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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Import und heimischer Anbau von Eiweißpflanzen: Strategien gegen die Eiweißlücke

(insgesamt 17 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

25.10.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1383509.10.2019

Import und heimischer Anbau von Eiweißpflanzen: Strategien gegen die Eiweißlücke

der Abgeordneten Carina Konrad, Frank Sitta, Dr. Gero Clemens Hocker, Karlheinz Busen, Nicole Bauer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Torsten Herbst, Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Daniela Kluckert, Konstantin Kuhle, Michael Georg Link, Dr. Martin Neumann, Dr. Wieland Schinnenburg, Judith Skudelny, Katja Suding, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Der Frage nach der Zukunft der optimalen Versorgung mit Eiweißfuttermitteln kommt vor dem Hintergrund der modernen und leistungsfähigen Tierproduktion in Deutschland große Bedeutung zu. Die Versorgung mit hochwertigen Futtermitteln ist für eine tiergerechte und dem Bedarf angepasste Eiweißversorgung unerlässlich. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist vereinbart, dass die Attraktivität des Anbaus von Eiweißpflanzen im Rahmen der Weiterentwicklung der sogenannten nationalen „Eiweißpflanzenstrategie“ erhöht werden soll (www.bundesregierung.de/breg-de/themen/koalitionsvertragzwischen-cdu-csu-und-spd-195906).

Vor allem Raps gilt ökologisch und ökonomisch als wertvolle in Deutschland und Europa angebaute Eiweißpflanze. So liefert die Pflanze in Form von Rapsschrot und Rapsöl hochwertige Futtermittel und Komponenten für die menschliche Ernährung. Zudem leistet die Blattfrucht Raps mit ihrem hohen Vorfruchtwert für nachfolgende Kulturen und als Bienentracht einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.

Auch der Anbau von Leguminosen (Hülsenfrüchten) kann dazu beitragen, die Eiweißversorgung mit heimischen Erzeugnissen zu decken und somit weitere Abhängigkeiten von Eiweißfuttermittel-Importen verringern. Gerade vor dem Hintergrund der Debatten um die Importe von Eiweißfuttermitteln mit Regenwaldrodungen und geringeren Umweltstandards in den Produktionsländern bedarf es nach Ansicht der Fragesteller einer genauen Analyse, ob die Strategie der Bundesregierung und die bisher angestoßenen Maßnahmen ausreichend und wirkungsvoll sind, um zukünftig den Anteil an heimisch erzeugten Eiweißpflanze zu erhöhen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen17

1

Wie veränderte sich der Selbstversorgungsgrad mit Protein aus Eiweißfuttermitteln nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der letzten zehn Jahre in Deutschland?

2

Wie veränderte sich die nach Deutschland importierte Menge an Eiweißfuttermitteln in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte nach Futtermittel und jeweiligem Ursprungsland angeben)?

3

Worin sieht die Bundesregierung die wesentlichen Gründe und Risiken der sogenannten Eiweißlücke, also einem niedrigen Selbstversorgungsgrad an Eiweißfuttermitteln in Deutschland?

4

Mit welchen pflanzlichen Agrarrohstoffen wird der Bedarf an Protein aus Eiweißfuttermitteln in Deutschland derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung gedeckt? Welchen Anteil nehmen dabei im Inland produzierte Eiweißfuttermittel nach Kenntnis der Bundesregierung ein (bitte nach jeweiliger pflanzlicher Proteinquelle angeben)?

5

Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, um die Eisweißlücke aus pflanzlichen Quellen zu schließen, und wie schätzt die Bundesregierung die Wirtschaftlichkeit und die Förderwürdigkeit der einzelnen Alternativen ein?

6

Welche Bedeutung kommt dem heimischen Rapsanbau zur Sicherung der Versorgung mit Eiweißfuttermitteln nach Einschätzung der Bundesregierung zu?

7

Welche Bedeutung kommt dem heimischen Rapsanbau im Hinblick auf dessen Leistungen für die biologische Vielfalt in der Fruchtfolge zu?

8

Wie entwickelten sich die in Deutschland geerntete Menge an Raps sowie die Rapsanbaufläche und die daraus resultierenden durchschnittlichen Rapserträge innerhalb der letzten zehn Jahre?

9

Wie bewertet die Bundesregierung den Ackerbaustandort Deutschland für den Anbau von Raps hinsichtlich der Flächeneffizienz und des möglichen Ertrages?

10

Wie bewertet die Bundesregierung die verringerte Rapsanbaufläche in Bezug auf das Nahrungsangebot von Bienen? Geht die Bundesregierung im Zuge der verminderten Rapsanbaufläche von einem Rückgang der Honigproduktion in Deutschland, vor allem von Rapsblütenhonig, aus?

11

Wie bewertet die Bundesregierung die Nutzungsverbote von verschiedenen Pflanzenschutzmitteln bei Raps (wie etwa dem Verbot der Neonicotinoid-Beize), und sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Rapsanbaufläche und den Pflanzenschutzmittelverboten?

12

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um dem Rückgang der Rapsanbaufläche entgegenzuwirken?

13

Plant die Bundesregierung, die erlassenen Nutzungsverbote von Pflanzenschutzmitteln bei Raps neu zu bewerten?

14

Welche alternativen Wirkstoffe und Pflanzenschutzmaßnahmen zur verbotenen Neonicotiniod-Beize bei Raps werden seit deren Nutzungsverbot von Landwirten vornehmlich angewendet?

15

Welche Potenziale sieht die Bundesregierung darin, die Eiweißlücke durch nichtpflanzliche Quellen, wie z. B. Insektenprotein, zu schließen, und welche Vorteile ergeben sich daraus?

16

Wird sich die Bundesregierung für eine Freigabe von Insekten als Nutztierfutter einsetzen, und falls ja, ab wann rechnet die Bundesregierung mit einer Genehmigung zum Einsatz von Insektenprotein als Nutztierfutterquelle?

17

Wie veränderte sich der Selbstversorgungsgrad mit Protein aus Eiweißfuttermitteln nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der letzten zehn Jahre in der Europäischen Union (EU)?

Berlin, den 25. September 2019

Christian Lindner und Fraktion

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