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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Einsatz von Kupferpräperaten in der Landwirtschaft und im Weinbau

(insgesamt 13 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

17.12.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/625404.12.2018

Einsatz von Kupferpräperaten in der Landwirtschaft und im Weinbau

der Abgeordneten Carina Konrad, Frank Sitta, Nicole Bauer, Jens Beeck, Nicola Beer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Karlheinz Busen, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Marcel Klinge, Till Mansmann, Christian Sauter, Judith Skudelny, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Katja Suding, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Andrew Ullmann und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Kupferhaltige Präparate werden seit langer Zeit in zahlreichen landwirtschaftlichen Kulturen als Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten eingesetzt. Dabei bestehen Zulassungen vieler Kupferpräparate auch für den ökologischen Landbau. Das Metall Kupfer wird im Boden nicht vollständig abgebaut, wodurch zunehmend Anreicherungen festzustellen sind. Zudem sind Auswirkungen auf Bodenlebewesen und Verschiebungen im Artgefüge auf kupferbelasteten Flächen festzustellen (https://kupfer.julius-kuehn.de/index.php?menuid=2). Die Europäische Kommission hat Kupfer unter Auflage von Reduzierungsmaßnahmen in den Anhang I der Richtline 91/414/EWG über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln aufgenommen. In Deutschland soll mittels einer Steuerungsgruppe im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Reduktion des Kupfereinsatzes mit Hilfe einer Kupferminimierungsstrategie erreicht werden.

Der derzeitige Zulassungszeitraum für Kupferverbindungen auf europäischer Ebene endet am 31. Januar 2019. Indes bewertet die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA Kupferpräparate ökotoxikologisch und in Bezug auf Verbraucherrisiken als gefährlich (https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10. 2903/j.efsa.2018.5152). Dies wird auch in den neuesten Veröffentlichungen der Behörde bekräftigt, wonach die ursprünglichen Einschätzungen zur Toxizität von Kupferverbindungen auch durch die Analyse neuerer Datensätze bestehen bleiben (https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.2903/sp.efsa.2018.EN-1486).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen13

1

Wie beurteilt die Bundesregierung den Einsatz von Kupferpräparaten in der Landwirtschaft im Hinblick auf die Einschätzungen der EFSA, wonach durch den Einsatz von Kupferpräparaten negative ökotoxikologische Auswirkungen hervorgehen (https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10. 2903/j.efsa.2018.5152)?

2

Auf welcher Fläche und zu welchem Zweck werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland Kupferpräparate als Pflanzenschutzmittel ausgebracht? Wie hoch ist die Aufwandmenge im Durchschnitt im ökologischen und konventionellen Landbau (bitte nach Kultur und Bewirtschaftungsform, ökologisch oder konventionell, aufführen)?

3

Welche Gesamtmengen kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel werden jährlich in Deutschland ausgebracht (bitte tabellarisch für die letzten acht Jahre aufführen)?

4

In welcher Form setzt die Bundesregierung das zulassungsbegleitende Monitoring von Kupferverbindungen um?

5

Wie verhält sich der durch Kupfer hervorgerufene Belastungszustand von konventionellen Flächen im Vergleich zu ökologisch bewirtschafteten Flächen im Durchschnitt (bitte die durchschnittliche Belastung pro ha je nach Bewirtschaftungsform angeben)?

6

Wie beurteilt die Bundesregierung die Aufnahme von Kupferpräparaten in den Anhang I der Richtline 91/414/EWG über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln?

7

Hält die Bundesregierung den Einsatz von Kupferpräparaten im ökologischen Landbau für gerechtfertigt?

8

Sieht die Bundesregierung im Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im ökologischen Landbau die Gefahr einer nachhaltigen Schädigung der Glaubwürdigkeit der ökologischen Landwirtschaft?

9

Wie beurteilt die Bundesregierung den Einsatz von Kupferpräparaten als Pflanzenschutzmittel im organischen Landbau?

10

Welche Alternativen stehen im ökologischen und konventionellen Anbau zur Verfügung?

11

Wird sich die Bundesregierung auch in Bezug auf die neusten Veröffentlichungen zur Toxizität von Kupferverbindungen für eine Verlängerung der Zulassungen auch nach 31. Januar 2019 auf EU-Ebene einsetzen?

12

Welche Einschränkungen des Einsatzes von Kupferverbindungen werden angestrebt, und welche Alternativen werden vorrangig gesehen?

13

Sieht die Bundesregierung in neuen Züchtungsmethoden in der Pflanzenzucht wie dem Genome Editing eine mögliche Strategie, den Einsatz von Kupferpräparaten zu mindern?

Berlin, den 20. November 2018

Christian Lindner und Fraktion

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