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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Erforschung von Americium-241-Radioisotopengeneratoren durch die Europäische Weltraumorganisation
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
30.07.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1173618.07.2019
Erforschung von Americium-241-Radioisotopengeneratoren durch die Europäische Weltraumorganisation
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/11736
19. Wahlperiode 18.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Rainer Kraft, Dr. Heiko Wildberg, Karsten Hilse,
Andreas Bleck, Marc Bernhard, Dr. Heiko Hessenkemper und
der Fraktion der AfD
Erforschung von Americium-241-Radioisotopengeneratoren durch die
Europäische Weltraumorganisation
Radioisotopengeneratoren (radioisotope thermoelectric generator, RTG) sind
unverzichtbare Komponenten für Raumfahrtprojekte jenseits der Jupiterbahn. Selbst
bei Missionen im inneren Sonnensystem sind Radionuklidheizelemente
(radioisotope heater units, RHU) oftmals nötig um Bordsysteme vor zu starker
Abkühlung zu schützen (www.bernd-leitenberger.de/cassini-rtg.shtml).
Derzeit ist das Isotop der Wahl Plutonium-238. Dieses wird durch Bestrahlung
von Neptunium-237 mit Neutronen künstlich erzeugt. War Plutonium-238 nach
dem Ende des Kalten Krieges noch in ausreichenden Beständen aus Rußland und
den USA verfügbar, so hat sich die Lage inzwischen geändert. Die Bestände der
USA sind erschöpft, sie bauen gerade neue Erzeugerkapazität auf und Rußland
bietet aus seinen Beständen nichts mehr zum Kauf an (www.world-nuclear-news.
org/Articles/Can-americium-replace-plutonium-in-space-missions).
Americium-241 auf der anderen Seite kommt als Nebenprodukt der Kernspaltung
in abgebrannten Brennelementen relativ häufig vor und kann im Zuge der
Wiederaufbereitung durch ein einfaches chemisches Verfahren abgetrennt werden, im
Gegensatz zu einer aufwendigen Isotopentrennung.
Ein weiterer Vorteil ist die längere Halbwertszeit von Americium-241 von
432,2 Jahren gegenüber den 87,7 Jahren von Plutonium-238 (www.perioden
system-online.de/index.php?id=isotope&el=94&mz=238&show=nuklid; www.
periodensystem-online.de/index.php?id=isotope&el=95&mz=241&show=nuklid
&sel=zf). Auch sehr langlebige Raumfahrtmissionen können mit derart
betriebenen RTG und RHU ausgerüstet werden. Daraus ergibt sich aber natürlich auch
ein Nachteil. Weil Americium-241 langsamer zerfällt ist die pro Zeiteinheit
freigesetzte, verwertbare Energie entsprechend geringer. Daher muß mehr Masse (ca.
Faktor 5) des Radionuklids mitgeführt werden, um die gleiche elektrische
Leistung oder Wärme zu erzeugen wie im Falle von Plutonium-238. Dazu emittiert
Americium-241 neben seiner Eigenschaft als lphastrahler, die es mit Plutonium-
238 teilt, auch noch Gammastrahlen. Diese gehen damit der Wärmeleistung
verloren und sind schwer abschirmbar, was entweder die Strahlenbelastung des
Raumfahrzeuges erhöht oder eine schwerere Abschirmung erfordert. In Summe
ergibt sich daraus eine größere Masse der RTGs bzw. RHUs, die bei der Planung
des Raumfahrzeuges berücksichtigt werden muss und entweder die Nutzlast
einschränkt oder das Startgewicht erhöht.
Forscher in Großbritannien haben nun, in Zusammenarbeit mit der ESA
(Europäische Weltraumorganisation), mit Versuchen begonnen Americium-241 zu
isolieren und für seine Tauglichkeit in RTGs bzw. RHUs zu untersuchen. Auch
Untersuchungen in Richtung eines nuklearen Stirling-Motors (SRG) (www.unoosa.
org/pdf/pres/stsc2015/tech-15E.pdf) sind angedacht.
Die NASA hat im Jahr 2013 die Entwicklung von Fortgeschrittenen Stirling-
Radionuklid-Motoren beendet und arbeitet seither an der Entwicklung von Stirling-
Motoren, die durch einen Mini-Reaktor mittels Spaltung von hochangereichertem
Uran-235 betrieben werden (http://anstd.ans.org/NETS-2019-Papers/Track-2--
Mission-Concepts-and-Logistics/abstract-127-0.pdf).
Deutschland trägt derzeit 22,2 Prozent (927,1 Mio. Euro) des ESA-Budgets
(www.esa.int/About_Us/Welcome_to_ESA/Funding). Darüber hinaus werden die
Interessen der Bundesrepublik Deutschland über das DLR (Deutsches Zentrum
für Luft- und Raumfahrt e. V.) bei der ESA vertreten. Vorsitzender des Senats,
also des Aufsichtsorgans des DLR, ist ein Staatssekretär des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Energie.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die Bemühungen in Bezug auf die
raumfahrttechnische Nutzung als Radionuklidgenerator oder
Radionuklidheizelement, Plutonium-238 durch Americium-241 zu ersetzen?
2. Wie bewertet die Bundesregierung die Aufnahme von Forschung in
Richtung von nuklearen Stirling-Motoren, in diesem Falle konkret über
Americium-241 getriebene Stirling-Motoren, obwohl die NASA derartige
Forschungen (mit Plutonium-238 betriebenen ASRG) eingestellt hat (ht tps: / /
spaceflightnow.com/news/n1311/19asrg/)?
3. Wie viel Plutonium-238 hat die ESA, nach Kenntnis der Bundesregierung,
seit ihres Bestehens, in welchen Formen und von welchem Hersteller,
erworben?
4. In welchen Missionen hat die ESA, nach Kenntnis der Bundesregierung, das
erworbene Plutonium-238 eingesetzt?
5. Besitzt die ESA, nach Kenntnis der Bundesregierung, Plutonium-238-
Restbestände?
6. Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass für die ESA
Plutonium-238 derzeit am Markt nicht erwerbbar ist?
7. Welche derzeitig von der ESA geplanten Missionen benötigen, nach
Kenntnis der Bundesregierung, welche Mengen an Plutonium-238?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung von Nuklearreaktoren in
der Raumfahrt, die hochangereichertes Uran-235 in Kernspaltungsprozessen
verwenden?
9. Hat, nach Kenntnissen der Bundesregierung, die ESA Pläne, ebenfalls
Kernspaltreaktoren, die auf Basis von hochangereichertem Uran-235 arbeiten, zu
verwenden?
10. Hätte, nach Einschätzung der Bundesregierung, ein funktionsfähiges RTG
auf Basis von Americium-241 das Potential, die derzeitigen RTGs auf Basis
von Plutonium-238 aufgrund dessen geringer Verfügbarkeit abzulösen?
Wenn ja, welches jährliche Exportvolumen (in Euro/Jahr) erwartet die
Bundesregierung?
11. Können, nach Einschätzung der Bundesregierung, RTGs auf Basis von
Americium-241 die Anwendung von Kernspaltreaktoren auf Basis von
hochangereichertem Uran-235 in der Raumfahrt ersetzen?
Berlin, den 20. Mai 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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