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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Wirkung von Glyphosat auf Säugetiere, Insekten und Wirbellose

(insgesamt 21 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

11.10.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/451625.09.2018

Wirkung von Glyphosat auf Säugetiere, Insekten und Wirbellose

der Abgeordneten Dr. Kirsten Tackmann, Dr. Gesine Lötzsch, Lorenz Gösta Beutin, Heidrun Bluhm, Jörg Cezanne, Kerstin Kassner, Caren Lay, Sabine Leidig, Ralph Lenkert, Michael Leutert, Amira Mohamed Ali, Victor Perli, Ingrid Remmers, Andreas Wagner, Hubertus Zdebel und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Der Wirkstoff Glyphosat wurde am 12. Dezember 2017 von der Europäischen Kommission für weitere fünf Jahre zugelassen. Einige Kritikpunkte im Zulassungsverfahren, die sich auch in den Forderungen der Europäischen Bürgerinitiative „Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden“ wiederfinden, wurden seitens der Europäischen Kommission aufgegriffen. So sollen im Bewertungsverfahren verwendete Studien öffentlich zugänglich sein und die zuständigen „Behörden in den Entscheidungsprozess darüber einbezogen werden, welche Studien für ein Genehmigungsdossier durchgeführt werden müssen“ (Mitteilung der Europäischen Kommission über die Europäische Bürgerinitiative „Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden“, 15992/17).

Der Wirkstoff Glyphosat wurde in unterschiedlichen Wirkzusammenhängen patentiert, zuletzt 2010 von Monsanto als Präventivmedikament zur Behandlung von Tbc-Erkrankung des Menschen (vgl. auch Marie-Monique Robin (2017): „Roundup, der Prozess“, Dokumentarfilm auf Arte). Die Wirkungsweise von Glyphosat wirft aus Sicht der Fragesteller einige Fragen auf, die im Weiteren der Bundesregierung gestellt werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Hinweise, die belegen, dass der Wirkstoff Glyphosat einer Komplexbildung unterliegt, und welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen?

Wenn eine Komplexbildung verneint wird, warum ist der chemische Stoff Isopropylamin – bekannt in der pharmazeutischen Industrie als Baustein für Komplexverbindungen – in nahezu jeder Formulierung gemäß Beipackzettel enthalten (bitte ausführlich erläutern)?

2

Welche Studien wurden und werden nach Kenntnis der Bundesregierung von wem zum antibiotischen Wirkmechanismus von Glyphosat erstellt (bitte mit Zeitplan, Titel, Finanzierungsquelle und durchführenden Institutionen auflisten)?

3

Welche Konsequenz hat eine antibiotische Wirkung von Glyphosat aus Sicht der Bundesregierung auf die Resistenzgefahr in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung?

4

Hält die Bundesregierung die Anwendung von glyphosathaltigen Herbiziden auf Grundlage der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2020 und der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD festgeschriebenen Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes noch für verantwortbar (bitte ausführlich begründen)?

5

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Publikationen, die belegen oder widerlegen, dass glyphosathaltige Formulierungen biologische Membranen (Blut-Hirnschranke, Plazentarschranke und Blut-Milchdrüsenschranke) durchdringen können, die eigentlich zum Schutz des Säugetierorganismus angelegt sind (bitte mit Titel und durchführenden Institutionen auflisten)?

Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Ergebnissen dieser Studien zur Durchdringung biologischer Membranen hinsichtlich der weiteren Anwendbarkeit von Glyphosat in Pflanzenschutzmitteln?

6

Wurden und werden nach Kenntnis der Bundesregierung neueste Messverfahren berücksichtigt, die nicht mit Hochleistungsflüssigkeitschromotographie (HPLC) und Gaschromotographie (GC) in Verbindung mit Massenspektronomie gemessen werden, um vor allem kumulative Effekte von Glyphosat im Boden darzustellen?

Wenn ja, welche?

Wer hat sie wann durchgeführt bzw. finanziert?

7

Welche repräsentativen Studien (Biomonitoring) wurden und werden nach Kenntnis der Bundesregierung zum Kontakt von Menschen zu Glyphosat durchgeführt (bitte mit Zeitplan, Titel und durchführenden Institutionen sowie Finanzierungsquellen auflisten)?

8

Welche Studien wurden und werden von wem nach Kenntnis der Bundesregierung zur Auswirkung von Glyphosat auf Wirbellose, Insekten und Kleinsäuger erstellt (bitte mit Zeitplan, Titel und durchführenden Institutionen und Finanzierungsquellen auflisten)?

9

Wann wird die Bundesregierung den angekündigten Verordnungsentwurf zur Reduktion des Glyphosateinsatzes, der u. a. ein Verbot von Glyphosat im privaten Bereich und bei der Anwendung auf Flächen wie Parks und Sportstätten, in Naturschutzgebieten und in der Nähe von Gewässern enthalten soll, vorlegen (siehe www.bmel.de/DE/Ministerium/_Texte/100TageBilanz.html?nn=309766)?

10

Wird die Bundesregierung an der Anwendung von Glyphosat bei der Vorerntebehandlung (Sikkation) und zur Bekämpfung von Distel und Quecke weiterhin festhalten (siehe www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Kloeckner-will-Glyphosat-nur-noch-als-Notfallmittel-erlauben-9155287.html)?

Wenn ja, mit welcher Begründung, unter welchen Auflagen und wie wird das kontrolliert?

Wenn nein, warum nicht?

11

In welchen Größenordnungen erwartet die Bundesregierung diese Anwendungen (bitte in Hektar pro Jahr und Tonnen Ausbringungsmenge angeben)?

Und ist nach Kenntnis der Bundesregierung eine Reduzierung der Ausbringungsmenge geplant?

Wenn ja, in welchem Umfang (bitte in Tonnen pro Jahr angeben)?

12

In welcher Größenordnung würden die geplanten Verbote nach Kenntnis der Bundesregierung den Glyphosatverbrauch reduzieren (bitte in Hektar pro Jahr angeben)?

13

Welche alternativen Maßnahmen zur Glyphosatanwendung für eine pfluglose, erosionsmindernde Bodenbearbeitung sind nach Kenntnis der Bundesregierung verfügbar?

Welche Effekte sieht sie hier im Vergleich zum Einsatz von Glyphosat (bitte nach Maßnahme und Kostendifferenz zum Glyphosateinsatz, Arbeitszeitaufwand bei gleich großer behandelter Fläche zwischen Glyphosatanwendung und Alternativmaßnahme auflisten)?

14

Welche Forschungsprojekte zur bodenschonenden Bearbeitung sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Umsetzung und welche in Planung (bitte mit Zeitplan, Titel und durchführenden Institutionen sowie Finanzierungsquelle auflisten)?

15

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Hinweise darauf, dass durch den Einsatz von Glyphosat und damit der Zerstörung der nitrifizierenden Bakterien im Boden (Wirkmechanismus der Herbizide) das Nitratproblem in Deutschland erst akut wurde, und wie bewertet sie diese (bitte, wenn möglich, anhand einer Zeitleiste darstellen, die den Einsatz von Glyphosat und steigende Nitratkonzentrationen von 2010 bis heute aufzeigt)?

16

Wird aus Sicht der Bundesregierung durch den Einsatz von Sikkation im Getreide die Lagerfähigkeit hinsichtlich Pilzen und Hefen (Fusarien) beeinflusst (bitte begründen)?

17

Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Rückstandsproblematik infolge eines der möglichen Synthesewege von Glyphosat über Chlormethylphosphonat in den Formulierungen (bitte begründen)?

18

Welche Auswirkungen hat die Bindung jeglicher Metallionen an Glyphosat aus Sicht der Bundesregierung auf mögliche Mangelerscheinungen bei Spurenelementen oder auch Vergiftungserscheinungen durch Schwermetalle bei Aufnahme in der Lebensmittelkette von Mensch und Tier?

19

Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die biologische Abbaubarkeit der beiden alternativen Wirkstoffe Pelargonsäure und Maleinsäurehydrazid, die Eigenschaften der Chelatierung aufweisen?

Gibt es Studien dazu?

Wenn ja, welche?

20

Hat der Einsatz von Pelargonsäure und Maleinsäurehydrazid nach Kenntnis der Bundesregierung Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Spurenelementen?

Gibt es Studien dazu?

Wenn ja, welche?

21

Wie sind nach Kenntnis der Bundesregierung die biologische Abbaubarkeit und die faunistische Wirkung von Natriumchlorat?

Gibt es Studien dazu?

Wenn ja, welche?

Berlin, den 24. September 2018

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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