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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Der New START-Vertrag und das Engagement der Bundesregierung
(insgesamt 7 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
07.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1337320.09.2019
Der New START-Vertrag und das Engagement der Bundesregierung
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Heike Hänsel, Andrej Hunko, Zaklin Nastic,
Dr. Alexander S. Neu, Eva-Maria Schreiber und der Fraktion DIE LINKE.
Der New START-Vertrag und das Engagement der Bundesregierung
Die USA haben am 1. Februar 2019 den INF-Vertrag (INF = Intermediate
Range Nuclear Forces – nukleare Mittelstreckensysteme) gekündigt. Am 4. März
folgte die formelle Kündigung Russlands. Da bis zum Ablauf der
Kündigungsfrist am 1. August 2019 keine Einigung erzielt wurde, sind beide Seiten durch
keine internationale Rechtsnorm mehr daran gehindert, neue Systeme dieser
Waffenkategorie von landgestützten konventionell wie nuklear bestückbaren
Trägersystemen einzuführen, die mit Reichweiten zwischen 500 bis 5.500 km
vor allem Ziele in Europa bedrohten und diese in Europa oder Asien zu
stationieren (www.swp-ber-lin.org/fileadmin/contents/products/fachpublikationen/
Richter_INF_Vertrag_APuZ_26.04.2019.pdf).
Nach seinen Gesprächen mit dem US-Präsidenten Donald Trump beim G20-
Gipfel in Osaka/Japan (28./29. Juni 2019) sagte der Präsident Russlands,
Wladimir Putin, dass es an der Zeit sei, die für beide Seiten unbefriedigenden
Spannungen zu beenden und ein neues Kapitel in den Beziehungen aufzuschlagen.
Putin hat Trump für den 9. Mai 2020 zu den Feiern zum 75. Jahrestag des
Endes des Weltkrieges nach Moskau eingeladen (dpa vom 29. Juni 2019). Darüber
hinaus haben beide Präsidenten bekräftigt, dass sie sich um eine Verlängerung
des 2021 auslaufenden New START-Vertrags (START = Strategic Arms
Reduction Treaty) zur Begrenzung strategischer Atomwaffen bemühen wollen, und
die Außenminister ihrer Länder damit beauftragt, die Konsultationen dazu zu
beginnen (dpa vom 3. Juli 2019). New START baut auf dem INF-Vertrag auf,
die Reichweiten der darin erfassten Raketen schließen direkt an.
Russland äußerte wiederholt Interesse an einer Verlängerung von New START
(dpa vom 15. Mai 2019). Dieser war von den damaligen Präsidenten der USA
und Russlands, Barack Obama und Dmitri Medwedew, 2010 unterzeichnet
worden. Er sieht vor, bis Februar 2018 die Zahl der dislozierten, strategischen
nuklearen Gefechtsköpfe auf je 1.550 und jene der Trägersysteme auf maximal
je 800 zu reduzieren, darunter je 100 als strategische Reserve. Als Träger sind
strategische Raketen mit Reichweiten über 5.550 km, U-Boot-gestützte
Raketen sowie strategische Bomber definiert. Der Vertrag selber, dessen Laufzeit
2021 endet, sieht die Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung um fünf Jahre
vor (Bundestagsdrucksache 19/1380, S. 19).
Der russische Präsident hatte immer wieder vor einem zügellosen atomaren
Wettrüsten gewarnt, sollte auch dieser letzte große Abrüstungsvertrag enden
(dpa vom 29. Juli 2019). Sollte er nicht verlängert werden, „wird es überhaupt
keine Instrumente mehr geben, die den Rüstungswettlauf einschränken“. Auch
wundere sich Putin laut Medienberichten, dass die ganze Welt tatenlos und
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13373
19. Wahlperiode 20.09.2019
schweigend zusehe, wie die Errungenschaften der Vergangenheit gefährdet
würden. Wenn niemand an einer Verlängerung des zwischen den USA und
Russland geschlossenen Abkommens interessiert sei, dann sei es sein Land
auch nicht, soll Putin gesagt haben. „Wir haben schon hundert Mal gesagt, dass
wir bereit sind, aber niemand verhandelt mit uns.“ (dpa vom 6. Juni 2019).
Nach Meinung von Militärexperten rennt beiden Seiten die Zeit davon, weil in
den USA im kommenden Jahr ein neuer Präsident gewählt wird und das Land
dann eher mit innenpolitischen Fragen beschäftigt sein dürfte. Es gebe ein
plötzliches Interesse an der strategischen Sicherheit, schrieb Andrej Baklanow,
Vizechef der Vereinigung russischer Diplomaten, in der Moskauer Zeitung
„Kommersant“ laut Medienberichten. Danach sei es durchaus denkbar, das
Abkommen um fünf Jahre bis 2026 zu verlängern (dpa vom 14. Mai 2019).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Mit welchen konkreten Vorschlägen und Initiativen hat sich die
Bundesregierung seit 2017 gegenüber Russland und den USA für den Erhalt und die
Fortschreibung der zentralen amerikanisch-russischen Abmachung im
strategischen Bereich, dem New START-Vertrag, stark gemacht, vor dem
Hintergrund, dass dieser aus Sicht der Bundesregierung im deutschen und
europäischen Sicherheitsinteresse ist, weil er die Zahl einsatzbereiter strategischer
Nuklearwaffen begrenzt und durch sein gut funktionierendes
Verifikationssystem ein hohes Maß an Transparenz und Sicherheit schafft
(Jahresabrüstungsbericht 2018, S. 9 f.)?
2. Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse (auch
nachrichtendienstliche), dass es den USA und insbesondere dem US-amerikanischen
Präsidenten an Bereitschaft mangelt, das New START-Abkommen zu verlängern, vor
dem Hintergrund, dass Donald Trump besorgt sei, die USA könnten nuklear
hinter andere Nuklearwaffenstaaten zurückfallen, obwohl sie das „Rudel“
der Atomwaffenstaaten „anführen“ sollten (www.swp-berlin.org/kurz-ge
sagt/usa-russland-erfolgskonzept-new-start-fortfuehren/)?
3. Inwieweit teilt die Bundesregierung nach ihrer Kenntnis, dass das mit der
russischen Regierung geschlossene Abkommen New START ein schlechtes
Geschäft für die USA (www.merkur.de/politik/trump-will-us-atomwaffenar
senal-ausbauen-zr-7431821.html) und ein „einseitiges Abkommen“ sei
(www.swp-berlin.org/kurz-gesagt/usa-russland-erfolgskonzept-new-
startfortfuehren/)?
4. Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse, dass sich Russland schon
2017 bereit erklärt hat, über eine Verlängerung von New START zu reden,
die USA aber nicht darauf eingegangen sind, und damit unklar ist, wie groß
die Bereitschaft Russlands zu einer Fortschreibung existierender
Begrenzungen tatsächlich ist (www.swp-berlin.org/kurz-gesagt/usa-russland-erfolgs
konzept-new-start-fortfuehren/)?
5. Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass New START nur die
tatsächlich stationierten Sprengköpfe erfasst, sodass sowohl Russland als
auch die USA eine unbegrenzte Anzahl weiterer Waffen in Reserve halten
können, einer Möglichkeit, von der insbesondere die USA Gebrauch
machen (www.swp-berlin.org/kurz-gesagt/usa-russland-erfolgskonzept-
newstart-fortfuehren/)?
6. Inwieweit hat die Bundesregierung Kenntnisse, dass Russland bereits im
Oktober 2018 den USA einen Vorschlag zu einer gemeinsamen Erklärung
über die „Unzulässigkeit“ des Atomkriegs und die Anerkennung seiner
zerstörerischen Folgen unterbreitet hat, den die USA bis dato unbeantwortet
gelassen haben (www.corriere.it/esteri/19_luglio_04/putin-ready-to-talk-
tot h e - u s - c o n s t a n t - c o n t a c t - w i t h - s a l v i n i - s - l e a g u e -
157f245e-9dec-11e9-9326-3d0a58e59695.shtml?refresh_ce-cp), und wenn
ja, würde die Bundesregierung auf die Annahme einer solchen Erklärung
diplomatisch hinwirken?
7. Mit welchen konkreten Vorschlägen und Initiativen hat sich die
Bundesregierung gegenüber Russland und den USA für die Ausarbeitung und
Annahme einer neuen strategischen Vereinbarung als Nachfolge des New
START-Abkommens eingesetzt bzw. wird sie sich dafür einsetzen – eine
Option, die nach Medienberichten zuletzt vom russischen Präsidenten Putin
ausdrücklich in Aussicht gestellt wurde (www.corriere.it/esteri/19_lug
lio_04/putin-ready-to-talk-to-the-us-constant-contact-with-salvini-s-
league-157f245e-9dec-11e9-9326-3d0a58e59695.shtml?refresh_ce-cp)?
Berlin, den 26. August 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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