen vorlegen)?
Ist die Stärkung von Forstbetriebsgemeinschaften aus Sicht der Bundesregierung ein wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft? Wie können Ehrenämter in einer Forstbetriebsgemeinschaft entlastet werden?
Wie ist die Einschätzung der Bundesregierung zur Existenz einer starken forst- und holzwirtschaftlichen Wertschöpfungskette mit gesicherter heimischer Rohstoffbasis?
Besitzt die Bundesregierung Erkenntnisse über weitere kurz-, mittel- und langfristige Alternativen von Nutzhölzern, die den intensiven Gebrauch der Fichte ablösen können? Welche Baumarten sind aus Sicht der Bundesregierung in ihrer Massen- und Wertleistung gleichzusetzen mit der Fichte?
Wie kann aus Sicht der Bundesregierung die hohe Marktfähigkeit der Fichte auf andere Hölzer übertragen werden?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Verarbeitungseigenschaften von Laubhölzern als Konstruktionsholz und als Alternative zu Nadelhölzern?
Wie bewertet die Bundesregierung das Eschentriebsterben? Welche Alternativen sind aus Sicht der Bundesregierung für das Edellaubholz der Esche geeignet?
Wie bewertet die Bundesregierung die Roteiche als alternative Baumart?
Welche Maßnahmen und Möglichkeiten bieten sich zur Sicherung des heimischen Holzvorrates für die heimische Holzindustrie an?
Welche Menge CO2 wird nach Erkenntnis der Bundesregierung durch die deutschen Nadelhölzer und Laubbäume jeweils insgesamt innerhalb eines Jahres gebunden?
Wie entwickelt sich nach Erkenntnis der Bundesregierung die jährliche Menge des durch das Wachstum von Nadelhölzern und Laubbäumen gebundenen CO2 durch die in der Vorbemerkung der Fragesteller dargelegte Entwicklung konkret (bitte konkrete Zahlen angeben)?