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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Arbeitsbedingungen in der Seeschifffahrt
(insgesamt 24 Einzelfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Datum
10.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1352325.09.2019
Arbeitsbedingungen in der Seeschifffahrt
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jutta Krellmann, Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald,
Jörg Cezanne, Fabio De Masi, Klaus Ernst, Sylvia Gabelmann, Kerstin Kassner,
Dr. Achim Kessler, Katja Kipping, Pascal Meiser, Cornelia Möhring,
Bernd Riexinger, Dr. Kirsten Tackmann, Jessica Tatti, Harald Weinberg,
Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Arbeitsbedingungen in der Seeschifffahrt
Trotz der langjährigen Krise in der Seeschifffahrt gehören deutsche Reedereien
auch heute noch zu den führenden im internationalen Vergleich. So besitzen sie
die größte Flotte an Containerschiffen und sind weltweit auf Rang 5 mit ihrer
gesamten Flotte (https://kurzelinks.de/sudn). Auswirkungen zeigt die Krise
hauptsächlich bei deutschen und europäischen Seeleuten. So entscheiden sich
seit Jahren immer mehr deutsche Reedereien hin zu fremder Flagge. Diese
Entwicklung führt dazu, dass bei immer weniger Seeleuten auf deutschen Schiffen
Löhne und Arbeitsbedingungen durch einen Mantel- und Heuertarifvertrag See
geregelt sind und das Betriebsverfassungsgesetz bei ihnen keine Anwendung
findet.
Um das maritime Know-how und die deutsche Seeschifffahrt langfristig zu
sichern, verfolgen die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen von CDU,
CSU und SPD seit Jahren die Strategie, die Reeder mittels
Steuervergünstigungen und Subventionen in der deutschen Flagge zu halten. Weitere Maßnahmen
erfolgten durch die Änderung der Schiffbesetzungsverordnung (SchBesV),
womit die Besatzung von vier auf zwei halbiert wurde. Damit besteht nur noch die
Verpflichtung, die Arbeitsplätze des Kapitäns und eines Offiziers durch einen
Unionsbürger zu besetzen. Ziel der Verordnung ist es, durch die Reduzierung
von europäischem Personal die Besatzungskosten zu senken und damit die
Wettbewerbsfähigkeit von Seeschiffen unter deutscher Flagge gegenüber denen
unter anderen Flaggen zu erhöhen (vgl. www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Arti
kel/WS/aenderung-schiffsbesetzungsverordnung.html; www.buzer.de/gesetz/
10819/l.htm).
Es ist aus Sicht der Fragesteller deshalb an der Zeit, die Bundesregierung zu
befragen, wie es um die Arbeitsbedingungen in der Seeschifffahrt steht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch belaufen sich nach Kenntnisstand der Bundesregierung die
gesamten Gewinne (vor und nach Steuern) in der deutschen
Seeschifffahrtsbranche in den letzten zehn Jahren (bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach
Handels- und Kreuzschifffahrt differenzieren)?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13523
19. Wahlperiode 25.09.2019
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Schiffe im
deutschen Eigentum in den letzten zehn Jahren verändert (bitte nach den
Kategorien unter deutscher Flagge, davon im Internationalen
Seeschifffahrtsregister – ISR – und unter fremder Flagge aufschlüsseln; bitte jährlich
aufschlüsseln; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt differenzieren)?
3. Wie viele Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten zehn Jahren auf Schiffen in deutschem Eigentum tätig gewesen
(bitte nach den Kategorien unter deutscher Flagge, davon im
Internationalen Seeschifffahrtsregister – ISR – und unter fremder Flagge aufschlüsseln;
bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt
differenzieren)?
4. Auf welche Höhe beläuft sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Summe der Subventionen der Lohnkosten für die Seeschifffahrtsbranche,
der Steuervergünstigungen (Tonnagesteuer, Lohnsteuereinbehalt,
Ausbildungsplatzförderungen des Bundes und der Stiftung Schifffahrtsstandort
Deutschland und die Befreiung von Erlöspools aus der
Versicherungssteuer) in den letzten zehn Jahren (bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach
Handels- und Kreuzschifffahrt differenzieren)?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die Subventionen und
Steuervergünstigungen aus Frage 4, die nicht nur der kriselnden Handelsschifffahrt,
sondern auch der erfolgreichen Kreuzschifffahrt ermöglicht werden?
6. Welche Erkenntnis hat die Bundesregierung über die gesamten
Personalkosten der Seeleute bezogen auf die Gesamtkosten für die deutsche
Seeschifffahrt (bitte nach den Kategorien unter deutscher Flagge, davon im
Internationalen Seeschifffahrtsregister – ISR – und unter fremder Flagge
aufschlüsseln; bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach Handels- und
Kreuzschifffahrt differenzieren)?
7. Wie viele Auszubildende hat es nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten zehn Jahren in der Seeschifffahrt in Deutschland gegeben (bitte
nach Jahr und Hochschule aufschlüsseln, bitte nach Studien- und
Ausbildungsgang aufschlüsseln)?
8. Wie viele in der Seeschifffahrt tätige Reedereien haben nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren auf ihren Schiffen ausgebildet
(bitte nach Jahr und ausbildender Reederei aufschlüsseln)?
9. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl und der
Anteil der Seefahrtsschulen, die in den letzten zehn Jahren ihre Tätigkeit
eingestellt haben (bitte jährlich aufschlüsseln)?
10. Wie soll nach Auffassung der Bundesregierung der Fortbestand der
Seefahrtsschulen gesichert werden?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Fachkräftemangel
in der deutschen Seeschifffahrt in den vergangenen zehn Jahren, und als
wie hoch schätzt sie den Fachkräftemangel in den kommenden zehn Jahren
ein (bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt
differenzieren)?
12. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die Anzahl und
der Anteil der Erwerbstätigen, die mit und ohne Sachgrund befristet bzw.
unbefristet in der deutschen Seeschifffahrt beschäftigt sind (bitte die jüngst
verfügbaren Daten angeben sowie jeweils die vergangenen zehn Jahre
darstellen; bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach Handels- und
Kreuzschifffahrt differenzieren)?
13. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die Anzahl und
der Anteil der Erwerbstätigen mit befristeten Arbeitsverträgen bezogen auf
die Neueinstellungen in der deutschen Seeschifffahrt in den vergangenen
zehn Jahren, und wie hoch war jeweils die Übernahmequote in ein
unbefristetes Arbeitsverhältnis (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben
sowie jeweils die vergangenen zehn Jahre darstellen; bitte jährlich
aufschlüsseln; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt differenzieren)?
14. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die Anzahl und
der Anteil der geringfügig Beschäftigten in der deutschen Seeschifffahrt in
den vergangenen zehn Jahren, und welcher Anteil davon hat aufstockende
Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) in
Anspruch genommen (bitte jährlich aufschlüsseln; bitte nach Handels- und
Kreuzschifffahrt differenzieren)?
15. Wie hoch beliefen sich nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt die
Kosten für aufstockende Leistungen nach dem SGB II für Beschäftigte der
deutschen Seeschifffahrt in den letzten zehn Jahren (bitte jährlich
aufschlüsseln; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt differenzieren)?
16. Wie viele Leiharbeitskräfte waren und sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in der deutschen Seeschifffahrt in den letzten zehn Jahren tätig
(bitte jährlich aufschlüsseln sowie in absoluten Zahlen und in anteiligen
Werten differenziert ausweisen; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt
differenzieren)?
17. Wie viele Leiharbeitsverhältnisse waren und sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in der deutschen Seeschifffahrt nach weniger als drei
Monaten, nach mehr als drei Monaten und nach mehr als neun Monaten
beendet (bitte die jüngst verfügbaren Daten angeben sowie in absoluten Zahlen
und in anteiligen Werten angeben; bitte nach Handels- und Kreuzschifffahrt
differenzieren)?
18. Wie erklärt sich die Bundesregierung die Tatsache, dass es seit dem
Bundestagsbeschluss einer Erhöhung des Lohnsteuereinbehalts von 40 Prozent
auf 100 Prozent am 28. Januar 2016 keine Zunahme von Schiffen unter
deutscher Flagge gegeben hat (vgl. www.bundesregierung.de/breg-de/
aktuelles/deutsche-seeschifffahrt-staerken-407886 sowie www.bsh.de/DE/
THEMEN/Schifffahrt/Deutsche_Handelsflotte/_Anlagen/Downloads/
Statistik-Deutsche-Handelsflotte.pdf?__blob=publicationFile&v=12)?
19. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils die
durchschnittliche tarifliche und tatsächliche Arbeitszeit von Beschäftigten in der
deutschen Seeschifffahrt (ohne Auszubildende), und wie stellt sich diese im
Vergleich zur Gesamtwirtschaft dar (bitte die letzten zehn Jahre darstellen;
bitte in absoluten Zahlen und in anteiligen Werten darstellen und nach
Staatsangehörigkeit und Tarifgebundenheit differenziert darstellen)?
20. Wie hat sich die durchschnittliche Heuer (Heuertarifvertag See) nach
Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte
die jüngst verfügbaren Daten angeben und jährlich darstellen)?
21. In welchen Bereichen finden nach Kenntnis der Bundesregierung
Besatzungsmitglieder deutscher Seeschifffahrten nach dem Ausscheiden aus der
Seeschifffahrt eine Neueinstellung (bitte nach Studien- und
Ausbildungsgang aufschlüsseln)?
22. Plant die Bundesregierung, zur Wiederbelebung des Maritimen Bündnisses
die Gewerkschaft ver.di zurückzugewinnen (vgl. www.verdi.de/themen/
nachrichten/++co++63cc80fe-3a10-11e6-9c14-52540077a3af)?
23. Welche Mindestgröße haben nach Kenntnis der Bundesregierung die
Quartierräume der Besatzungen auf Seeschiffen?
24. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über eine soziale Isolation von
Besatzungsmitgliedern an Bord von Seeschiffen (vgl. www.deutsche-flag
ge.de/de/aktuelles/nachrichten-archiv/nachrichten-2018/der-mythos-
destrinkenden-seemanns)?
Berlin, den 5. September 2019
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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