Die optimale globale Mitteltemperatur
der Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Die Klimaübereinkunft von Paris verlangt von den Unterzeichnerstaaten, alle Anstrengungen zu unternehmen, um eine nach Ansicht der Fragesteller zwar nur postulierte, insbesondere von sog. Treibhausgasen wie CO2 getriggerte Erwärmung um max. 2 °C, vorzugsweise 1,5 °K, nicht zu überschreiten (siehe z. B.https://unfccc.int/process-and-meetings/the-paris-agreement/the-paris-agre- ment, S. 1). Als Mittel dazu soll eine massive Reduktion der sog. Treibhausgase bis auf null, oder in die Nähe davon, dienen. So wollen die Staaten, die diese Vereinbarung unterstützen, die sog. Klimaneutralität erreichen und damit den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen (ebd.).
Zuletzt hat die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei ihrer Davoser Rede 2020 diese Ziele nochmals bekräftigt. Zitat „Die Frage der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens könnte eine Frage des Überlebens für den ganzen Kontinent sein“, sagte sie. „Deshalb ist Handlungsdruck da.“ (Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/merkel-davos-123.html).
Die Übereinkunft enthält aber auch selber keinerlei Angaben darüber, wie hoch die als ideal angesehene (Mittel-)Temperatur sei, noch enthält sie Zahlenangaben dazu, auf welcher Basis diese Änderung berechnet werden soll, sondern verweist stattdessen auf die Mitteltemperatur vorindustrieller Zeiten (https://.unfccc.int/files/essential_background/convention/application/pdf/english_paris_agreement.pdf, Artikel 2 Absatz 1a). Damit ist nach Ansicht der Fragesteller jedoch keine objektive Überprüfung der Ziele möglich, denn für eine als Basis zu definierende Referenztemperatu, existieren viele verschiedenen Angaben, jedoch keine für die vorindustriellen Zeiten.
Beispielsweise nannte Prof. Anders Levermann für das Jahr 1850 (Anhörung vom 28. November 2018, Protokoll-Nr. 19/24) eine Temperatur von 15 °C. Der Meteorologe Lockyer (Lockyer, W. S. J., 1906: Studies of temperature and pressure observations. Nature, 73, 594 bis 595) nannte für 1885 eine globale Mitteltemperatur von 15,1 °C.
Der Klimatologe James Hansen hingegen nannte für 1981 (Quelle „Climate Impact of Increasing Atmospheric Carbon Dioxide“, August 1981 in Science), also 115 bis 130 Jahre später, eine dann existierende Mitteltemperatur von 15 °C.
Derselbe Klimatologe nannte in einer Anhörung des US-Senates vom August 1988 eine globale Mitteltemperatur von 15,4 °C und begründete damit die Notwendigkeit des schnellen Handelns der Politik gegen eine drohende Erderwärmung.
Das im Jahr 1988 gegründete IPCC (Weltklimarat) nannte im First Assessment Report (https://archive.ipcc.ch/ipccreports/far/wg_I/ipcc_far_wg_I_full_repor-t.pdf) von 1990 (Seite xxxvii des Reports) unter „Observed Surface Temperature of Earth“ ebenfalls 15 °C.
Im Jahre 1998 setzte James Hansen diesen Wert jedoch ohne nähere Begründung auf nur noch 14 °C herunter, wie in der Ausgabe des Vital Signs Magazins 1998 (https://books.google.de/books/about/Vital_Signs_1998.html?id=CYjCBgAAQBAJ&redir_esc=y) des Worldwatch Insitutes berichtet wird.
Im Jahr 2007 übernahm das IPCC diesen Wert, ebenfalls ohne Begründung, z. B. in einer Graphik (z. B. Figure TS. 6 der Technical Summary) als Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990.
Die Klimaforscher P. D. Jones et al. schreiben in „Estimation of the absolute surface air temperature of the Earth“ vom 29. April 2013 „Hence, although rarely used, the most widely quoted value for the global average for the 1961–1990 period is 14.0 °C developed by Jones et al. [1999]“ und von einem „best estimate“ von 14 °C, ebenso wie Hansen (s. o.). Sie beziehen sich also nach Meinung der Fragesteller überwiegend auf Umfragen zu ihren eigenen Schätzungen. Ein Ergebnis von Messungen ist das nicht.
Bei all den oben genannten verschiedenen Ausgangswerten (die Liste ließe sich fortsetzen), welche jeweils gut begründet in angesehenen Wissenschaftsjournalen benannt wurden, sind nach Meinung der Fragesteller einerseits aus wissenschaftlicher Sicht erhebliche Zweifel angebracht, ob jemals eine präzise (notwendigerweise auf zwei Stellen hinter dem Komma), auf ausreichenden Messdaten basierende Mitteltemperatur, für irgendeinen Zeitpunkt der Vergangenheit bestimmt werden kann. Anderseits ist nach Meinung der Fragesteller wissenschaftlich völlig unbestritten, dass nur die absolute Temperatur und demzufolge auch eine solche absolute Temperaturangabe, Ursache für alle energetischen Prozesse ist. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob beispielsweise ein Mensch, der unterkühlt ist und dessen Körpertemperatur von 35 °C auf 37 °C angehoben wird, oder ob ein Mensch der eine Normaltemperatur von 37 °C hat, wegen Fiebers eine solche von 39 °C bekommt. Im ersten Fall wird er gesund, im zweiten Fall krank.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Welche Referenztemperatur hält die Bundesregierung für die richtige, wenn die genannten Referenztemperaturen in der Höhe um 1 °K voneinander abweichen und in der Zeit um mindestens 100 Jahre (Levermann/ Lockyer zu Hansen/Jones)?
Welche globale Mitteltemperatur verwendet die Bundesregierung als Referenz zur Bestimmung des Erfolgs oder Misserfolgs sämtlicher Klimaschutzmaßnahmen in Übereinstimmung mit den Vorgaben der Pariser Klimaübereinkunft?
Wenn die Bundesregierung die zugrunde zu legende Referenztemperatur von 15 °C (Mittlere Temperatur von 1850 – Levermann, bzw. 1885 – Lockyer s. o.) verwendet, welche wissenschaftliche Begründung liegt dieser Entscheidung zugrunde?
Wenn die Bundesregierung die zugrunde zu legende Referenztemperatur von 14 °C (Schätzungen ⌀ 1961 bis 1990 nach Hansen und P. D. Jones et al. wie oben erläutert) verwendet, welche wissenschaftliche Begründung liegt dieser Entscheidung zugrunde?
Wie begründet die Bundesregierung im Falle der Verwendung der Referenztemperatur von 14 °C (⌀ 1961 bis 1990 nach Hansen und P. D. Jones et al. wie in der Vorbemerkung der Fragesteller erläutert), die Abweichung vom Wortlaut der Pariser Klimaübereinkunft, welche ausdrücklich als Referenz die Mitteltemperatur vorindustrieller Zeiten vorschreibt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, sechster Absatz)?
Hält die Bundesregierung die (bei Verwendung der 14 °C als Referenzwert) daraus folgende erhöhte Temperatur von 15,5 °C (14 °C + 1,5 °C) ab 1961bis 1990 für optimal, bzw. von 16 °C (14 °C + 2 °C) für gerade noch zulässig?
a) Wenn ja, wie wird das begründet?
b) Wenn nein, wie wird das begründet?
Hält die Bundesregierung, bei strikter Befolgung der Pariser Klimaübereinkunft und damit eines Referenzwertes von 15 °C, die daraus folgende erhöhte Temperatur von 16,5 °C (15 °C + 1,5 °C) ab 1880 für optimal, bzw. von 17 °C (15 °C + 2 °C) für gerade noch zulässig?
a) Wenn ja, wie wird das begründet?
b) Wenn nein, wie wird das begründet?
Welche Begründung hat die Bundesregierung für die Befolgung der Pariser Klimaübereinkunft als Maßstab für daraus abgeleitete CO2-Senkungsmaßnahmen, wenn diese sich auf eine, wie oben dargelegt, völlig unbestimmte und bisher unbestimmbare Ausgangssituation beziehen?
Welche Aktivitäten sind der Bundesregierung bekannt, oder werden von ihr unterstützt oder initiiert, die sicher dafür sorgen werden, dass dieses Dilemma aufgelöst wird (bitte im Detail auflisten)?
Stimmt die Bundesregierung der Auffassung zu, dass ohne die Kenntnis der realen Referenz-Mitteltemperatur zur festgelegten Referenz-Zeit, eine weitere Verfolgung der Pariser Klimabeschlüsse als Maßstab für daraus abgeleitete CO2-Senkungsmaßnahmen weder wissenschaftlich begründbar noch überprüfbar sind (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, aus welchen Gründen?
b) Wenn nein, warum nicht?