Aalforschung des Thünen-Instituts
der Abgeordneten Dr. Gero Clemens Hocker, Frank Sitta, Carina Konrad, Karlheinz Busen, Nicole Bauer, Dr. Christoph Hoffmann, Renata Alt, Jens Beeck, Olaf in der Beek, Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Thomas Hacker, Peter Heidt, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Oliver Luksic, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Katja Suding, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Die Europäische Union (EU) hat im Jahr 2007 unter deutscher Präsidentschaft eine Verordnung zum Schutz des Aales erarbeitet. Seit 2011 steigen die jährlichen Zuwanderungen von Glasaalen aus der Sargassosee langsam aber signifikant an (vgl. ICES Advice European eel 2019; Dekker, in: „Fischer & Teichwirt“, 01/2020). In Bezug auf zukünftige Managemententscheidungen für den europäischen Aalbestand sind Fortschritte im Verständnis der Reproduktionsbiologie von großer Wichtigkeit. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) betreibt deshalb seit Jahren mit gestiegenem Aufwand Forschung zum Thema Aal.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Welche Kosten haben nach Kenntnis der Bundesregierung die Expeditionen in die Sargassosee und die damit verbundene Aalforschung im vTI in den letzten sechs Jahren verursacht?
Wie viele laichreife Tiere des Europäischen Aales Anguilla anguilla wurden dabei gefangen, und welche Erkenntnisse sind hinsichtlich der Identifizierung von Laichplätzen erzielt worden?
Wie viele Aallarven des Europäischen Aales Anguilla anguilla wurden zur beabsichtigten Bestimmung der Jahrgangsstärken von den jeweiligen Jahrgängen bereits in der Karibik gefangen?
Welche Aufwendungen hat die künstliche Erbrütung von Aalen im Labor in den letzten fünf Jahren verursacht?
Welche verwertbaren Erkenntnisse über die frühe Ernährung von Aallarven haben die Forschungsfahrten in die Karibik erbracht?
Konnten diese Erkenntnisse in Fütterungsversuchen bei der künstlichen Vermehrung von Aalen erfolgreich umgesetzt werden?
Mit welchen Futtermitteln hat das vTI die Fütterung nach künstlicher Erbrütung von Glasaalen versucht?
Sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Besatzmengen von Anguilla anguilla durch die EU-Maßnahmen einschließlich finanzieller Förderung seit 2009 gestiegen?
Welche Faktoren sind aus Sicht der Bundesregierung für den von Dekker berichteten Anstieg der Glasaalzuwanderung ausschlaggebend?
Welche Arbeiten hat das vTI zur Ermittlung der Sterblichkeit von Aalbesatz nach Fang und Transport durchgeführt?
Welche Schlüsse für die Bewertung zieht die Bundesregierung daraus, dass die Sterblichkeit von Glasaalen beim Fang nicht 40 Prozent, wie vom Direktor des vTI seit vielen Jahren immer wieder zitiert (Hamburger Abendblatt vom 7. Dezember 2013 – Mehr Nachwuchs, aber kein Grund zur Entwarnung; WELT vom 29. August 2018 – Die Aal-Bestände schwinden), sondern nach Fang und anschließender Hälterung sowie Transport zu den Besatzgewässern nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen nur ca. 15 Prozent beträgt (Schriften des Instituts für Binnenfischerei e. V. Potsdam-Sacrow, Band 54, Jahresbericht 2018)?
Wie bewertet die Bundesregierung die Forschungsergebnisse im Verhältnis zu den entstandenen Kosten?