[Deutscher Bundestag Drucksache 19/5696
19. Wahlperiode 12.11.2018
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Andrej Hunko, Heike Hänsel, Christine Buchholz, Ulla Jelpke,
Niema Movassat, Zaklin Nastic und der Fraktion DIE LINKE.
Militärische und polizeiliche Zusammenarbeit mit Israel
Laut dem jährlich vom Bonner International Center for Conversion (BICC)
veröffentlichen Global Militarisation Index ist Israel der militarisierteste Staat der
Erde (Israel so militarisiert wie kein anderes Land,
www.handelsblatt.com vom
4. Dezember 2017). Deutschland liegt dort auf Rang 97. Im Jahr 2018 hat Israel
Rüstungsgüter im Wert von mehr als 7,8 Mrd. Euro exportiert („Israel’s Arms
Exports Spike, Hitting Record $9 Billion“,
www.haaretz.com vom 2. Mai 2018).
Die Verkäufe nach Europa wurden in wenigen Jahren verdoppelt („Record
Europe Sales Push Israeli Defense Exports to $6.5 Billion in 2016“,
www.haaretz.
com vom 29. März 2017).
Deutschland hat fünf U-Boote an die israelische Marine geliefert, die Kosten der
ersten beiden und die Hälfte der Kosten des dritten wurden aus deutschen
Steuermitteln getragen (Bundestagsdrucksache 16/11690, S. 59; „Weitere Deutsche
Nuklearwaffenträger für Israel? – Die Dolphin-U-Boote“,
www.bits.de vom
10. September 2004). Trotz Korruptionsverdacht verhandelt die Bundesregierung
zur teilweisen Kostenübernahme des Kaufs dreier weiterer U-Boote von dem
deutschen Unternehmens thyssenkrupp Marine Systems GmbH
(Bundestagsdrucksache 19/278). Die Bundesregierung will der israelischen Marine außerdem
für 460 Mio. Euro vier Offshore-Patrouillenboote liefern und dabei ein Drittel der
Kosten tragen. Sie werden nach Kenntnis der Fragestellerinnen und Fragesteller
die größten, leistungsstärksten und fortgeschrittensten Kriegsschiffe der Flotte
der israelischen Marine sein.
Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten arbeiten in der
nichtmilitärischen Sicherheitsforschung mit Israel zusammen. Die Regierung in Jerusalem ist
mit dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“
assoziiert. Deutschland ist dabei das Land, das am häufigsten mit Partnern
aus Israel an „Horizont 2020“ beteiligt ist (Bundestagsdrucksache 19/3921,
Antwort zu Frage 10). An bisher 319 Projekten aus Horizont 2020 sind sowohl
deutsche als auch israelische Einrichtungen beteiligt. Im Programmbereich
„Sichere Gesellschaften“ (Societal Challenge 7) werden 21 Projekte gefördert, an
denen sowohl deutsche als auch israelische Einrichtungen beteiligt sind.
Zu den israelischen Militärunternehmen, die von EU-Geldern profitieren,
gehören der Rüstungskonzern und Drohnenhersteller Elbit Systems, der im
Forschungsrahmenprogramm 73,3 Mio. Euro und unter „Horizont 2020“
403 750 Euro für „Forschungen zur Flughafensicherung“ erhielt. Auch Israel
Aerospace Industries (IAI), der Hersteller der von der Bundeswehr beschafften
Drohnen des Typs „Heron 1“ und „Heron TP“ wurde im letzten Förderzyklus mit
3,7 Mio. Euro und in „Horizont 2020“ mit 2 Mio. Euro gefördert. Das Technicon,
Israels Institut für Technologie, das an Militärtechnologie wie Nano-Waffen,
Roboter und Drohnen forscht, erhielt im letzten Förderzyklus 70 Mio. Euro und
unter „Horizont 2020“ bislang 17 Mio. Euro.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Rüstungsgüter hat die Bundesregierung in den Jahren 2015, 2016
und 2017 nach Israel exportiert, und für wie viel Geld hat Israel
entsprechende Güter nach Deutschland ausgeführt?
2. Wie viele deutsche Schiffe, U-Boote, Panzer und Luftfahrzeuge hat Israel
seit Beginn der Rüstungskooperation aus Deutschland erhalten?
3. Welche Neuerungen haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung seit
Beantwortung der Bundestagsdrucksache 19/278 hinsichtlich des Abkommens
zwischen der Regierung Israels und der Bundesregierung über einen
Finanzierungsbeitrag für die Beschaffung von drei U-Booten für die israelische
Marine ergeben?
4. Wann tritt das Abkommen nach Kenntnis der Bundesregierung nach
derzeitigem Stand in Kraft, bzw. welche „jeweiligen nationalen Voraussetzungen“
müssen noch erfüllt werden?
5. Welche gegenseitigen bzw. gemeinsamen Ausbildungsmaßnahmen haben
die Bundeswehr und die israelische Armee seit der Jahrtausendwende
durchgeführt (bitte soweit möglich mit Datum, Teilnehmer und Ort angeben)?
6. Welche gemeinsamen Manöver haben die Bundeswehr und die israelische
Armee seit der Jahrtausendwende durchgeführt (bitte soweit möglich mit
Datum, Teilnehmer und Ort angeben)?
7. In welchen Projekten sind deutsche Behörden und, soweit der
Bundesregierung bekannt, auch deutsche Unternehmen derzeit an israelischen
militärbezogenen Forschungen beteiligt?
8. Welche Auszeichnungen haben Kommandeure der israelischen Luftwaffe
bislang von der Bundesregierung für welche Verdienste erhalten?
9. Welche gemeinsamen Manöver haben die Bundeswehr und die israelische
Armee abgehalten, und welche weiteren sind geplant?
10. In welchem Rahmen treffen sich die Bundeswehr und die israelische Armee
zur strategischen oder operativen Planung gemeinsamer Vorhaben, darunter
auch zur Forschung und Ausbildung?
11. Wann und wo haben die letzten derartigen Austausche stattgefunden?
12. Welche Sicherheitstechnologien für welche Behörden wurden von der
Bundesregierung in den letzten fünf Jahren aus Israel importiert?
13. Welche Kooperationen hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR) mit der israelischen Weltraumagentur abgeschlossen?
14. Was ist der Bundesregierung über die israelische Entwicklung von Satelliten
für Aufklärungs- oder Überwachungszwecke bekannt, und auf welche Weise
werden diese Anstrengungen von der Bundesregierung unterstützt?
15. An welchen zivilen oder militärischen Satellitenprogrammen (etwa EROS,
TECHSAR, Techsat 2, OPSAT, AMOS, ShloshSat, INSAT-1/INSAT-2,
TAUVEX) sind oder waren nach Kenntnis der Bundesregierung
Bundesbehörden oder deutsche Unternehmen bei der Entwicklung oder Ausstattung
beteiligt, und welche Ausfuhrgenehmigungen wurden hierfür erteilt?
16. Welche Bundesbehörden haben in den letzten fünf Jahren mit den Behörden
Israel National Police, Israel Security Agency und Israel Securities Authority
hinsichtlich des Austauschs von personenbezogenen Daten, fallbezogenen
Ermittlungen, allgemeinen Lageberichten, Ergebnissen strategischer
Analyse, Expertenwissen, Informationen zu Ermittlungstechniken, forensischen
und technischen Entwicklungen und Methoden der Kriminalitätsverhütung
kooperiert?
a) In welchem Rahmen haben sich welche israelischen und deutschen
Polizeieinheiten seit der Jahrtausendwende zu Trainings- und
Ausbildungsmaßnahmen getroffen?
b) In welchen Kooperationen (auch Ausbildung) haben welche
Bundesbehörden mit der Sonderpolizeieinheit YAMAM zusammengearbeitet?
17. Welche Abkommen oder Vereinbarungen hat die Bundesregierung zur
Verhütung und Bekämpfung von Straftaten mit Israel geschlossen, und welche
weiteren werden verhandelt?
18. Welche Bestimmungen treffen diese Abkommen zur Anwendung auf die
besetzten Gebiete (die sogenannte Territorialklausel)?
Berlin, den 31. Oktober 2018
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
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ISSN 0722-8333]