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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Ankündigungen zur Stärkung der Klimaforschung
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
16.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1281029.08.2019
Ankündigungen zur Stärkung der Klimaforschung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Kai Gehring, Ekin Deligöz, Lisa Badum, Dr. Anna Christmann,
Margit Stumpp, Beate Walter-Rosenheimer, Katja Dörner, Erhard Grundl,
Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Maria Klein-Schmeink, Ulle Schauws,
Kordula Schulz-Asche und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ankündigungen zur Stärkung der Klimaforschung
Nachdem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten
vor den sich verstärkenden Folgen einer menschengemachten Klimakrise
warnen und die globalen Wirkungsmechanismen nach Ansicht der Fragesteller
längst wissenschaftlich unumstritten sind, ist der Klimaschutz nun im Zentrum
der politischen Debatte angelangt. Der Bericht des Intergouvernemental Panel
on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen von Oktober 2018 betont,
dass bereits jedes Zehntel Grad Erderwärmung fatale Folgen für das
hochkomplexe und zugleich fragile Ökosystem und seine Bewohnerinnen und Bewohner
hat. Seit Monaten demonstrieren insbesondere junge Menschen bei „Fridays for
Future“ weltweit dafür, diese Warnungen aus der Wissenschaft ernst zu nehmen
und in politisches Handeln umzusetzen. Eine verantwortliche
Klimaschutzpolitik bedarf nach Ansicht der Fragesteller darum erstklassiger Klimaforschung,
um Handlungsalternativen im Kampf gegen die Klimakrise zu entwickeln.
Diese tragen dazu bei, die Zielerreichung der internationalen Verpflichtungen aus
dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen – die durchschnittliche Erderhitzung
weit unter zwei Grad Celsius, möglichst bei 1,5 Grad Celsius gegenüber dem
vorindustriellen Zeitalter zu halten Dabei kommt es aus Sicht der Fragesteller
nicht allein auf technische Neuentwicklungen, sondern insbesondere auch auf
soziale und ökologische Innovationen an, die Gesellschaft und Natur als
Ganzes in den Blick nehmen und so zu nachhaltigen Lösungen beitragen. Eine nach
Ansicht der Fragesteller überwältigende Mehrheit der Menschen in
Deutschland hält Forschung und Entwicklung für die wichtigste Maßnahme im Kampf
gegen die Klimakrise (vgl. ARD-DeutschlandTrend vom 1. August 2019). Die
Fragesteller begrüßen, dass die Bundesministerin für Bildung und Forschung
Anja Karliczek eine Erhöhung der klima- und klimaschutzbezogenen
Forschung im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fordert
(vgl. Meldung der dpa vom 5. August 2019), wie es die Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag schon lange tut (vgl. z. B.
Bundestagsdrucksache 19/5816 oder 18/7048). Bisher hat das BMBF jedoch keine Details
dieser Forderung veröffentlicht, die als bloße Forderung noch keinen Beitrag
zum Klimaschutz leistet.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12810
19. Wahlperiode 29.08.2019
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche grundsätzlichen Voraussetzungen müssen nach Ansicht der
Bundesregierung Forschungs- und Entwicklungsvorhaben erfüllen, um als
klima- bzw. klimaschutzbezogene Forschung im Sinne der in der
Vorbemerkung der Fragesteller zitierten Äußerung von
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gewertet und gefördert werden zu können?
2. Wie setzen sich die bereits in der mittelfristigen Finanzplanung
veranschlagten 1,6 Mrd. Euro für klima- bzw. klimaschutzbezogene Forschung
in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2024 zusammen (bitte in
Tabellenform aufschlüsseln, wie viele Mittel jeweils jährlich für die
Themenbereiche „Energie“, „Industrie“, „Landwirtschaft“, „Mobilität“ und
„Finanzwirtschaft“ sowie „Gebäude“ und ggf. weitere Themenbereiche vorgesehen
sind mit Angaben des entsprechenden Haushaltstitels)?
3. Wie hoch sind die aktuell im Haushalt des BMBF seit 2015 für die jeweils
in Frage 2 genannten Themenbereiche bereitgestellten Mittel für
klimabzw. klimaschutzbezogene Forschung sowie die jährlichen
Gesamtausgaben für klima- bzw. klimaschutzbezogene Forschung beim BMBF seit
2015 (bitte in Tabellenform nach den entsprechenden Themenbereichen
mit Angaben des entsprechenden Haushaltstitels pro Jahr aufschlüsseln)?
4. Wie sollen die angekündigten Mehrinvestitionen für klima- bzw.
klimaschutzbezogene Forschung von 1,4 Mrd. Euro bis 2024 auf die in Frage
2 genannten Themenbereiche aufgeteilt werden, und wie hoch sollen die
zusätzlich geplanten Ausgaben für klima- bzw. klimaschutzbezogene
Forschung bis 2024 jährlich insgesamt ausfallen (bitte in Tabellenform nach
den entsprechenden Themenbereichen mit Angaben des entsprechenden
Haushaltstitels pro Jahr aufschlüsseln)?
5. Sollten zum derzeitigen Stand des regierungsinternen
Abstimmungsprozesses keine genauen Angaben zu den Fragen 2 und/oder 4 sowie ggf.
weiteren Fragen möglich sein, auf welcher Grundlage basieren dann die
Aussagen von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zur Erhöhung der
klima- und klimaschutzbezogenen Forschung vom 5. August 2019?
6. Welche Aufwüchse sind für klima- bzw. klimaschutzbezogene Forschung
im Rahmen der Ressortforschung und im Rahmen der mittelfristigen
Finanzplanung vorgesehen, und inwiefern soll es durch die angekündigten
1,4 Mrd. Euro zu weiteren Aufwüchsen kommen?
7. Welche Rolle misst die Bundesregierung klima- und klimaschutzbezogenen
Forschungsinvestitionen bei der Erreichung des 3,5-Prozent-Ziels bis 2025
bei, und ist sie der Ansicht, dass eine Erhöhung der
Forschungsinvestitionen von 1,4 Mrd. Euro bis 2024 für klimafreundliche Technologien einen
ausreichenden Beitrag leisten kann?
8. Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung bei der Ausgestaltung
entsprechender Forschungsförderformate für klima- und klimaschutzbezogene
Forschung die Impulse des Hightech-Forums „Wege zum 3,5-Prozent-
Ziel“, insbesondere eines strategischen Stakeholder-Dialogs, der Schaffung
neuer Innovationsformate, wie z. B. Reallabore und der
Nachwuchsförderung (bitte jeweils Beispiele nennen)?
9. In welchem Zusammenhang stehen die angekündigten Mehrinvestitionen
für klima- bzw. klimaschutzbezogene Forschung mit dem von
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek angekündigten „Innovationsprogramm
Klimaschutz“?
10. Warum ist in der Antwort des BMBF auf die Schriftliche Frage 998 des
Abgeordneten Kai Gehring auf Bundestagsdrucksache 19/12120 nicht
mehr die Rede von einem „Innovationsprogramm Klimaschutz“, sondern
einem generellen „Maßnahmenpaket“, und ist mit der veränderten
Bezeichnung eine inhaltliche Neukonzipierung verbunden?
Wenn ja, was ist der Grund für diese Neukonzipierung, und welche
inhaltlichen Konsequenzen hat sie?
11. Warum sollen die Mittel des „Innovationsprogramms Klimaschutz“ im
Bereich „Landwirtschaft“ erst ab 2021 und in den Bereichen „Mobilität“ und
„Finanzwirtschaft“ erst ab 2022 zur Verfügung stehen (vgl. Antwort auf die
Mündliche Frage 42 des Abgeordneten Kai Gehring vom 25. Juni 2019,
Plenarprotokoll 19/106)?
Ab wann sollen die Mittel in den anderen relevanten Sektoren hin zur
klimafreundlichen Transformation zur Verfügung gestellt werden?
12. Warum ist die Zusammenstellung bereits laufender
Forschungsförderprogramme unter einem „Innovationsprogramm Klimaschutz“ Gegenstand
eines regierungsinternen Abstimmungsprozesses (vgl. Antwort der
Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 98 des Abgeordneten Kai Gehring auf
Bundestagsdrucksache 19/12120, obwohl die Haushaltsmittel bereits
bewilligt sind und die Programme bereits laufen?
Welche Ressorts sind Teil dieses Abstimmungsprozesses?
13. Welchen Anteil machen die Ausgaben für Projekte zur Bekämpfung der
Klimakrise innerhalb der Hightech-Strategie der Bundesregierung im Jahr
2019 aus?
Wie hat sich dieses Verhältnis in den vergangenen fünf Jahren entwickelt,
und welcher Anteil ist für 2020 geplant?
14. Welchen Stellenwert werden – neben technischen – ökologische und
soziale Innovationen bei der Förderung klima- bzw. klimaschutzbezogener
Forschung einnehmen, und welches Verständnis von „sozialen und
ökologischen Innovationen“ liegt dem zugrunde?
15. Welche Position vertritt die Bundesregierung in Bezug auf eine eventuelle
Anrechnung des ITER-Budgets auf die Klimaziele der Europäischen Union
(EU), und welchen Wortlaut hat sie als finale Position diesbezüglich an die
EU übermittelt?
16. Misst die Bundesregierung den von Bundesforschungsministerin Anja
Karliczek bei der Vorstellung des Lenkungskreises für die
Wissenschaftsplattform zum Klimaschutzplan 2050 am 7. Juni 2019 genannten Bereichen
„CO2-Vermeidung“, „CO2-Nutzung“ und „CO2-Rückholung aus der
Atmosphäre“ die gleiche Rolle bei der Bewältigung der Klimakrise bei oder
werden ein oder zwei Bereiche prioritär verfolgt?
Wie verteilen sich die im aktuellen Haushalt des BMBF bereitgestellten
Forschungsmittel anteilig auf diese drei Bereiche (ggf. näherungsweise
Angabe)?
17. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Forschung für eine
tiefenschärfere, regional und sektoral präzisere Prognostizierung der Folgen
der Klimakrise bei und sollen entsprechende Forschungsprogramme auch
durch die angekündigten 1,4 Mrd. Euro zusätzlicher Forschungsmittel
finanziert werden?
18. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Forschung zur
Anpassung an die Folgen der Klimakrise bei und sollen entsprechende
Forschungsprogramme auch durch die angekündigten 1,4 Mrd. Euro
zusätzlicher Forschungsmittel finanziert werden?
19. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Forschung zur
Klimakommunikation und der Entwicklung neuer Partizipations- und
Kommunikationsformate, wie beispielsweise Reallaboren bei, und sollen solche
Vorhaben durch die angekündigten 1,4 Mrd. Euro zusätzlicher
Forschungsmittel finanziert werden?
20. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Verzahnung von Klima-
und Nachhaltigkeitsforschung bei, und sollen entsprechende
Forschungsprogramme auch durch die angekündigten 1,4 Mrd. Euro zusätzlicher
Forschungsmittel finanziert werden?
21. Ist angesichts der angekündigten Stärkung der Klimaforschung auch für die
neue Agentur für Sprunginnovationen ein Schwerpunkt auf Innovationen
zur Bekämpfung der Klimakrise geplant?
22. An welchen Sitzungen des sog. Klimakabinetts hat
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bisher teilgenommen, und welche Themen wurden
auf der jeweiligen Sitzung besprochen (bitte mit Angabe der Daten)?
23. An welchen Sitzungen des sog. Klimakabinetts hat
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bisher nicht teilgenommen und ist daraus zu
schlussfolgern, dass bei diesen Sitzungen Forschung, Innovation und
Bildung keine Rolle gespielt haben (bitte mit Angabe der Daten)?
24. Wer entscheidet, ob Bundesforschungsministerin Anja Karliczek an einer
Sitzung des sog. Klimakabinetts teilnimmt?
25. Wie ist die Äußerung von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zu
verstehen, wonach sie sich „im Klimakabinett (…) massiv dafür einsetzen“
werde (dpa-Meldung vom 5. August 2019) die klima- und
klimaschutzbezogene Forschung finanziell zu stärken, obwohl sie kein reguläres Mitglied
des sog. Klimakabinetts ist und das sog. Klimakabinett keine
Haushaltsentscheidungen fällen kann (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf
Bundestagsdrucksache 19/9664)?
26. Bis wann ist mit einer abschließenden Entscheidung über die
angekündigten Forschungsinvestitionen von 1,4 Mrd. Euro zu rechnen?
Wer wird diese Entscheidung fällen, und wann sollen die ersten Mittel
fließen?
Wie wird dabei ausgeschlossen, dass bereits bestehende, reguläre
Förderformate lediglich als klima- bzw. klimaschutzbezogen in ihrer Bezeichnung
umklassifiziert werden, um den Aufwuchs größer erscheinen zu lassen als
er tatsächlich ist?
27. Welches Mandat besitzt der Lenkungskreis für die Wissenschaftsplattform
zum Klimaschutzplan 2050, und wie wird sichergestellt, dass die
Arbeitsergebnisse in die Politik der Bundesregierung einfließen werden, bzw.
inwiefern werden erste Ergebnisse des Lenkungskreises bereits im derzeit
laufenden Arbeitsprozess des sog. Klimakabinetts einfließen?
28. Wann ist das erste Treffen des Lenkungskreises für die
Wissenschaftsplattform angedacht, und in welcher Regelmäßigkeit wird dieser Kreis
zusammen kommen?
Ist der Lenkungskreis an die laufende Wahlperiode geknüpft oder wird er
darüber hinaus tätig sein und sind Bundesministerien im Lenkungskreis
vertreten, und wenn ja, welche?
29. Welche Berichte, Stellungnahmen und vergleichbaren Veröffentlichungen
wird der Lenkungskreis nach derzeitiger Planung veröffentlichen, und
inwiefern werden diese Veröffentlichungen vor der Freigabe durch die
Bundesregierung geprüft und ggf. verändert (bitte mit Datumsangabe)?
Falls eine solche Veränderung erfolgt, inwiefern ist diese für Parlament und
Öffentlichkeit im Nachhinein nachvollziehbar?
30. Inwiefern ist der Lenkungskreis für die Wissenschaftsplattform zum
Klimaschutzplan 2050 an der weiteren Ausgestaltung der klima- und
klimaschutzbezogenen Forschungsförderung des BMBF, insbesondere
hinsichtlich der nun zusätzlich angekündigten Fördermittel beteiligt?
Berlin, den 15. August 2019
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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