Atypische Arbeitszeiten in Deutschland
der Abgeordneten Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, Klaus Ernst, Fabio De Masi, Sylvia Gabelmann, Katja Kipping, Jan Korte, Jutta Krellmann, Pascal Meiser, Cornelia Möhring, Sören Pellmann, Bernd Riexinger, Jessica Tatti, Harald Weinberg, Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Die Gestaltung der Arbeitszeit ist ein wichtiges Element zur Beurteilung der Qualität von Arbeit. Die Zunahme von atypischen Arbeitszeiten steht aus Sicht der Fragesteller dem Ziel, mehr gute Arbeit zu schaffen, entgegen. Insbesondere psychische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren enorm zugenommen (vgl. http://jutta-krellmann.de/content/uploads/2018/05/2018-05-02-AW-PSt-Dr.-Gebhart.pdf; www.br.de/nachricht/arbeitnehmer-fehlen-immer-haeufiger-wegen-ueberlastung-100.html; www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Berichte/F2398.pdf?__blob=publicationFile&v=8). Atypische Arbeitszeiten erschweren aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Die Diskussion über „Arbeit 4.0“ und den Wandel der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung erfordert eine Bestandsaufnahme bereits bestehender atypischer Arbeitszeiten. Für die Gesundheit der Beschäftigten ist die Lage und die Dauer der Arbeitszeit eine entscheidende Variable (siehe: iga.Report31 2015: Risiko für psychische Belastungen, S. 22 oder AOK Fehlzeitenreport 2017 etc.).
Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten. So stellt zum Beispiel die Hans-Böckler-Stiftung fest: „Bei völlig selbstbestimmten Arbeitszeiten fällt das Abschalten Arbeitnehmern schwerer als bei festen Zeiten. Interessanterweise ist dieser Effekt nur bei Männern zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 40 Prozent, dass sie abends nicht zur Ruhe kommen“ (vgl.: www.boeckler.de/110647_110658.htm).
Um die Diskussion um Arbeit 4.0 und die Forderungen nach mehr Zeitsouveränität konstruktiv begleiten zu können, wollen sich die Fragesteller einen Blick über aktuelle Entwicklungen bei den atypischen Arbeitszeiten in Deutschland verschaffen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Wie viele Beschäftigte hatten nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig überlange Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden pro Woche (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten ausweisen; bitte differenzieren nach Voll- und Teilzeitbeschäftigung sowie nach Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mit und ohne Sachgrund; bitte auch nach Gehaltsklassen differenzieren und gesonderte Zahlen für Niedriglohnbeziehende ausweisen; bitte nach Geschlecht, Ost/West und Bundesländern sowie nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen unterscheiden)?
Wie viele Beschäftigte haben nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 am Wochenende gearbeitet, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten ausweisen; bitte differenzieren nach Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung sowie nach Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mit und ohne Sachgrund; bitte auch nach Gehaltsklassen differenzieren und gesonderte Zahlen für Niedriglohnbeziehende ausweisen; bitte nach Geschlecht, Ost/West und Bundesländern sowie nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen unterscheiden)?
Wie viele Beschäftigte haben nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 regelmäßig an Sonn- und Feiertagen gearbeitet, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten ausweisen; bitte differenzieren nach Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung sowie nach Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mit und ohne Sachgrund; bitte auch nach Gehaltsklassen differenzieren und gesonderte Zahlen für Niedriglohnbeziehende ausweisen; bitte nach Geschlecht, Ost/West und Bundesländern sowie nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen unterscheiden)?
Wie viele Beschäftigte haben nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2017 regelmäßig am Abend (18 bis 23 Uhr) oder in der Nacht (23 bis 6 Uhr) gearbeitet, und wie haben sich diese Werte in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten ausweisen; bitte differenzieren nach Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung sowie nach Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mit und ohne Sachgrund; bitte auch nach Gehaltsklassen differenzieren und gesonderte Zahlen für Niedriglohnbeziehende ausweisen; bitte nach Geschlecht, Ost/West und Bundesländern sowie nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen unterscheiden)?
Wie viele Beschäftigte haben im Jahr 2017 nach Kenntnis der Bundesregierung im Schichtmodell gearbeitet, und wie hat sich dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten ausweisen; bitte differenzieren nach Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung sowie nach Leiharbeit und befristeten Arbeitsverträgen mit und ohne Sachgrund; bitte auch nach Gehaltsklassen differenzieren und gesonderte Zahlen für Niedriglohnbeziehende ausweisen; bitte nach Geschlecht, Ost/West und Bundesländern sowie nach Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen unterscheiden)?
Welche sind nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die zehn Wirtschaftszweige mit dem größten Anteil an Beschäftigten, die a) regelmäßig mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, b) regelmäßig am Wochenende arbeiten, c) regelmäßig an Sonn- und Feiertagen arbeiten, d) regelmäßig am Abend (18 bis 23 Uhr) oder in der Nacht (23 bis 6 Uhr) arbeiten, e) im Schichtmodell arbeiten, und wie hoch sind die Anteile jeweils (bitte insgesamt darstellen und nach Geschlecht differenzieren)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Unterbeschäftigung seit dem Jahre 2005 entwickelt (bitte nach Arbeitslosigkeit nach § 16 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch – SGB III, § 16 Absatz 1 SGB III, § 16 Absatz 2 SGB III, Unterbeschäftigte im engeren Sinne und Unterbeschäftigte nach BA-Konzept differenzieren; bitte nach Vollzeit-, Teilzeitbeschäftigung sowie Leiharbeit und Befristungen mit und ohne Sachgrund sowie Minijobs differenzieren; Angaben bitte in absoluten Zahlen sowie als Anteil an allen Beschäftigten darstellen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Ost/West und Bundesland sowie nach Wirtschaftszweig und Berufsgruppen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Überbeschäftigung seit dem Jahre 2005 entwickelt (bitte nach Vollzeit-, Teilzeitbeschäftigung sowie Leiharbeit und Befristungen mit und ohne Sachgrund sowie Minijobs differenzieren; Angaben bitte in absoluten Zahlen sowie als Anteil an allen Beschäftigten darstellen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Ost/West und Bundesland sowie nach Wirtschaftszweig und Berufsgruppen)?
Liegen der Bundesregierung neuere Erkenntnisse über die Auswirkungen atypischer Arbeitszeiten vor, insbesondere über die Auswirkungen von a) Überstunden, b) flexiblen Arbeitszeiten, c) überlangen Arbeitszeiten, d) Schichtarbeit, e) Wochenendarbeit, f) Nacht- und Abendarbeit auf die psychische und physische Gesundheit? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Auswirkungen atypischer Arbeitszeiten, insbesondere auf a) Motivation, b) Leistungsfähigkeit und c) Arbeitszufriedenheit vor? Welche Studien sind ihr hierzu bekannt, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?