Maßnahmen der Bundesregierung zur Schließung der heimischen Eiweißlücke
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Verena Hartmann, Sebastian Münzenmaier und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Der Bedarf an Futtermitteln lag im Wirtschaftsjahr 2017/18 bei etwa 8,7 Millionen Tonnen verdaulichem Eiweiß. Der größte Teil dieses Bedarfes wurde im Inland erzeugt, während der Anteil aus importierten Futtermitteln in den letzten Jahren bei etwa 2,3 Millionen Tonnen verdaulichem Eiweiß (26 Prozent) lag. Bei den Futtermittelimporten handelt es sich in erster Linie um Eiweiß aus Sojabohnen (etwa 1,4 Millionen Tonnen) sowie Eiweiß aus Raps (etwa 0,5 Millionen Tonnen) (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. „Einsatz von Eiweißpflanzen für eine nachhaltige Landwirtschaft“ auf Bundestagsdrucksache 19/9896, S. 5 f.). Somit bleiben Sojabohnen (einschließlich Ölkuchen und Ölschrote) das mit Abstand wichtigste Importfuttermittel bezogen auf die Eiweißkomponente (www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/futtermittel/).
Die rechnerische Anbaufläche in Drittländern für die Erzeugung der deutschen Sojaimporte aus Drittländern ist rückläufig, lag 2018 aber immerhin bei etwa 1,29 Millionen Hektar (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. „Einsatz von Eiweißpflanzen für eine nachhaltige Landwirtschaft“ auf Bundestagsdrucksache 19/9896, S. 15).
Um die Eiweißlücke zu reduzieren, hat sich die Bundesregierung mit der Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland die Ziele gesetzt, die Wettbewerbsnachteile heimischer Eiweißpflanzen zu verringern, Forschungslücken zu schließen und erforderliche Maßnahmen in der Praxis zu erproben und umzusetzen (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2016, Ackerbohne, Erbse & Co. – Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland, zuletzt abgerufen am 4. September 2019, www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/EiweisspflanzenstrategieBMEL.pdf?__blob=publicationFile, S. 4).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Wie bewertet die Bundesregierung den bisherigen Erfolg bei der Erreichung des Ziels der „Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland“, die Eiweißversorgung der heimischen Nutztiere zu steigern, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Anteil von verdaulichem Eiweiß aus importierten Futtermitteln in den letzten Jahren konstant bei 26 Prozent lag (siehe Vorbemerkung)?
Wie bewertet die Bundesregierung die bisherigen Erfolge des Ziels, „dass die Fruchtfolgen mit Leguminosen auf mittlere Sicht monetär mindestens ebenso gut abschneiden wie Fruchtfolgen ohne Leguminosen, in denen ausschließlich Getreide, Mais, Zuckerrüben oder Raps angebaut werden“, wie in der „Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland“ festgeschrieben (www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/EiweisspflanzenstrategieBMEL.pdf;jsessionid=EC34F7697AB2513255396545101A46E2.1_cid367?__blob=publicationFile auf Seite 8)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Selbstversorgungsgrad bei Eiweißfuttermitteln in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte in Prozent angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Selbstversorgungsgrad bei Ölschroten in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte in Prozent angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der heimische Rapsanbau in den letzten fünf Jahren entwickelt (bitte nach Jahr, Anbaufläche, Ertrag und Bundesland aufschlüsseln)?
Welche Rolle spielt Raps aus Sicht der Bundesregierung bei der Schließung der „Eiweißlücke“, und welche Maßnahmen sind diesbezüglich geplant?
Welche alternativen Möglichkeiten zur Bekämpfung des Rapserdflohs bei Raps gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung nach dem Anwendungsverbot der neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland?
Welche Möglichkeiten zur Bekämpfung von Kohlfliegen und Blattläusen bei Raps gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung, insbesondere nach dem Anwendungsverbot der neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland?
Welche Rolle spielt Dauergrünland aus Sicht der Bundesregierung bei der Schließung der „Eiweißlücke“, und welche Maßnahmen sind diesbezüglich geplant?
Wie bewertet die Bundesregierung das Potential für eine Steigerung des Rohproteinertrags von Grünland?
Wie viele Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche wären nach Kenntnis der Bundesregierung nötig, um den Importanteil an Futtermitteleiweiß durch heimische Eiweißproduktion ersetzen zu können?
Welche Bestrebungen gibt es von Seiten der Bundesregierung, die „Eiweißstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland“ unter Einbeziehung weiterer Kulturen in eine nationale Eiweißstrategie zu überführen?