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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Problemfelder und Potenziale "smarter" Städte und ländlicher Regionen
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Datum
23.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1211401.08.2019
Problemfelder und Potenziale "smarter" Städte und ländlicher Regionen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12114
19. Wahlperiode 01.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Joana Cotar, Dr. Götz Frömming,
Peter Felser, Nicole Höchst und der Fraktion der AfD
Problemfelder und Potenziale „smarter“ Städte und ländlicher Regionen
Deutsche Kommunen sollen künftig zunehmend „smart“ werden. Die
Bundesregierung sieht in diesem Prozess ihre Aufgabe darin, „Städte, Kreise und
Gemeinden bei der digitalen Modernisierung und Entwicklung zu Smart Cities aktiv [zu]
begleiten“ (vgl. z. B. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Smart-
City-Charta: Digitale Transformation in den Kommunen nachhaltig gestalten,
Bonn 2017, Vorwort, S. 4; Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat:
Wir fördern „Smart Cities made in Germany“, www.bmi.bund.de/SharedDocs/
kurzmeldungen/DE/2019/03/smart-cities-modellprojektfoerderung.html;jsessionid=1E
3F9B376B67E70F56D4C1547E078F46.2_cid287; letzter Zugriff: 1. Juli 2019).
Was genau indes unter Smart Cities oder Countries zu verstehen ist, ist nach
Ansicht der Fragesteller interpretationsbedürftig, da es bisher keine allgemein
akzeptierte Definition gibt. In der Regel wird darunter eine Stadt oder eine ländliche
Region verstanden, in der durch den Einsatz von Anwendungen der Informations-
und Kommunikationstechnik (IKT) „smarte“ Lösungen für unterschiedliche
Bereiche der Stadt- und Landentwicklung (z. B. Infrastruktur, Gebäude, Mobilität,
Dienstleistungen, Sicherheit) ermöglicht werden (vgl. z. B. Jens Libbe: Smart
City: Herausforderung für die Stadtentwicklung. In: Deutsches Institut für
Urbanistik [Hrsg.], Difu-Berichte 2/2014, Berlin: Deutsches Institut für Urbanistik,
S. 2-3).
Dieser Technikeinsatz soll zu einer neuen Qualität an städtischer und ländlicher
Vernetzung führen, die auch eine hohe Veränderungsdynamik impliziert. Eine
regulatorische Begleitung dieses Prozesses, insbesondere im Hinblick auf
Verwaltungs- und Entscheidungsprozesse, ist deshalb unabdingbar.
Die Aufgabentrennung zwischen Bund, Land und Kommunen schafft nach
Auffassung der Fragesteller bei der Implementierung von Smart-City- oder -Country-
Lösungen komplexe Herausforderungen. Soll es indes zu integrierten Lösungen
kommen, ist ein koordiniertes Vorgehen notwendig. Das kann in Deutschland nur
mittels Einbindung der beteiligten öffentlichen Akteure und privaten Investoren
erfolgen.
Weitere Problemfelder sehen die Fragesteller im Hinblick auf die Deckung des
deutlich steigenden Stromverbrauchs, die der Ausbau von Smart Cities oder
Countries mit sich bringen wird. Hier bedarf es dringend einschlägiger Studien,
die mit Blick auf die Deckung des massiv steigenden Stromverbrauchs belastbare
Szenarien erarbeiten. Ein weiteres Problemfeld ist das Thema Cybersicherheit,
das durch den voranschreitenden Ausbau des Internet der Dinge eine noch höhere
Wertigkeit erlangen wird, als es heute bereits der Fall ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Definitionen legt die Bundesregierung zugrunde, wenn sie von
„Smart Cities“ oder „Smart Countries“ redet?
a) Welche Gründe hat die Bundesregierung für ihre Präferenz im Hinblick
auf diese Definitionen?
b) Falls sich die Bundesregierung mit Blick auf diese Definitionen nicht
festlegen will, was sind die Gründe hierfür?
2. Kann die Bundesregierung Gründe dafür angeben, warum das Thema Smart
Cities bzw. Smart Countries in der „Strategie Künstliche Intelligenz der
Bundesregierung“ keine Erwähnung findet?
a) Falls ja, welche Gründe sind das?
b) Falls nein, warum nicht?
3. Welche Effekte verspricht sich die Bundesregierung durch einen
zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz beim Aufbau von Smart Cities bzw.
Countries?
4. Hat die Bundesregierung mit Blick auf den Einsatz von künstlicher
Intelligenz beim Aufbau von Smart Cities bzw. Countries Forschungsgutachten
vergeben?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse haben diese
Forschungsgutachten erbracht?
b) Falls nein, warum sieht die Bundesregierung diesbezüglich keinen
Handlungsbedarf?
5. Welche Arten von Technologien subsumiert die Bundesregierung im
Hinblick auf das Gegenstandsfeld unter dem Begriffsbaustein „smart“?
Welche Gründe haben die Bundesregierung, falls sie nicht nur Technologien
der künstlichen Intelligenz unter dem Begriffsbaustein „smart“ subsumiert,
bewogen, diese Technologien dennoch als „smart“ zu kategorisieren?
6. Hat die Bundesregierung spezifische Forschungsgutachten zum
Zusammenhang von Open Data und KI-Systemen in Auftrag gegeben?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse haben diese
Forschungsgutachten erbracht?
b) Falls nein, warum sieht die Bundesregierung diesbezüglich keinen
Handlungsbedarf?
7. Welche Definition des Begriffs Intelligenz liegt der Smart-City-Charta
zugrunde, wenn in ihr mit Blick auf eine „nachhaltige und integrierte
Stadtentwicklung“ von einem „normative[n] Bild einer intelligenten,
zukunftsorientierten Stadt“ im Sinne die Rede ist (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung: Smart-City-Charta: Digitale Transformation in den
Kommunen nachhaltig gestalten, Bonn 2017, Vorwort, S. 4)?
8. Stimmt die Bundesregierung der Schlussfolgerung zu, dass es für die
Entwicklung von Smart Cities bzw. Countries auch „smart citizens“ bedarf, die
die Möglichkeiten, die sich hier eröffnen, auch zu nutzen in der Lage sind?
a) Falls ja, welche Aktivitäten hat die Bundesregierung bisher entfaltet, um
die Bürger auf einen entsprechenden Wissensstand zu bringen?
b) Falls die Bundesregierung hier keine Aktivitäten entfaltet hat, warum
nicht?
9. Gibt es seitens der Bundesregierung mit Blick auf die laufenden
Modellprojekte ein spezielles Förderprogramm bzw. spezielle Förderprogramme im
Bereich Smart Cities und Countries zur nachhaltigen Entwicklung mit den
Mitteln der Digitalisierung auf Basis integrierter Entwicklungskonzepte?
a) Falls ja, kann die Bundesregierung nähere Angaben zu diesem
Förderprogramm bzw. zu diesen Förderprogrammen machen?
b) Falls nein, warum hält die Bundesregierung ein spezielles
Förderprogramm bzw. spezielle Förderprogramme für verzichtbar?
10. Inwieweit ist der zu erwartende, massiv erhöhte Strombedarf der IKT-
Infrastrukturen Thema der laufenden und geplanten Modellprojekte im Bereich
Smart Cities bzw. Smart Countries (vgl. z. B. www.springerprofessional.de/
energiebereitstellung/industrie-4-0/wie-die-digitalisierung-den-
stromverbrauchnach-oben-treibt/15255816; letzter Zugriff: 2. Juli 2019)?
a) Falls ja, inwieweit liegen der Bundesregierung hierzu schon Erkenntnisse
vor?
b) Falls nein, warum ist der erhöhte Strombedarf bisher nicht Thema der
Modellprojekte?
11. Hat die Bundesregierung Forschungsgutachten angestoßen, die die
Energiesparpotenziale von Smart Citys bzw. Smart Countries zum Gegenstand
haben?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse haben diese
Forschungsgutachten erbracht?
b) Falls nein, warum sieht die Bundesregierung diesbezüglich keinen
Handlungsbedarf?
12. Hat die Bundesregierung mit Blick auf die Gefahren, die durch den immer
weiter voranschreitenden Ausbau von Smart Cities bzw. Smart Countries
aufgrund des ständig an Umfang gewinnenden Internets der Dinge im
Hinblick auf die Cybersicherheit drohen (www.sicherheit.info/smart-cities-
alsherausforderung), Forschungsgutachten in Auftrag gegeben?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse haben diese
Forschungsgutachten erbracht?
b) Falls nein, warum sieht die Bundesregierung diesbezüglich keinen
Handlungsbedarf?
13. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, um die Zusammenarbeit
von Bund, Ländern und Kommunen dahingehend zu akkordieren, dass
technische Standards im Hinblick auf das Gegenstandsfeld im Sinne einer
Interkonnektivität ausgestaltet werden und praktikabel anwendbar gemacht
werden können?
a) Falls hier Aktivitäten entfaltet wurden, welcher Art sind diese
Aktivitäten?
b) Falls keine Aktivitäten entfaltet wurden, warum nicht?
14. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, welche Aktivitäten im IT-
Planungsrat bisher im Zusammenhang mit den laufenden und künftigen Smart-
City-bzw. -Country-Modellprojekten entfaltet wurden, um dem Thema
technische Standards, das direkte Auswirkungen auf die Verhandlungen mit den
Technologielieferanten hat, die entsprechende Wertigkeit zu verleihen?
a) Falls Aktivitäten entfaltet wurden, welcher Art sind diese Aktivitäten?
b) Falls nein, warum hat die Bundesregierung hier bisher keine Aktivitäten
entfaltet?
15. Welche Städte identifiziert die Bundesregierung als erfolgreiche Smart-City-
Konzepte?
a) Welche Gründe kann die Bundesregierung anführen, diese Projekte als
erfolgreich zu bewerten?
16. Welche Städte im In- und Ausland identifiziert die Bundesregierung als
Bestpractice-Beispiele für Smart Cities bzw. Smart Countries?
a) Warum sind aus Sicht der Bundesregierung gerade diese Städte bzw.
ländlichen Regionen beispielhaft?
b) Inwieweit sieht die Bundesregierung hier Synergieeffekte für laufende
Modellprojekte im Bereich Smart Cities bzw. Smart Countries?
17. Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die Entwicklung von
Smart Cities aus Sicht der Bundesregierung auf deren ländliche
Umgebungen?
18. Hat die Bundesregierung mit Blick auf diese Auswirkungen
Forschungsgutachten in Auftrag gegeben?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse haben diese
Forschungsgutachten erbracht?
b) Falls nein, warum sieht die Bundesregierung diesbezüglich keinen
Handlungsbedarf?
19. Welche Kriterien (Ausbildungsinhalte, Infrastrukturen etc.) sieht die
Bundesregierung als Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung von
„smarten“ Räumen?
20. Welche „smarten“ Konzepte sieht die Bundesregierung als erfolgreiche
Modelle in der Entwicklung ländlicher Regionen an?
21. Welche „smarten“ Konzepte oder Projekte hat die Bundesregierung bisher
gefördert?
a) Welche dieser geförderten „smarten“ Projekte wurden erfolgreich
abgeschlossen?
b) Welche dieser geförderten „smarten“ Projekte wurden nicht erfolgreich
abgeschlossen?
c) Warum waren diese Projekte aus Sicht der Bundesregierung erfolgreich
oder nicht erfolgreich?
22. Kann die Bundesregierung in einer Übersicht darlegen, welche
Voraussetzungen bundesweit erfüllt sein müssen, damit auch der ländliche Raum
besser an der Digitalisierung teilhaben kann?
23. Welche innovativen IKT-Konzepte hat die Bundesregierung hinsichtlich der
IKT-Entwicklung in ländlichen Regionen bisher erfolgreich umgesetzt?
24. Welche deutschen Lieferanten kritischer IKT-Infrastrukturen subsumiert die
Bundesregierung als „smart“?
25. Beobachtet die Bundesregierung die Kooperation zwischen der Stadt
Duisburg und dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei auch
unter dem Fokus des Ausbaus der Smart Cities (www.waz.de/staedte/duisburg/
chinesischer-it-riese-huawei-ist-fuer-duisburg-ein-risiko-id221223665.html)?
a) Falls ja, welche Schlüsse hat die Bundesregierung bisher aus dieser oder
ähnlichen Partnerschaften gezogen?
b) Falls nein, warum nicht?
Berlin, den 11. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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