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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Weltweites Artensterben, Naturschutz & Exotische Tiere

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Datum

03.06.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1934320.05.2020

Weltweites Artensterben, Naturschutz und exotische Tiere

des Abgeordneten Jan Ralf Nolte und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die Artenvielfalt nimmt weltweit ab. Mehr als ein Drittel der Tiere sind bedroht. In Deutschland gelten unter den einheimischen Arten etwa ein Viertel der Pflanzen und mehr als die Hälfte der Lebensräume als gefährdet (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/forschen-fuer-den-erhalt-der-artenvielfalt-1610744).

Artensterben ist damit ein weltweites Problem, dem verschiedene Ursachen zugrunde liegen. So ist etwa der Bau von Staudämmen ein großes Problem in Südamerika und insbesondere in Brasilien. Gleichzeitig weisen diese Regionen eine ungeheure Artenvielfalt auf (https://www.spektrum.de/news/die-unermessliche-biodiversitaet-tropischer-waelder/1407685).

Gemäß der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) 2020 sind derzeit unter anderem 1408 Reptilienarten (Reptilia), 2202 Amphibienarten (Amphibia), 2495 Strahlenflosserarten (Actinopterygii), 197 Spinnentierarten (Arachnida), 84 Doppelfüßerarten (Diplopoda), 606 Höhere Krebsarten (Malacostraca), 1795 Insektenarten (Instecta), 2054 Schneckenarten (Gastropoda), und 234 Blumentierarten (Anthozoa) gefährdet (https://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/rote-liste-gefaehrdeter-arten/).

Studien zufolge leben allein in Brasilien über 800 bedrohte Fischarten, die, genau wie viele landlebende Tierarten, unter der Zerstörung ihrer Lebensräume leiden (https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/landkonflikte-umwelt/umweltbehoerde-belo-montes-turbinen-zerhacken-zu-viele-fische).

Die Zahl der bedrohten Tierarten steigt weiter, Gründe dafür sind hauptsächlich Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie etwa durch Überfischung oder auch Wilderei (https://www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/rote-liste-gefaehrdeter-arten/).

Da Schutzmaßnahmen vor Ort nicht immer erfolgreich sind, überleben manche Tierarten zeitweise nur in menschlicher Obhut. Neben vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die in menschlicher Obhut erhalten werden, gibt es auch Arten, die in der Natur gänzlich ausgestorben sind und die es ohne eine Nachzucht in Gefangenschaft nicht mehr geben würde. Die IUCN summiert sie unter dem Kürzel „EW“ (Extinct in the Wild) (https://www.iucnredlist.org/).

Tierarten wie den Wisent (Bison bonasus) und die Urwildpferde (Equus przewalskii) gibt es nur dank Zoos noch und dank Zoos konnten sie auch wieder in freier Wildbahn angesiedelt werden (https://www.tierpark-berlin.de/de/tiere/details/wisent sowie https://www.tierpark-berlin.de/de/aktuelles/blog/forschung/die-rueckkehr-der-wildpferde).

Es sind jedoch nicht nur große und bekannte Tierarten gefährdet, die beliebt sind und teils als Wahrzeichen bestimmter Regionen gelten. Viele gefährdete Tierarten sind aufgrund ihrer Farbe und oder Größe unscheinbar. Sie leiden nach Kenntnis des Fragestellers unter einer zwangsweisen Priorisierung der zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Arterhaltung und teils auch unter dem Unverständnis der einheimischen Bevölkerung. Für Zoos sind diese Tiere aufgrund begrenzter Kapazitäten oft nicht die erste Wahl. Sie werden nach Kenntnis des Fragestellers von privaten Liebhabern gehalten und nachgezüchtet. Beispiele dafür sind etwa der Feuerschwanz (Epalzeorhynchus bicolor) oder der Ameca-Hochlandkärpfling (Ameca Splendens). Beide sind in der Natur stark bedroht (https://www.iucnredlist.org/, http://www.catalogueoflife.org/col/details/species/id/f014094a4b0480e96ddb1b8858fde253/synonym/9016e2e83c71a54af667dc7e0054a998, https://www.iucnredlist.org/species/1117/500918).

Sicher ließen sich auch Kleintiere, wie Reptilien, Amphibien oder Wirbellose dieser Auflistung hinzufügen, wenn die entsprechenden Daten vorlägen. Der Schutz der vom Chytridpilz bedrohten Amphibien (https://www.scinexx.de/news/biowissen/amphibienseuche-erschreckende-bilanz/) wird von Organisationen wie „NABU“ gleich einer Art „Arche“ wahrgenommen (https://www.nabu.de/news/2009/10459.html).

Private Liebhaber mit den nötigen Fachkenntnissen, die sich oft jahrelang auf spezielle Tierarten konzentrieren, könnten somit nach Ansicht des Fragestellers einen wertvollen Beitrag zur Arterhaltung jener Arten leisten, deren Bedürfnisse im privaten Bereich zu erfüllen sind. Menschen durch direktes Mitmachen zu Artenschützern zu machen und die Kapazitäten der Zoos durch dieses riesige Potential zu ergänzen, kann nach Ansicht des Fragestellers eine wichtige Antwort auf die rasant voranschreitende Lebensraumzerstörung sein und die Grundlage zu späteren Aussiedlungen in der Natur liefern. „Vom Affen bis zum Zebra – jedes Tier sollte nach Ansicht des Fragestellers artgerecht und seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten werden. Im neuen Säugetiergutachten finden Zoos und Privattierhalter die Anleitung dazu“ (https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/mehr-platz-fuer-zootiere-455652).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Stimmt die Bundesregierung zu, dass Zuchtstämme in menschlicher Obhut ein Schutz vor dem völligen Verschwinden von Arten sein können, die in der Natur jetzt oder in Zukunft stark zurückgehen?

2

Stimmt die Bundesregierung der Annahme des Fragestellers zu, dass die Nachzucht solcher Arten in der Obhut erfahrener Privatpersonen eine wertvolle Ergänzung zu den Bemühungen der Zoos sein kann, sofern die Ansprüche der jeweiligen Art im privaten Bereich zu erfüllen sind?

3

Hält die Bundesregierung zoologische Gärten für personell in der Lage, dieses Expertenwissen für alle Arten bereitzuhalten, und sieht sie in der Nachzuchtpraxis privater Experten, die sich oft viele Jahre ausschließlich mit speziellen Arten beschäftigen, eine Möglichkeit, die Nachzuchtbemühungen der Zoologischen Gärten zu ergänzen, soweit im privaten Rahmen eine tiergerechte Haltung für die jeweilige Art gewährleistet werden kann?

4

Hält es die Bundesregierung für wahrscheinlich, dass gerade Tierarten, die unbekannt und unscheinbar sind (vgl. Vorbemerkung des Fragestellers), aussterben, ohne dass die Öffentlichkeit in relevantem Rahmen davon Notiz nähme und um die Art trauerte?

5

In welcher Weise unterstützen private Experten die Behörden des Bundes schon jetzt mit ihrer Expertise im Rahmen der Haltung von Tieren wildlebender Arten, und wie bewertet die Bundesregierung diese Zusammenarbeit?

6

Plant die Bundesregierung, private Initiativen, Verbände und Vereine, die privaten finanziellen, zeit- und kräftemäßigen Einsatz für die Arterhaltung nutzbar machen, wie etwa „Citizen Conservation“ (https://citizen-conservation.org/?cookie=ok), in Zukunft zu unterstützen?

7

Ist die Bundesregierung der Meinung, dass das Verschwinden einiger ausgestorbener Arten hätte verhindert werden können, wenn man neben Zoos auch das Fachwissen privater Experten nutzbar gemacht hätte und von ihnen Tiere, deren tiergerechte Haltung leistbar gewesen wäre, hätte nachzüchten lassen (vgl. Ausführungen dazu in der Vorbemerkung)?

8

Sieht die Bundesregierung in der Möglichkeit, natürliche Lebensräume wildlebender Arten im privaten Bereich nachzubilden und diese Tiere darin zu pflegen, das Potential, mehr Verantwortungsbewusstsein für Natur, Umwelt und Biodiversität zu wecken?

Berlin, den 14. Mai 2020

Dr. Alice Weidel, Dr. Alexander Gauland und Fraktion

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