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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Wahrnehmung ihrer Verantwortung durch die Vertreter der Bundesregierung im Kuratorium der RAG-Stiftung im Hinblick auf die RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH sowie der Kontrollaufgaben der RAG-Stiftung durch das Bundesministerium der Finanzen
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
30.08.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1243816.08.2019
Wahrnehmung ihrer Verantwortung durch die Vertreter der Bundesregierung im Kuratorium der RAG-Stiftung im Hinblick auf die RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH sowie der Kontrollaufgaben der RAG-Stiftung durch das Bundesministerium der Finanzen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12438
19. Wahlperiode 16.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Dirk Spaniel, Leif-Erik Holm, Wolfgang Wiehle,
Frank Magnitz, Andreas Mrosek, Matthias Büttner, Thomas Seitz und
der Fraktion der AfD
Wahrnehmung ihrer Verantwortung durch die Vertreter der Bundesregierung im
Kuratorium der RAG-Stiftung im Hinblick auf die RAG-Stiftung
Beteiligungsgesellschaft mbH sowie der Kontrollaufgaben der RAG-Stiftung durch
das Bundesministerium der Finanzen
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass Dr. Werner Müller als
ehemaliger Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (parteilos, von
Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgeschlagen) von 2005 bis 2010 Vorsitzender
des Aufsichtsrats der Deutsche Bahn AG war und zeitgleich im
Verwaltungsrat (vgl. www.stadlerrail.com/de/ueber-uns/verwaltungsrat) eines
Lieferanten der DB AG (vgl. www.eisenbahn-kurier.de/index.php/3350-
innotransstadler-pankow-praesentiert-den-1-flirt-der-3-generation-fuer-die-db-regio-ag2)
saß, und war diese nach Ansicht der Fragesteller offensichtliche
Interessenkollision je Thema einer Befassung innerhalb der Bundesregierung?
2. Ist der Bundesregierung bereits bei der Bestellung von Dr. Werner Müller
zum Aufsichtsratsvorsitzenden der DB AG bekannt gewesen, dass er
gleichzeitig Mitglied des Verwaltungsrats der Stadler Rail AG, Bussnang,
Schweiz, gewesen ist (laut Kotierungsprospekt zum Börsengang des
Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail AG aus dem Jahr 2019 ist Dr. Werner
Müller bereits seit dem Jahr 2003 Mitglied des Verwaltungsrats der Stadler
Rail AG), und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt hat die Bundesregierung
davon Kenntnis erlangt?
3. Wie hoch war das Einkaufsvolumen der DB AG und ihrer
Tochterunternehmen bei der Stadler Rail AG und ihren Tochterunternehmen in den Jahren
2000 bis 2015 (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
4. Wer waren die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium der
RAG-Stiftung (bitte nach Jahren ihrer Mandatszeit aufschlüsseln)?
5. Ist der Organisationsplan des Bundesministeriums der Finanzen
dahingehend korrekt, dass in diesem Bundesministerium dem Referat VIII B2 die
Kontrolle der RAG-Stiftung und damit verbunden auch ihrer Beteiligungen
obliegt, und wenn ja, ab welcher Beteiligungsquote wird diese
Kontrollaufgabe wahrgenommen?
6. Haben die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium der
RAG-Stiftung für die Ernennung des ehemaligen Bundesministers
Dr. Werner Müller zum Vorstandsvorsitzenden der RAG-Stiftung gestimmt,
eine Stellung, die er von 2012 bis 2018 bekleidete?
7. Haben die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium der
RAG-Stiftung für oder gegen die Gründung der RAG-Stiftung
Beteiligungsgesellschaft mbH gestimmt, an der die RAG-Stiftung zu 74,9 Prozent (nicht
zu 100 Prozent) beteiligt ist (vgl. www.rag-stiftung.de/fileadmin/user_upload/
RAG-Stiftung/Dokumente/geschaeftsberichte/RAG-Stiftung_GB2017_D.pdf,
www.rag-stiftung.de/ueber-uns/rag-stiftung-beteiligungsgesellschaft/)?
8. Haben die Vertreter der Bunderepublik Deutschland im Kuratorium der
RAG-Stiftung dafür gestimmt, Dr. Werner Müller zum Ehrenvorsitzenden
der RAG-Stiftung zu benennen?
9. Wurden durch die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium
der RAG-Stiftung die aus Sicht der Fragesteller ungewöhnlichen
Beteiligungsverhältnisse thematisiert, wonach 25,1 Prozent der Anteile der RAG-
Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH von einer Privatperson, J. W.,
wohnhaft in Vaucresson, Frankreich, gehalten werden, sowie dass diese Person
auf Vorschlag von Dr. Werner Müller auch zum Geschäftsführer der RAG-
Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH bestellt wurde (vgl. www.wiwo.de/
unternehmen/industrie/werner-mueller-ich-halte-nichts-von-handelskriegen/
9769484-all.html), und wurde diese Konstruktion vom Referat VIII B2 des
Bundesministeriums für Finanzen geprüft und bewertet?
10. Wurden seitens der Referats VIII B2 des Bundesministeriums der Finanzen
bei Gründung der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH die
Vermögensverhältnisse des alleinigen Minderheitsgesellschafters geprüft, um
„Strohmann-Geschäfte“ auszuschließen (vgl. www.manager-magazin.de/
magazin/artikel/wolfgang-buechele-ball-der-einsamen-herzen-a-1175976-3.html)
und insbesondere dessen Verbindungen zur Exyte AG und dessen
Hauptaktionär (vormals M+W, Stuttgart, Aufsichtsratsvorsitzender ist der
österreichische Investor G. S., vgl. www.nzz.ch/articleF6DQQ-1.358689)?
11. Haben die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium der
RAG-Stiftung für oder gegen eine Beteiligung der RAG-Stiftung
Beteiligungsgesellschaft mbH an der Stadler Rail AG in Höhe von 5 Prozent im
Jahr 2012 und von weiteren 5 Prozent im Jahr 2017 votiert (vgl. www.tages
anzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/was-stadler-rail-mit-
demende-der-kohlefoerderung-in-deutschland-zu-tun-hat/story/26224520)?
12. Ist den Vertretern der Bundesrepublik Deutschland im Kuratorium der RAG-
Stiftung seitens des Vorstands der RAG-Stiftung angezeigt worden, dass
Dr. Werner Müller an der Stadler Rail AG, Bussnang, Schweiz, 999 950
Aktien hält, die am Tag nach dem Börsengang (IPO) einen Wert von
umgerechnet rund 37 Mio. Euro erreichten (vgl. www.finanzen.ch/nachrichten/aktien/
stadler-rail-aktie-startet-fulminant-an-der-schweizer-boerse-1028106113)?
13. Ist der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH seitens der Stadler Rail
AG mitgeteilt worden, dass im Jahr 2017 Vorstände, Verwaltungsräte und
Führungskräfte der Stadler Rail AG Boni in Form von unterschiedlich
großen Aktienpaketen zu 7,92 Schweizer Franken pro Aktie erhalten haben (vgl.
www.luzernerzeitung.ch/wirtschaft/nach-dem-boersengang-von-stadler-
raildiese-topmanager-sind-jetzt-um-millionen-reicher-ld.1111454), und wenn
ja, wurde diese Information an das zuständige Referat VIII B2 des
Bundesministeriums der Finanzen weitergeleitet?
14. Wie ist seitens des Referats VIII B2 des Bundesministeriums der Finanzen
die Entwicklung bewertet worden, dass die Aktie der Stadler Rail AG zu
einem Preis von rund 38 SFr im April 2019 ausgegeben wurde, also pro
börsengehandelter Aktie rund 30 SFr oder fast 500 Prozent über dem Wert der
an Führungskräfte und Verwaltungsräte zugeteilten Aktie (vgl. www.faz.
net/aktuell/finanzen/friedrich-merz-ist-nach-stadler-boersengang-endgueltig-
millionaer-16140737.html)?
15. Wurde das Referat VIII B2 des Bundesministeriums der Finanzen davon in
Kenntnis gesetzt, zu welchem Kaufpreis das erste Aktienpaket in Höhe von
5 Prozent, das von der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mbH an der
Stadler Rail AG im Jahr 2012 erworben wurde, und zu welchem Kaufpreis
das zweite Aktienpakt im Jahr 2017 erworben wurde, und wenn ja, wie
erklärt sich die Bundesregierung die Differenz zu dem Verkaufspreis der
Capvis AG, Baar, Schweiz, die ihr 20-prozentiges Aktienpaket im März 2012
an den Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsidenten, P. S., veräußerte
(vgl. www.eurailpress.de/nachrichten/unternehmen-maerkte/detail/news/
stadlerrail-spuhler-kauft-die-beteiligung-von-capvis-zurueck.html)?
16. Gab es eine interne Bewertung im Bundesfinanzministerium des Umstands,
dass das im Jahr 2012 indirekt von der RAG-Stiftung
Beteiligungsgesellschaft mbH finanzierte Aktien-Rückkaufprogramm von der Capvis AG an
die PCS Holding AG, Frauenfeld, Schweiz, laut öffentlicher Darstellung
dazu dienten sollte, das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm im Form von
Aktienoptionen von 10 Prozent auf 15 Prozent zu erhöhen (vgl. www.capvis.
com/de/news/peter-spuhler-kauft-die-beteiligung-von-capvis-zuruck-556af
a35.html), und wenn ja, gibt es auch eine Bewertung des zuständigen
Referats zu dem Umstand, dass beim IPO nicht die Mitarbeiter der Stadler Rail
AG in den Genuss des Programmes kamen, sondern nach Medienberichten
hauptsächlich das Management und insbesondere Verwaltungsräte der
Stadler Rail AG, zu denen seit 2003 nach nun auch der Wirtschaftspresse
vorliegenden Information aus dem Kotierungsprospekt auch der vormalige
Aufsichtsratsvorsitzende der DB AG und Vorsitzende der RAG-Stiftung
Dr. Werner Müller gehörten (vgl. www.blick.ch/news/wirtschaft/
fulminanterboersengang-von-stadler-rail-sogar-die-mediensprecherin-ist-jetzt-millionaerin-
id15270113.html)?
17. Hält die RAG-Stiftung nach Kenntnis der Bundesregierung nach wie vor
mehr als 50 Prozent der Aktien an der Evonik AG, und wenn ja, hält es die
Bundesregierung in dem Fall mit geltendem Recht vereinbar, dass die
Evonik AG seit 2007 mehr als 2 Mio. Euro an politische Parteien, unter anderem
auch die Regierungsparteien, gespendet hat (vgl. www.stern.de/politik/
deutschland/chemiekonzern-evonik-spendet-millionen-an-die-parteien-869
2510.html)?
18. Gibt es eine Bewertung im Referat VIII B2 des Bundesministeriums der
Finanzen des Umstands, dass die RAG-Stiftung im Jahr 2018 den
Hauptaktionär der Stadler Rail AG, P. S., zur Wahl in den Aufsichtsrat der Evonik AG
vorgeschlagen hat (vgl. https://corporate.evonik.de/Downloads/Corporate/
Aufsichtsrat/7_DE_CV_AR-Spuhler-4-2018_NIH_RZ.pdf)?
19. Kann die Bundesregierung Informationen bestätigen, dass die RAG-Stiftung
insgesamt noch drei laufende Umtauschschuldverschreibungen in einem
Volumen von insgesamt 1,5 Mrd. Euro begeben hat, mit einem Umtauschrecht
in Stammaktien der Evonik AG, und wurden durch diese liquiden Mittel
Beteiligungen der RAG Beteiligungsgesellschaft mbH finanziert (vgl. www.
rag-stiftung.de/investor-relations)?
20. Hat die Bundeskanzlerin auf einen handgeschriebenen Brief des RAG-
Stiftungs-Vorsitzenden Dr. Werner Müller, welcher laut Presseberichten vom
6. November 2012 datiert, in dem er der Bundeskanzlerin dankt, dass diese
„ein weiteres Mal Ihre Hand schützend und fördernd über mich gehalten“
habe (vgl. www.stern.de/resource/blob/3015070/65fa34609cb6bfb423f0a1
e961a62dc8/wmueller-pdf--ab904fa70606368e--data.pdf), schriftlich oder
mündlich geantwortet?
21. Wie bewertete das zuständige Referat VIII B2 des Bundesministeriums der
Finanzen die Minderheitsbeteiligung der RAG-Stiftung
Beteiligungsgesellschaft mbH an dem Schweizer CMO-Unternehmen Siegfried Holding AG,
Zofingen, und hat die Bundesregierung über ihre Vertreter im Kuratorium
der RAG-Stiftung auf die Besetzung des Verwaltungsrats der Siegfried
Holding AG Einfluss genommen in der Form, dass die ehemalige
Bundesministerin für Gesundheit und soziale Sicherung, Ulla Schmidt, die dafür laut
Medienberichten jährlich rund 120 000 Euro Tantiemen erhält (vgl. www.
stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nebeneinkuenfte-im-bundestag-ulla-
schmidtslukrative-arbeit-nebenher.d0ad4c74-a8eb-4ac7-99f2-b1ccbfbeb2dd.html),
bestellt wurde, obwohl sie nach Ansicht der Fragesteller nach eigenem
Lebenslauf weder kaufmännische noch chemisch-pharmazeutische
Berufserfahrungen einbringen kann (vgl. https://ulla-schmidt.de)?
Berlin, den 22. Juli 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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ISSN 0722-8333]
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