Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Konsequenzen aus der Kostenentwicklung im Zusammenhang mit der Sanierung des Pergamonmuseums
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Datum
11.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1365327.09.2019
Konsequenzen aus der Kostenentwicklung im Zusammenhang mit der Sanierung des Pergamonmuseums
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming,
Thomas Ehrhorn und der Fraktion der AfD
Konsequenzen aus der Kostenentwicklung im Zusammenhang mit der Sanierung
des Pergamonmuseums
Anfang Mai 2019 fand das Richtfest für den ersten Bauabschnitt der
Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums statt. Damit konnte mit
mehrjähriger Verspätung der Rohbau des Bauabschnitts A abgeschlossen
werden (www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article217089083/Nach-sechsjaehriger-
Bauzeit-Richtfest-fuer-das-Pergamonmuseum.html).
Der Arbeiten am ersten Bauabschnitt sollen sich nach Auskunft der
Bundesregierung noch bis Mitte 2023 oder Anfang 2025 erstrecken (www.bbr .
bund.de/BBR/DE/BBR/Presse/Pressemitteilungen/2019/190429_PMU_Richt
fest.html;jsessionid=B58D70AB0B85C18FBC663278EA54EC1D.live11292).
Ende Oktober 2016 teilte das Bundesministerium des Innern, für Bau und
Heimat mit, dass der erste Sanierungsabschnitt des Pergamonmuseums statt
261 Mio. bis zu 477 Mio. Euro kosten werde. Begründet wurden die nach
Ansicht der Fragesteller exorbitanten Mehrkosten mit einer „unerwarteten
Entdeckung“. Es gebe im Untergrund des Museums „zwei Pumpwerke mit
außerordentlicher Dimension“ (www.morgenpost.de/berlin/article208610063/Perga
monmuseum-wird-teurer-und-deutlich-spaeter-fertig.html), die den Weiterbau
deutlich erschweren würden. Diese Pumpenhäuser, die die Baugrube einst vom
Grundwasser entleert hätten, würden noch aus der Errichtungszeit des
Pergamonmuseums stammen und seien nicht wieder vollständig abgebaut worden.
Die notwendige, aufwändige Demontage dieser Pumpenhäuser und die damit
verbundene Bauverzögerung würden das Projekt nachhaltig verteuern; hinzu
kämen nach Medienberichten „ein unfähiger Fachplaner, schwieriger Baugrund
und Probleme mit der Baugrubenfirma“ (www.deutschlandfunkkultur.de/perga
monmuseum-wie-122-millionen-euro-mehrkosten-zustande.1013.de.html?
dram:article_id=371098).
Nach dem jetzigen Stand der Dinge wird der erste Sanierungsabschnitt des
Pergamonmuseums damit um 216 Mio. Euro teurer als geplant. Die Fertigstellung
verzögert sich um vier oder sogar sechs Jahre (2023 bis 2025: www.preussi
scher-kulturbesitz.de/pressemitteilung/article/2019/05/3/pressemeldung-ein-
kleiner-tempel-fuer-das-pergamonmuseum.html).
Aus Sicht der Fragesteller ergibt sich aus diesem Befund und der hiermit
verbundenen exorbitanten Kostensteigerung die Frage, ob, und ggf. inwieweit vor
Aufnahme der Arbeiten mit Blick auf den Baugrund baugutachterliche
Expertisen auf der Basis digitaler Methoden zur Erkundung der Bodenbeschaffung
(wie z. B. 3-D-Bodenscanner) eingeholt wurden, die womöglich frühzeitig auf
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13653
19. Wahlperiode 27.09.2019
die „unerwarteten Entdeckungen“ im Baugrund hätten aufmerksam machen
können (www.morgenpost.de/berlin/article208610063/Pergamonmuseum-wird-
teurer-und-deutlich-spaeter-fertig.html).
Im Weiteren stellt sich die Frage, inwieweit aus der Kritik des Präsidenten der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), Prof. Dr. Hermann Parzinger, seitens
des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung bzw.des
Bundesbauministeriums bisher Konsequenzen gezogen wurden. Der Stiftungspräsident hatte Ende
Oktober 2016 „deutlich verbesserte Vorsorgeuntersuchungen“ und „erheblich
optimierte Zwischenkontrollen“ angemahnt, um künftig ähnliche
Fehlentwicklungen zu vermeiden (www.morgenpost.de/berlin/article208621647/Parzinger-
kritisiert-Kostenexplosion-beim-Pergamonmuseum.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob vor Aufnahme der
Bauarbeiten zur Sanierung des Pergamonmuseums im Jahr 2012 mit Blick auf die
anstehenden Tiefbaumaßnahmen Baugrundgutachten in Auftrag gegeben
wurden?
a) Falls ja, welche wesentlichen Ergebnisse erbrachten diese
Baugrundgutachten?
b) Falls nein, warum hat die Bundesregierung keine Kenntnisse darüber?
2. Kamen vor dem Hintergrund der besonderen geologischen Lage der
Museumsinsel nach Kenntnis der Bundesregierung digitale Methoden (wie z. B.
3-D-Bodenscanner) zum Einsatz?
a) Falls ja, welche Erkenntnisse erbrachte der Einsatz dieser Methoden?
b) Falls nein, hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, warum keine
digitalen Methoden zum Einsatz kamen?
Was besagen diese Kenntnisse?
3. Wie bewertet die Bundesregierung mit Blick auf die Kostensteigerungen bei
der Sanierung des Pergamonmuseums vom heutigen Standpunkt aus
gesehen ihre Aussage, die aus Sicht der Fragesteller als Eingeständnis zu werten
ist, „auf ausgedehnte Voruntersuchungen des Baugrundes durch
Rammbohrungen“ „vor Beginn der Sanierungsarbeiten aus Rücksicht auf den
laufenden Museumsbetrieb verzichtet“ zu haben (www.bbr .bund .de /
BBR/DE/BBR/Presse/Pressemitteilungen/2016/16110_pm_presserundgang-
pmu.html)?
4. Stimmt die Bundesregierung der Einschätzung der Fragesteller zu, dass der
Verzicht auf „ausgedehnte Voruntersuchungen des Baugrundes“ mit Blick
auf die Kostenentwicklung aus heutiger Sicht ein bedeutendes Versäumnis
darstellt?
a) Falls ja, welche Konsequenzen hat die Bundesregierung aus dieser
Erkenntnis gezogen?
b) Falls nein, warum stimmt die Bundesregierung dem Befund nicht zu?
5. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob, und inwieweit zu erwartende
Unwägbarkeiten bei der Baugrunderschließung und damit zu erwartende
Mehrkosten in Form von Risikorücklagen budgetiert wurden?
a) Falls ja, wie hoch nehmen sich diese Risikorücklagen im Budget aus?
b) Falls nein, warum wurden keine Risikorücklagen budgetiert?
6. Wie hoch waren die Mehrkosten, die im Zusammenhang mit der Demontage
der Überreste zweier im Vorfeld nicht identifizierter „Pumpwerke mit
außerordentlicher Dimension“ (www.morgenpost.de/berlin/article208610063/
Pergamonmuseum-wird-teurer-und-deutlich-spaeter-fertig.html) entstanden
sind?
Wie viel Zeit erforderte deren Demontage?
7. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, welcher Art die Probleme
waren, die im Zusammenhang mit der „Baugrubenfirma“ entstanden sind
(www.deutschlandfunkkultur.de/pergamonmuseum-wie-122-millionen-
euro-mehrkosten-zustande.1013.de.html?dram:article_id=371098)?
a) Konnten diese Probleme mittlerweile behoben werden?
b) Falls nein, warum hat die Bundesregierung keine Kenntnisse darüber?
8. Welcher Art waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Fehlleistungen,
die nach Medienberichten einem „unfähigen Fachplaner“ angelastet werden
müssen (www.deutschlandfunkkultur.de/pergamonmuseum-wie-122-millio
nen-euro-mehrkosten-zustande.1013.de.html?dram:article_id=371098)?
Welche Konsequenzen wurden im Hinblick auf diesen Fachplaner gezogen?
9. Welche Konsequenzen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
aufgrund der Feststellung des SPK-Präsidenten bisher gezogen, dass es
„erheblich optimierte[r] Zwischenkontrollen“ des Bundesbauamtes bedürfe, um
künftig ähnliche Fehlentwicklungen zu vermeiden (www.morgenpost.de/
berlin/article208621647/Parzinger-kritisiert-Kostenexplosion-beim-Perga
monmuseum.html)?
a) Falls Konsequenzen gezogen wurden, welcher Art waren diese
Konsequenzen?
b) Falls nein, warum wurden bisher keine Konsequenzen gezogen?
Berlin, den 19. August 2019
Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Huaier-Granulat (Trametes robiniophila, "Huaier") zwischen Krebsbegleittherapie in China und Nahrungsergänzungsmittelmarkt in Europa - Einordnung, Überwachung und Forschungsbedarf
AfD22.04.2026
Umsetzung und Auswirkungen neuer EU-Regelungen für Start-ups in Deutschland
AfD20.04.2026
Transparenz von Fehlanreizen der Pflegebudgets im Krankenhauswesen
AfD23.04.2026
Transparenz bei der Vergabe von Kindertherapieplätzen
AfD22.04.2026