Genaue Bezugstemperatur des Pariser 2-Grad-Ziels und Rolle des CO2
der Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Rainer Kraft, Marc Bernhard, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Auf der 21. Konferenz der Vertragsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in Paris im Dezember 2015 wurde eine neue Klima-Vereinbarung verabschiedet, das Übereinkommen von Paris. Einer der wichtigsten Punkte dieser Vereinbarung ist die Verankerung eines konkreten Klima-Ziels zur Begrenzung der Erderwärmung. So wollen die Staaten, die diese Vereinbarung unterstützen, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber einem unbekannten vorindustriellen Niveau begrenzen. Die Vereinbarung selbst enthält aber keinerlei konkrete Angaben darüber, worauf sich dieses Ziel bezieht (https://unfccc.int/sites/default/files/english_paris_agreement.pdf). Es findet sich dort nur der Bezug auf „vorindustrielle Werte“. Die sind jedoch völlig unbestimmt. Ebenso wenig wurde bisher von keiner Stelle – ob Regierung oder Parlament – eine Angabe zu dieser grundlegenden Größe gemacht. Diese ist jedoch für die Begründung aller Klimaschutzmaßnahmen von entscheidendere Bedeutung.
In der Wissenschaft ist seit langem bekannt, dass alle Prozesse, bei denen Energie gewandelt wird, von deren absoluter Temperatur abhängen, also auch sämtliche Wetter-, wie auch die daraus abgeleiteten Klimaprozesse (z. B. durch den 1. Hauptsatz der Thermodynamik und darauf aufbauend das in der Klimatheorie vielfach verwendete Stefan-Boltzmann Gesetz vom Strahlungsgleichgewicht für schwarze Körper). Daher ist es unerlässlich diese Temperatur für die fragliche Zeit so präzise wie möglich zu bestimmen, auch um den erwarteten Einfluss der getroffenen Maßnahmen auf diese Temperatur messen zu können, vor allem aber um abschätzen zu können, welche Auswirkungen auch geringste Temperaturänderungen auf das Klima und damit auf die Menschen haben. Allein deren genaue Kenntnis kann daher unter Bezug auf den Stand der Wissenschaft, auch nach Ansicht der Fragesteller zur Erfolgskontrolle für ein objektives Vorher-Nachher-Bild verwendet werden.
In der Wissenschaft selbst ist die Notwendigkeit der Benennung einer Bezugstemperatur wegen der oben geschilderten Abhängigkeit völlig anerkannt und daher auch selbstverständlich. So vergleicht der bekannte Klimafolgenforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber im Presseraum des Vatikans das Erdklima mit der recht konstanten Körpertemperatur (Dieser Vergleich wird von ihm häufig bemüht, so auch in NDR „DAS!“ am 16. November 2015; ABC-NEWS (australisches Fernsehen), Youtube, 12. Juli 2011; ARD, DAS ERSTE, „FILM UND SERIE-WARMZEIT“, 14. Mai 2013; 3SAT, „SCOBEL“, 29. November 2009). „Wenn da zwei Grad dazukommen, haben Sie Fieber! Bei fünf Grad sind Sie tot!“ Diese Aussage ist nach Auffassung der Fragesteller vollkommen richtig, jedoch unterlässt es Prof. Schellnhuber bei diesen und anderen Gelegenheiten, die aktuelle und die vorindustrielle globale Mitteltemperatur zu benennen.
Die aktuelle globale Mitteltemperatur des Jahres 2016 wurde z. B. im öffentlichrechtlichen Fernsehen in der Sendung „Morgenmagazin“ am 19. Januar 2017 auf Grund von Informationen der Weltorganisation für Meteorologie in Genf (WMO), mit 14,83 °C benannt (https://public.wmo.int/en/media/press-release/wmo-confirms-2016-hottest-year-record-about-11%C2%B0c-above-pre-in). Dies sei das angeblich wärmste Jahr seit Aufzeichnung, so das Zitat nach der WMO. Von der Klimawissenschaft wurde von Anbeginn an eine Mitteltemperatur von 15 °C als Folge des sog. Treibhauseffektes festgelegt. Die Quellen dazu sind Legion, wie im Folgenden zusätzlich belegt wird (z. B. www.giss.nasa.gov/research/briefs/ma_01/). Beispielsweise steht das so noch 2016 im Lehrbuch von Hans-Christian Schönwiese „Klima“. Dem folgend sendete 3Sat am 4. April 2011 eine Erklärung in einem Lehrfilm, der in dem Ausspruch gipfelt „Nun ist die Erde (Atmosphäre) perfekt“ und auch damit „exakt 15 °C“ (Hier abrufbar: www.youtube.com/watch?v=XMgyokq1jYA), und das gelte ohne weiteres Zutun des zusätzlichen sog. anthropogenen Treibhauseffekt.
Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages stellte aber schon 1990 (Siehe Grafik auf Seite 29 aus der Bundestagsdrucksache 11/8030 vom 24. Mai 1990) und auch 1996 eine Temperatur von bereits 15,4 °C bzw. 15.3 °C (Bundestagsdrucksache 13/5146 vom 28. Juni 1996) fest. Der bekannte Klimaforscher Mojib Latif berichtet in seinem Buch „Herausforderung Klima“ von 2007 von 15,6 °C. Im Ravensburger Schulbuch „Klimawandel“ von 2008 wird eine Zahl von 15,9 °C genannt. Daraus muss gefolgert werden, dass gegenüber dem Anfang 2017 veröffentlichten Wert von nur 14,84 °C, die globale Mitteltemperatur offensichtlich stark gesunken ist. Da es sich beim der letztgenannten Jahr um „das wärmste Jahr seit Aufzeichnung“ handeln soll, liegt der Trend nochmals darunter.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die genaue (bitte auf zwei Stellen hinter dem Komma angeben) absolute globale Mitteltemperatur in Kelvin und Celsius in vorindustrieller Zeit?
An welchem Zeitpunkt wurde sie bestimmt?
Wenn ein Referenzzeitraum gemeint sein sollte,
a) wann begann diese Zeit, und
b) wann endete diese Zeit?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass – wie oben umfassend belegt – die aktuelle globale Mitteltemperatur dramatisch unter der der Jahre 1990 bis 2008 liegt?
a) Falls ja, was hat die Bundesregierung unternommen, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand Rechnung zu tragen?
b) Falls nein, was gedenkt die Bundesregierung zu unternehmen, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand Rechnung zu tragen?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass die aktuelle globale Mitteltemperatur auch unter der als ideal empfundenen Mitteltemperatur (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/klimaschutz-hat-prioritaet-371878) von exakt 15 °C liegt?
a) Falls ja, was hat die Bundesregierung unternommen, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand Rechnung zu tragen?
b) Falls nein, was gedenkt die Bundesregierung zu unternehmen, um diesem bereits langanhaltenden Tatbestand Rechnung zu tragen?
Welche Begründung hat die Bundesregierung für die offensichtliche Tatsache, dass die globale Mitteltemperatur seither so kräftig, d. h. von 15,9 °C 2008 auf 14,84 °C im Jahr 2017 (Quellen zu beiden Werten in der Vorbemerkung der Fragesteller siehe oben) um fast die gesamte Erwärmung des Zeitraumes von 1850 bis 2008, abgenommen hat?
Kann das CO2, da in derselben Zeit die weltweiten CO2-Emissionen, ebenso wie die CO2-Konzentration, zugenommen haben, die globale Mitteltemperatur aber nicht stieg, für eine Erderwärmung verantwortlich gemacht werden?
a) Welche Erklärung hat die Bundesregierung für diesen offensichtlichen Widerspruch?
b) Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um diesen Widerspruch aufzuklären und ggf. aus der Welt zu schaffen?
Oder hat die Bundesregierung Belege dafür, dass die vorgenannten höheren Werte evtl. falsch sind?
Und wenn ja, welche Belege sind das (bitte einzeln und mit Quellen benennen)?
Ist die Bundesregierung ggf. der Ansicht, dass die bisher von der Klimawissenschaft gewissenhaft ermittelten Mitteltemperaturen bis 2008 falsch gewesen sein sollten?
a) Falls ja, woher bezieht die Bundesregierung ggf. die Gewissheit oder auch nur die sehr wahrscheinliche Annahme, dass die Klimawissenschaft mit den eventuell viel niedrigeren Werten der Mitteltemperatur diesmal richtig liegt (bitte mit genauer Begründung, bei Berufung auf wissenschaftliche Quellen oder sonstige Zitate bitte mit genauen Quellenangaben zu den Begründungen beantworten)?
b) Falls nein, welche Maßnahmen plant die Bundesregierung zu ergreifen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die bisherigen Klimaschutzbemühungen offensichtlich sehr erfolgreich waren?
c) Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, dass sie daher für die Zukunft schnellstmöglich zurückgefahren, ggf. in ihr Gegenteil umgewandelt werden sollten (bitte mit grober Übersicht, bei Berufung auf wissenschaftliche Quellen oder sonstige Zitate bitte mit genauen Quellenangaben zu den Begründungen beantworten)?