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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Pünktlichkeit und Zugausfälle bei der Deutschen Bahn bis 2019 - Verbesserung der Verfügbarkeit der Fernverkehrsflotte der DB Fernverkehr AG
(insgesamt 28 Einzelfragen)
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Datum
28.04.2020
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1773710.03.2020
Pünktlichkeit und Zugausfälle bei der Deutschen Bahn bis 2019 - Verbesserung der Verfügbarkeit der Fernverkehrsflotte der DB Fernverkehr AG
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Stephan Kühn (Dresden),
Daniela Wagner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Pünktlichkeit und Zugausfälle bei der Deutschen Bahn bis 2019 – Verbesserung
der Verfügbarkeit der Fernverkehrsflotte der DB Fernverkehr AG
Die Pünktlichkeitswerte der Deutschen Bahn (DB) Fernverkehr AG (ein Zug
gilt bei der DB AG ab einer Verspätung von sechs Minuten tatsächlich als
verspätet; ausgefallene Züge bleiben unberücksichtigt) haben sich in den letzten
Jahren auf einem niedrigen Niveau weitgehend eingependelt und liegen unter
den konzerneigenen Vorgaben und Zielen. Die für das Jahr 2019 veröffentlichte
Pünktlichkeitsstatistik belegt die negativen Erfahrungen zahlreicher Fahrgäste:
Nur 75,9 Prozent der Fernverkehrszüge verkehrten im vergangenen Jahr
pünktlich – eine Verbesserung um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr 2018.
Die Statistik erfasst die Pünktlichkeit der Züge. Um feststellen zu können, wie
viele Fahrgäste pünktlich bzw. unpünktlich ihre Ziele erreichen, gibt es das
Kriterium der „Fahrgastbezogenen Pünktlichkeitserfassung“, das von der
Deutschen Bahn im Fernverkehr seit 2017 eingesetzt wird (Bundestagsdrucksache
19/9205).
Die Pünktlichkeit der Züge des Fern- und Nahverkehrs gilt bei Fahrgästen als
der Gradmesser für Zuverlässigkeit und Qualität des Schienenverkehrs
schlechthin. Trotz steigender Fahrgastzahlen entwickeln sich die
unzureichenden Pünktlichkeitswerte nach Auffassung der Fragestellerinnen und
Fragesteller zu einem Problem für den Eisenbahnsektor, der zunehmend mit den
Attributen „unzuverlässig“ und „unkalkulierbar“ in Verbindung gebracht wird.
Bahnreisen mit kurzen Umsteigezeiten in Knotenbahnhöfen werden für Fahrgäste so
immer schlechter planbar.
Für die Erreichung bahn- und verkehrspolitischer Ziele, wie die Verdoppelung
der Fahrgastzahlen bis 2030, ist ein verlässlicher Bahnbetrieb mit guten
Pünktlichkeitswerten von zentraler Bedeutung. Als Referenz kann hier auch der
Personenverkehr der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gelten, die regelmäßig
eine Pünktlichkeit über 90 Prozent erreichen (bei der SBB gelten Züge ab 3
Minuten als verspätet). Auch die von der Bundesregierung geplante Einführung
des Deutschland-Takts erfordert hohe Anforderungen an die Pünktlichkeit, da
nur so in den Knoten optimale und verlässliche Korrespondenzen zwischen den
Zügen hergestellt werden können.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/17737
19. Wahlperiode 10.03.2020
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich die Pünktlichkeitsquoten und die Verspätungsminuten bei
den Zügen der DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entwickelt
(bitte einzeln nach Kalenderjahren ab 2009 und mit den jeweiligen
gefahrenen Trassenkilometern darstellen; Zugausfälle ohne Ersatz sind der
Unpünktlichkeitsquote hinzufügen. Hinweis: Auf Bundestagsdrucksache
19/7690 war eine ähnliche Frage unvollständig, nämlich für einen
verkürzten Zeitraum und ohne die abgefragten Trassenkilometer beantwortet
worden)?
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der
Anschlusserreichungsgrad bei den Fernverkehrssystemanschlüssen in den Knoten
Mannheim Hauptbahnhof (Hbf), Köln Hbf, Dortmund Hbf, Hannover Hbf,
Leipzig Hbf, Frankfurt (Main) Hbf und Frankfurt (Main) Flughafen
Fernbahnhof (Korrespondenzlinien) zwischen 2009 und 2019 entwickelt (bitte
getrennt für die genannten Knoten angeben)?
Kundenbezogene Pünktlichkeit im Fernverkehr
3. Wie hat sich die kundenbezogene Pünktlichkeit zwischen 2017 und 2018
entwickelt (bitte für die einzelnen Jahre angeben)?
4. Wo werden die Werte für die kundenbezogene Pünktlichkeit
veröffentlicht?
Werden diese monatlich erfasst und veröffentlicht (Bundestagsdrucksache
19/9205, Fragen 1 bis 3)?
5. Welche Konsequenzen zieht die Deutsche Bahn aus der Entwicklung der
Werte der kundenbezogenen Pünktlichkeit?
Inwiefern dient diese als Steuerungsinstrument?
6. Wird die Entwicklung der kundenbezogenen Pünktlichkeit für die
Ermittlung der leistungsbezogenen Gehaltsbestandteile des DB-Vorstandes
herangezogen?
Wenn ja, inwiefern?
Wenn nein, weshalb nicht, und inwiefern spielt die Pünktlichkeit
überhaupt eine Rolle bei der Ermittlung der Zulagen?
Entwicklung verschiedener Verspätungsursachen
7. Wie viele Verspätungsminuten unter den Gesamtverspätungsminuten der
DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entfallen auf netzbedingte
Ursachen (bitte einzeln nach Kalenderjahren und sowohl absolut als auch
anteilig an der Gesamtsumme der Verspätungsminuten darstellen)?
8. Wie viele Verspätungsminuten unter den Gesamtverspätungsminuten der
DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entfallen auf
baustellenbedingte Ursachen (bitte einzeln nach Kalenderjahren und sowohl absolut als
auch anteilig an der Gesamtsumme der Verspätungsminuten darstellen)?
9. Wie viele Verspätungsminuten unter den Gesamtverspätungsminuten der
DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entfallen auf Warten auf
Anschlusszüge als Ursache (bitte einzeln nach Kalenderjahren und sowohl
absolut als auch anteilig an der Gesamtsumme der Verspätungsminuten
darstellen)?
10. Wie viele Verspätungsminuten unter den Gesamtverspätungsminuten der
DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entfallen auf Störungen an
Fahrzeugen als Ursache (bitte einzeln nach Kalenderjahren und sowohl
absolut als auch anteilig an der Gesamtsumme der Verspätungsminuten
darstellen)?
11. Wie viele Verspätungsminuten unter den Gesamtverspätungsminuten der
DB Fernverkehr AG zwischen 2009 und 2019 entfallen auf Störungen an
der Leit- und Sicherungstechnik als Ursache (bitte einzeln nach
Kalenderjahren und sowohl absolut als auch anteilig an Gesamtsumme der
Verspätungsminuten darstellen)?
12. Was waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Primärursachen der
Verspätungsminuten von Fernverkehrszügen im Zeitraum 2017 bis 2019,
und in wie vielen Fällen war die Primärursache
a) unpünktliche Bereitstellung des Zuges,
b) Warten auf Personal,
c) fahrdynamische Einschränkung des Zuges, Aussetzen von Wagen,
d) Haltezeitüberschreitung, Zugräumung,
e) Anschlussaufnahme,
f) Streik,
g) Infrastrukturstörungen,
h) Baustellen (bitte auch die durchschnittliche Anzahl gleichzeitiger
Baustellen angeben),
i) Unwetter,
j) Personenunfälle, Personen im Gleis, behördliche Sperrungen?
Pünktlichkeit bei der DB Regio AG
13. Wie haben sich die Pünktlichkeitsquoten und die Verspätungsminuten bei
den Zügen von DB Regio zwischen 2009 und 2019 entwickelt (bitte
einzeln nach Kalenderjahren und mit den jeweiligen gefahrenen
Trassenkilometern darstellen)?
14. Wie haben sich die Pünktlichkeitsquoten und die Verspätungsminuten bei
den Zügen von DB Regio zwischen 2009 und 2019 in den einzelnen
Ländern entwickelt (bitte einzeln nach Kalenderjahren und mit den in den
jeweiligen Ländern gefahrenen Trassenkilometern darstellen)?
Pünktlichkeit in S-Bahn-Netzen
15. Wie stellten sich die Pünktlichkeitswerte der S-Bahnen in den deutschen
S-Bahn-Netzen in den einzelnen Jahren seit dem Jahr 2014 dar (bitte
getrennt nach Jahren und jeweils für die 2:59- und 5:59-Minuten-
Pünktlichkeit angeben)?
16. Wie hoch waren die Ausfallquoten der S-Bahnen in den deutschen S-
Bahn-Netzen in den einzelnen Jahren seit dem Jahr 2014 (bitte getrennt
nach Jahren und getrennt nach Komplett- und Teilausfall angeben)?
Pünktlichkeit bei der DB Cargo AG
17. Wie viele Verspätungsminuten bei den Zügen der DB Cargo AG wurden
zwischen 2009 und 2019 erfasst (bitte einzeln nach Kalenderjahren und
mit den jeweiligen Verkehrsleistungen in Trassenkilometern darstellen)?
18. Wie viele Güterzüge der DB Cargo AG mussten nach Kenntnis der
Bundesregierung zwischen 2009 und 2019 mangels verfügbarer Lokführer
oder aufgrund von Fehldispositionen abgestellt werden (bitte für die
betreffenden Jahre einzeln darstellen)?
19. Bei wie vielen Minuten lag in den letzten sieben Kalenderjahren 2012 bis
2018 die durchschnittliche Verspätung verspäteter Güterzüge?
Zugausfälle
20. Wie hoch waren die absolute Anzahl und der relative Anteil der
vollständig und der teilweise ausgefallenen Züge im Fernverkehr der Deutschen
Bahn in den einzelnen Jahren von 2009 bis 2019 (bitte tabellarisch
getrennt nach Jahren und nach vollständig bzw. teilweise ausgefallen
darstellen)?
Fahrzeugverfügbarkeit bei der DB Fernverkehr AG
21. Wie hat sich die Anzahl der für den Regeleinsatz verfügbaren IC- bzw.
EC- und ICE-Züge in den Jahren 2009 bis 2019 entwickelt (bitte getrennt
nach IC bzw. EC sowie ICE und für die jeweiligen Jahre angeben)?
22. Wie viele ICE-Züge der Baureihen 1, 2, 3 und 4 stehen aktuell für den
Regelbetrieb zur Verfügung?
Wie viele werden es voraussichtlich zum Jahresende 2020 und Ende 2021
sein (bitte getrennt nach den Baureihen angeben)?
23. Ist die Beschaffung von Doppelstock-ICEs zur Erhöhung der
Sitzplatzkapazität vorgesehen?
Wenn ja, ab wann, und zu welcher Stückzahl, und wie schnell sollen die
Züge fahren können?
Wenn nein, weshalb nicht?
24. Wie hat sich die durchschnittliche Verweildauer von ICE-Zügen in den
Werkstätten in den Jahren 2009 bis 2019 entwickelt (bitte für die einzelnen
Jahre angeben)?
25. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die von der DB
Fernverkehr AG erbrachten Leistungen seit 2010 entwickelt (bitte Entwicklung
der Verkehrsleistung, der Betriebsleistung in Zugkilometern und
Sitzplatzkilometern für die jeweiligen Jahre angeben)?
26. Trifft es zu, dass die Ankündigung der DB unter ihrem damaligen
Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube, wonach kleine Schäden in Zügen
durch mobile Reparaturtrupps während der Fahrt durchgeführt werden
sollen, im Fernverkehr bisher nicht umgesetzt wurde (siehe Schriftliche Frage
60 des Abgeordneten Matthias Gastel auf Bundestagsdrucksache 19/7138;
Fragen 30 und 31 auf Bundestagsdrucksache 19/7690, nur ausweichend
beantwortet)?
Weshalb wurde das Versprechen nicht eingelöst?
27. Wie viele Züge (Prozentanteil) verließen im Jahr 2019 im Jahresmittel die
DB-Werke
a) mit fehlender Antriebsleistung,
b) mit Bremsstörungen,
c) mit LZB- (Linienzugbeeinflussung) bzw. Europäisches Zug-Kontroll-
System(ETCS)-Störung,
d) mit fehlender Wendefähigkeit (defekter Steuerwagen, defekter zweiter
Führerstand im Triebzug)?
28. In welchen Knotenbahnhöfen hält die DB AG Fernverkehrszüge als
Reserve – sogenannte Knotenpunktreserven – einschließlich des dafür
notwendigen Lok- und Zugpersonals vor (bitte die Baureihe bzw. Zugbildung und
die verfügbare Sitzplatzkapazität angeben)?
Welche Einsatzreserven sind zwischen 2000 und 2019 hinzugekommen,
welche sind wann weggefallen?
Berlin, den 11. Februar 2020
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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