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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Gefährdung der Versorgungssicherheit durch Engpässe in der Stromerzeugung
(insgesamt 9 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
14.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1204230.07.2019
Gefährdung der Versorgungssicherheit durch Engpässe in der Stromerzeugung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12042
19. Wahlperiode 30.07.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Steffen Kotré, Tino Chrupalla, Enrico Komning, Leif-Erik Holm,
Hansjörg Müller, Dr. Heiko Heßenkemper und der Fraktion der AfD
Gefährdung der Versorgungssicherheit durch Engpässe in der Stromerzeugung
Im Juni 2019 war die Stromversorgung in Deutschland nach Pressemeldungen an
mindestens drei Tagen akut gefährdet. Medienberichten zufolge konnten
innerdeutsche Versorgungsengpässe nur durch massive Stromimporte aus dem
Ausland ausgeglichen und damit drohende Stromausfälle abgewendet werden (www.
handelsblatt.com/unternehmen/energie/stromnetz-so-steht-es-um-die-versorgungs
sicherheit-in-deutschland/24520092.html?ticket=ST-4358266-bQT6db75LfzKC
7Pe0CfL-ap6).
Die Preise für Regelenergie (positive Minutenreserve) stiegen aufgrund der
Engpässe auf kurzzeitig 37 856 Euro/Megawattstunde statt der durchschnittlichen
100 Euro/Megawattstunde (www.energate-messenger.de/news/192785/
turbulenzenim-regelenergiemarkt). Unabhängig davon, dass die konkrete Ursache der
Ereignisse im Juni 2019 noch nicht vollständig aufgeklärt ist, weisen zuständige Stellen
und Behörden bereits seit langem auf schwerwiegende Gefährdungsfaktoren im
deutschen Stromnetz hin, die ein umgehendes Handeln seitens der
Bundesregierung erfordern.
Seit dem massiven Ausbau der unregelmäßig einspeisenden erneuerbaren
Energien und dem gleichzeitigen Rückbau konventioneller Kraftwerke im Zuge der
„Energiewende“ häufen sich die Meldungen, wonach Störungen im Stromnetz
zunehmend zu einer Gefährdung der Stromversorgung führen. So warnt derzeit
der Bundesrechnungshof als oberste Bundesbehörde vor zunehmend
unkontrollierbaren Netzzuständen, die neben der Gefahr von Blackouts auch zu jährlichen
Kosten von rund 2 Milliarden Euro führen (www.handelsblatt .com/politik/
deutschland/versorgungssicherheit-gefaehrdet-rechnungshof-warnt-
vorverschaerften-problemen-im-stromnetz/24523438.html; www.energate-
messenger.de/news/192944/bundesrechnungshof-warnt-vor-risiken-im-stromnetz).
Die Expertenkommission der Bundesregierung zum Monitoring der
Energiewende kommt ergänzend hierzu zu der schwerwiegenden Erkenntnis, dass der
geplante Kohleausstieg voraussichtlich zu einer Gefährdung der
Versorgungssicherheit unserer Nachbarländer Belgien und Frankreich führen wird (www.bmwi.
de/Redaktion/DE/Downloads/E/ewk-stellungnahme.pdf?__blob=publicationFile&
v=4).
Die Bundesregierung wiederholt in diesem Zusammenhang gebetsmühlenartig,
dass die Versorgungssicherheit nach wie vor auf einem hohen Niveau sei und
verweist als Beleg dafür auf den SAIDI-Wert (www.bmwi.de/Redaktion/DE/
Pressemitteilungen/2019/20190703-altmaier-versorgungssicherheit-in-deutschland-
weiterhin-sehr-hoch.html). Der SAIDI ist nach Ansicht der Fragesteller jedoch für
die Bewertung der aktuellen und zukünftigen Versorgungssicherheit völlig
ungeeignet, weil er ausschließlich bereits vergangene Versorgungsunterbrechungen
berücksichtigt. Die Expertenkommission hat daher ausdrücklich gefordert, neue
Indikatoren zur Erfassung der aktuellen und zukünftigen Versorgungssicherheit
zu entwickeln (www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/E/ewk-stellungnahme.
pdf?__blob=publicationFile&v=4). Weiterhin mahnt die Kommission an, dass die
Regierung noch immer keinen Versorgungssicherheitsstandard eingeführt hat.
Die Bundesregierung verfügt also nach Ansicht der Fragesteller und der
Regierungskommission über keine wirksamen Instrumente, um die derzeitige und
zukünftige Versorgungssicherheit beurteilen zu können. Dies ist angesichts der
enormen Bedeutung der Stromversorgung ein völlig inakzeptabler Zustand.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Worin liegt nach Kenntnis der Bundesregierung die Ursache der genannten
Engpässe in der Stromerzeugung im Juni 2019?
2. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass bei den Ereignissen im
Juni 2019 ohne massive Stromimporte aus dem Ausland die
Stromversorgung in Deutschland voraussichtlich zusammengebrochen wäre, und welche
Maßnahmen leitet sie daraus ab?
3. Wie bewertet die Bundesregierung die Warnungen des
Bundesrechnungshofs vor zunehmenden Problemen im deutschen Stromnetz, und welche
Maßnahmen leitet sie daraus ab?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage der Expertenkommission
zum Monitoring-Prozess der Energiewende, wonach Deutschland nach wie
vor über keinen Versorgungssicherheitsstandard verfügt, und welche
Maßnahmen leitet sie daraus ab?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage der Expertenkommission,
wonach ein vorzeitiger Kohleausstieg in Deutschland zu einer
Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit in Frankreich und Belgien führen würde,
und welche Maßnahmen leitet sie daraus ab?
6. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Expertenkommission,
wonach der SAIDI-Wert keine Aussagekraft bezüglich der aktuellen und
zukünftigen Versorgungssicherheit aufweist?
Wenn ja, aus welchem Grund führt die Bundesregierung dann regelmäßig
den SAIDI als Nachweis einer hohen Versorgungssicherheit an?
Wenn nein, wie begründet die Bundesregierung ihre Zweifel an der
Fachkompetenz der Expertenkommission?
7. Sieht die Bundesregierung bei den derzeitigen Marktbedingungen im
Strommarkt bzw. im Regelenergiemarkt ein Missbrauchspotenzial, wodurch sich
Marktteilnehmer auf Kosten der Verbraucher über Gebühr bereichern
können, und wenn ja, welche Schlüsse zieht sie daraus?
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass Stromverbraucher
aufgrund der zunehmenden Instabilität der Stromversorgung mittlerweile
jährlich rund 2 Mrd. Euro allein für stabilisierende Eingriffe in das Stromnetz
tragen müssen, und welche Maßnahmen leitet sie daraus ab?
9. Besteht aus Sicht der Bundesregierung ein Zusammenhang zwischen dem
Zubau von volatilen erneuerbaren Energien und den zunehmenden
Warnungen zuständiger Stellen und Behörden vor Stromausfällen durch
unkontrollierbare Netzzustände?
Berlin, den 10. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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