Folgen des ökologischen Landbaus
der Abgeordneten Stephan Protschka, Verena Hartmann, Wilhelm von Gottberg, Johannes Huber, Enrico Komning, Sebastian Münzenmaier und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Der ökologische Landbau wird als besonders ressourcenschonendes und umweltverträgliches Landnutzungssystem betrachtet, welches sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientiert (vgl. Sanders, J. & Hess, J. (eds.), 2019, Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Thünen Report 65). Aus diesem Grunde wird der ökologische Landbau in der Bundesrepublik Deutschland politisch besonders gefördert. Dabei ist das „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)“ mit einem jährlichen Bundeshaushaltsbudget von 30 Mio. Euro das wichtigste Finanzierungsinstrument (vgl. www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Oekolandbau/oekolandbau_node.html, zuletzt abgerufen am 27. Juni 2019).
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der ökologischen Anbaufläche bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland auszuweiten (vgl. www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Oekolandbau/oekolandbau_node.html, zuletzt abgerufen am 27. Juni 2019).
Da die Erträge im ökologischen Landbau allerdings geringer sind als in der konventionellen Landwirtschaft, ist mehr Fläche nötig, um die gleiche Menge Nahrung zu produzieren (vgl. www.bmel.de/DE/Bundesministerium/Organisation/Beiraete/_Texte1/NutzungBiomasseEnergiegewinnung.html, zuletzt abgerufen am 27. Juni 2019). Das kann dazu beitragen, dass es durch die nationale Ausweitung des ökologischen Landbaus zu globalen Zielkonflikten mit Umweltschutz und Biodiversität kommt (vgl. Searchinger, T. D. & Wirsenius, S. & Beringer, T. & Dumas, P., 2018, Assessing the efficiency of changes in land use for mitigating climate change. Naturevolume 564, S. 249–264).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Um wie viel größer ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Flächenverbrauch in der ökologischen Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft aufgrund der Ertragslücke (Quellen siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
Wie positioniert sich die Bundesregierung hinsichtlich der Einschätzung des Weltklimarates (IPPC), nach der Habitatverlust, neben invasiven Spezies und Raubbau, einer der Hauptgründe für das Artensterben ist (Cahill, A. E. & Aiello-Lammens, M. E. & Fisher-Reid, M. C. & Hua, X. & Karanewsky, C. J. & Ryu, H. Y. & Sbeglia, G. C. & Spagnolo, F. & Waldron, J. B. & Warsi, O. & Wiens, J. J., 2013, How does climate change cause extinction? Proceedings Biological Sciences 280 (1750); Cramer, W. & Yohe, G. W. & Auffhammer, M. & Huggel, C. & Molau, U. & da Silva Dias, M. A. F. & Solow, A. & Stone, D. A. & Tibig, L., 2014, Detection and attribution of observed impacts. In: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Part A: Global and Sectoral Aspects. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Field, C.B. & Barros, V. R. & Dokken, D. J. & Mach, K. J. & Mastrandrea, M. D. & Bilir, T. E. & Chatterjee, M. & Ebi, K. L. & Estrada, Y. O. & Genova, R. C. & Girma, B. & Kissel, E. S. & Levy, A. N. & MacCracken, S. & Mastrandrea, P. R. & White, L. L. (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, S. 990)?
a) Wie positioniert sich die Bundesregierung hinsichtlich der Einschätzung des Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), nach der Landnutzungsänderungen einer der Hauptgründe für das Artensterben ist (Díaz, S. & Settele, J. & Brondízio, E. & Ngo, H. T. & Guèze, M. & Agard, J. & Arneth, A. & Balvanera, P. & Brauman, K. & Butchart, S. & Chan, K. & Garibaldi, L. & Ichii, K. & Liu, J. & Subramanian, S. M. & Midgley, G. & Miloslavich, P. & Molnár, Z. & Obura, D. & Pfaff, A. & Polasky, S. & Purvis, A. & Razzaque, J. & Reyers, B. & Chowdhury, R. R. & Shin, Y.-J. & Visseren-Hamakers, I. & Willis, K. & Zayas, C., 2019, Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. – zuletzt abgerufen am 27. Juni 2019, www.ufz.de/export/data/2/228052_spm_unedited_advance_for_posting_htn.pdf)?
b) Welche potentiellen Schlussfolgerungen leitet die Bundesregierung aus diesen Studienergebnissen des IPPC und des IPBES ab, und welche konkreten Maßnahmen sind von Seiten der Bundesregierung diesbezüglich geplant?
Wie groß ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Schadstoffbelastung je Ertragseinheit in der ökologischen Landwirtschaft?
Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, inwiefern Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft förderlicher für die menschliche Gesundheit sind als Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft?
Wie bewertet die Bundesregierung die Studienergebnisse von Searchinger et al., nach denen die Erzeugung von ökologischen Lebensmitteln zu erheblich höheren Emissionen führen kann als die der konventionelle Landwirtschaft (Searchinger, T. D. & Wirsenius, S. & Beringer, T. & Dumas, P., 2018, Assessing the efficiency of changes in land use for mitigating climate change. Naturevolume 564, S. 249–264)?
a) Wie groß sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Treibhausgas-Opportunitätskosten (v. a. CO2-Opportunitätskosten) in der ökologischen Landwirtschaft?
b) Welche potentiellen Schlussfolgerungen leitet die Bundesregierung aus diesen Studienergebnissen ab, und welche konkreten Maßnahmen werden diesbezüglich erwogen?
In welchem Maße (prozentual) wird nach Einschätzung der Bundesregierung der globale Nahrungsmittelbedarf bis 2050 im Vergleich zu heute voraussichtlich wachsen?
Wie hoch sind die Fördermittel für den ökologischen Landbau (bitte nach Fördermitteln von EU, Bund, Ländern aufschlüsseln)?
Wie ist es nach Kenntnis der Bundesregierung um den Selbstversorgungsgrad der landwirtschaftlichen Produkte und Rohstoffe in der Bundesrepublik Deutschland bestellt (bitte nach pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln aufschlüsseln)? Inwiefern würde sich nach Kenntnis der Bundesregierung dieser Selbstversorgungsgrad ändern, wenn der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands 20, 30, 50, 75 oder 100 Prozent betragen würde?