Kleinkinder und Bildschirmkonsum
der Abgeordneten Detlev Spangenberg, Dr. Robby Schlund, Paul Viktor Podolay, Jürgen Braun, Dr. Axel Gehrke, Udo Theodor Hemmelgarn, Ulrich Oehme, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Christian Wirth und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Neben der Nutzung des Mediums Fernsehen hat die Verfügbarkeit von Touchscreen-Bildschirmen im Smartphone- oder Tablet-Format dazu geführt, dass digitale Medien auch intensiv von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen genutzt werden (Quellenangaben am Absatzende). Verschiedene Studien (s. u., Bleckmann, P., S. 20) haben nachgewiesen, dass es bei Kindern einen Zusammenhang zwischen Entwicklungsauffälligkeiten und der Nutzung elektronischer Medien gibt. Dabei ist der besonders hohe Konsum digitaler Medien bei Kindern mit Symptomen verbunden, die von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter reichen. Auch ein erhöhter Genuss von Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken sowie ein daraus resultierender erhöhter Body-Mass-Index (BMI) gehört zu diesen Auffälligkeiten. Dies hat eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie ergeben, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), im Jahr 2017 vorgestellt hat (BLIKK-Studie: Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien, BLIKK-Medien 2017 https://www.bundesministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Praevention/Berichte/Abschlussbericht_BLIKK_Medien.pdf, dort S. 7 sowie Übersicht über diverse Studien: Bleckmann, P.: Kleine Kinder und Bildschirmmedien, KiTa Fachtexte, 2014, dort beispielsweise S. 5).
Der Zusammenhang zwischen frühkindlichem Bildschirmmedienkonsum und bestimmten mentalen Defiziten bei der kindlichen Entwicklung ist auch in den Jahren zuvor in wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt worden und die entsprechenden Beeinträchtigungen der Kinder wurden in der Fachliteratur publiziert. Zu diesen Beeinträchtigungen gehören demnach Verzögerungen der Sprach- und Bewegungsentwicklung, Schlafstörungen und Übergewicht, Verlust von Mitgefühl, Auffälligkeiten im Sozialverhalten, verstärkte Aggression, schlechtere Leseleistungen und allgemeine Schulleistungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), erhöhte Gefährdung für Alkoholabhängigkeit und Nikotinsucht (Bleckmann, P.: Kleine Kinder und Bildschirmmedien, KiTa Fachtexte, 2014, S. 5). Anfang März 2018 wurde daraufhin eine auf Initiative der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, entwickelte Broschüre (Flyer) mit 24 Empfehlungen vorgestellt, die Eltern bei der Gestaltung des Umgangs ihrer Kleinkinder mit Bildschirmmedien als Orientierung dienen sollen. Dieses Informationsmaterial soll den Eltern durch Kinderärzte vermittelt werden (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/91557/Neue-paediatrische-Empfehlungen-fuer-einen-gesunden-Medienkonsum).
Eine im November 2019 publizierte Studie weist nun auch den Zusammenhang hirnorganischer Veränderungen bei Vorschulkindern mit der erhöhten Nutzung von Bildschirmmedien nach: Je mehr Zeit die untersuchten Kinder vor entsprechenden Bildschirmen verbrachten, desto weniger dicht war ihre weiße Hirnsubstanz entwickelt (Hutton, J. S., Dudley, J., Horowitz-Kraus, T., DeWitt, T., Holland, S. K.: Associations Between Screen-Based Media Use and Brain White Matter Integrity in Preschool-Aged Children. JAMA Pediatr 2019: e193869.).
Eine direkte Kausalität zwischen erhöhtem Medienkonsum und den beschriebenen Symptomen ist zwar naheliegend, es wird in der erwähnten Literatur jedoch auch darauf verwiesen, dass ein solcher kausaler Zusammenhang nicht (s. o. Hutten et al., 2019, BLIKK-Studie 2017) oder nur partiell (s. o. Bleckmann, 2014) nachgewiesen ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen3
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Erfolg des auf Initiative der ehemaligen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, entwickelten „Flyers“ mit den 24 pädiatrischen Empfehlungen für einen gesunden Medienkonsum (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) vor?
Plant die Bundesregierung, die Initiierung oder Unterstützung weiterer Studien zum Bildschirmmedienkonsum von Kindern, insbesondere auch um den kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Bildschirmmedien und den beschriebenen Entwicklungsstörungen bei Kindern zu untersuchen?
Sieht die Bundesregierung weiteren Handlungsbedarf, um einen gesunden Medienkonsum von Kindern zu fördern bzw. um Entwicklungsstörungen bei Kindern aufgrund des Konsums von Bildschirmmedien zu verhindern?