Umfang von Werbemaßnahmen der Bundeswehr im Jahr 2019
der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, Christine Buchholz, Heike Hänsel, Andrej Hunko, Kerstin Kassner, Cornelia Möhring, Niema Movassat, Zaklin Nastic, Tobias Pflüger, Helin Evrim Sommer, Kersten Steinke, Friedrich Straetmanns, Dr. Kirsten Tackmann, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Seit Aussetzung der Wehrpflicht hat die Bundeswehr ihr Budget für Personalwerbung erheblich aufgestockt. Im Jahr 2011 bezifferten sich die Haushaltsmittel für Nachwuchswerbung noch auf 16 Mio. Euro (vgl. Bundestagsdrucksache 18/8505), seit 2015 liegen sie im Schnitt bei über 35 Mio. Euro. Anders als von der Bundesregierung in ihrer Vorbemerkung auf Bundestagsdrucksache 19/10515 dargestellt, macht die Steigerung (bezogen auf das Jahr 2012) nach Ansicht der Fragesteller nicht einen Zuwachs von 20 Prozent aus, sondern um über 100 Prozent.
Im Jahr 2018 hat die Bundeswehr insbesondere ihre Präsenz auf Messen und Ausstellungen erheblich ausgeweitet, auf insgesamt 2 174 (vgl. Bundestagsdrucksache 19/10515), was nicht nur knapp 300 Beteiligungen mehr als im Vorjahr sind, sondern nach Kenntnis der Fragestellerinnen und Fragesteller den höchsten Wert seit 2006 darstellt.
Aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller hat die Werbetätigkeit der Bundeswehr nichts mit sachlicher Information zu tun, sondern stellt in unangemessen entpolitisierter und teilweise emotionalisierter Weise einseitig „Fun“, „Action“ und den „Arbeitsplatz“ Bundeswehr in den Vordergrund, ohne das Risiko, dabei töten zu müssen, zu sterben oder schwer verletzt zu werden, ausreichend darzustellen. Die Fragestellerinnen und Fragesteller sehen darin die Absicht, die Zielgruppe nicht abzuschrecken, was aus ihrer Sicht aber verantwortungslos ist. Der Umfang der Werbetätigkeit ist aus ihrer Sicht zudem eine Form der Militarisierung der Gesellschaft. Sie begrüßen daher den vielfältigen antimilitaristischen Protest gegen solche militärischen Auftritte.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Welche Gesamtkosten sind im Jahr 2019 für die Nachwuchswerbung angefallen, und in welche Bereiche (wie Personalwerbung, Jugendmarketing usw.) gliedern sich diese auf (bitte jeweils auch die Kosten in diesen Unterbereichen aufgliedern)?
Welche Kosten sind im Jahr 2019 für personalwerbliche Anzeigen insgesamt aufgewendet worden (bitte in einzelne Werbeträger bzw. Werbeformate aufgliedern), und wie erklären sich nach Ansicht der Fragesteller allfällige signifikante Abweichungen zu den Vergleichszahlen für das Jahr 2018?
a) Wie viele Personen sind dabei schätzungsweise erreicht worden?
b) Wie hoch schätzt die Bundesregierung dabei den Anteil der Zielgruppe ein, und besteht die Zielgruppe weiterhin aus den 17- bis 35-Jährigen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/10515; falls nein, bitte ausführen)?
Welche Kosten sind für die Öffentlichkeits- bzw. Informationsarbeit aufgewendet worden (bitte nach Veranstaltungen und Formaten aufgliedern)?
a) Wie viele Personen sind dabei schätzungsweise erreicht worden?
b) Wie definiert die Bundeswehr bei der Öffentlichkeits- bzw. Informationsarbeit die Zielgruppe, und wie viele Zielgruppenangehörige sind schätzungsweise erreicht worden?
An wie vielen Messen, Ausstellungen und ähnlichen Veranstaltungen zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit oder Personalwerbung (bitte getrennt darstellen) hat die Bundeswehr im Jahr 2019 teilgenommen, welche Kosten sind dafür entstanden, wie viele Personen sind dabei schätzungsweise erreicht worden, und wie hoch schätzt die Bundesregierung den Anteil der erreichten Zielgruppenangehörigen ein?
Wie erklären sich aus Sicht der Bundesregierung allfällige signifikante Abweichungen zum Vorjahr, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
Wie viele Veranstaltungen hat der KarriereTreff Bundeswehr im Jahr 2019 bestritten, welche Kosten sind dabei entstanden, wie viele Personen wurden dabei insgesamt erreicht, und wie hoch war schätzungsweise der Anteil der Zielgruppenangehörigen?
Wie viele Gesprächskontakte (bitte nach Qualitäts- sowie Langfristkontakten sowie einfachen Informationsgesprächen aufteilen) wurden bei den Maßnahmen der Personalwerbung erfasst?
Liegt der Bundesregierung eine Schätzung der Kontakte bei Auftritten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vor (bitte ggf. ausführen)?
Welche Veranstaltungen im Rahmen des Jugendmarketings hat die Bundeswehr im Jahr 2019 durchgeführt, wie viele Jugendliche haben sich daran jeweils beteiligt, und welche Kosten sind dabei jeweils entstanden?
a) In welchem Verhältnis stehen Jugendmarketing und Personal- bzw. Nachwuchswerbung zueinander?
b) Wie unterscheiden sich Jugendmarketing und Personal- bzw. Nachwuchswerbung hinsichtlich der angestrebten Ziele, der Zielgruppen und der Methodik?
Wie viele Zugriffe bzw. Page Impressions hat es 2019 auf die Internetseiten www.bundeswehrentdecken.de und www.bundeswehrkarriere.de jeweils gegeben, welche weiteren relevanten Internetseiten zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit oder Personalwerbung unterhält die Bundeswehr, und welche Kosten entstanden für diese jeweils?
Welche Ausgaben hat die Bundeswehr im Jahr 2019 im Bereich der Nachwuchswerbung jeweils für
a) den Girlʼs Day,
b) Truppenbesuche,
c) Videospots (bitte Zahl und ggf. Bezeichnung der produzierten Videos angeben),
d) Informationsmaterial,
e) Werbeextras,
f) die Big Band und andere Musikeinheiten der Bundeswehr (hier bitte angeben, über welchen Haushaltstitel die Big Band und ggf. weitere Musikeinheiten finanziert werden),
g) den Domainunterhalt der Internetpräsenzen,
h) Sportkooperationen und
i) sonstiges ausgegeben?
Welche Ausgaben für Personal- bzw. Nachwuchswerbung fielen bei Veranstaltungen oder sonstigen Maßnahmen an, die in keiner der zuvor beantworteten Fragen angesprochen wurden (bitte detailliert ausführen und dazu Datum, Ort und erreichte Zahl von Personen sowie wenn möglich erreichte Zahl von Jugendlichen angeben)?
Bei wie vielen Veranstaltungen der Personal- bzw. Nachwuchswerbung hat es nach Kenntnis der Bundesregierung Proteste von Bürgerinnen und Bürgern gegeben, und in wie vielen Fällen waren diese nach Einschätzung der Bundesregierung militärkritisch orientiert?
Welche Kosten sind im Zusammenhang mit dem „Tag der Bundeswehr“ 2019 entstanden, wie viele Personen wurden dabei erreicht, wie ist hierbei die Zielgruppe definiert, und wie hoch schätzt die Bundesregierung den Anteil der erreichten Zielgruppenangehörigen ein?
a) Inwiefern ist der „Tag der Bundeswehr“ dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit oder dem Bereich der Personalwerbung zuzurechnen?
b) Wie erklären sich die unterschiedlichen Angaben zu den Kosten für den „Tag der Bundeswehr“ auf Bundestagsdrucksache 19/10515, wo in der Antwort zu Frage 3 Kosten in Höhe von 573 000 Euro, in der Antwort zu Frage 12 von 5,77 Mio. Euro genannt werden (den Differenzbetrag bitte den jeweiligen Haushaltstiteln zuordnen)?
Wie hat sich die Auflagenhöhe der Zeitschrift „infopost“ entwickelt, und welche Kosten entstanden dabei?
Welche Kooperationsvereinbarungen bestanden im Jahr 2019 und bestehen derzeit im personalwerblichen Bereich sowie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit Medien, was beinhalten diese jeweils, und welche Kosten entstanden dabei jeweils?
Welche Kooperationsvereinbarungen bestanden im Jahr 2019 und bestehen derzeit im personalwerblichen Bereich sowie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit Akteuren aus dem Sportbereich, was beinhalten diese jeweils, und welche Kosten entstanden dabei jeweils?
Welche Kooperationsvereinbarungen bestanden im Jahr 2019 und bestehen derzeit im personalwerblichen Bereich sowie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie mit Behörden, was beinhalten diese jeweils, und welche Kosten entstanden dabei jeweils?
Wie viele Auftritte außerhalb militärischer Einrichtungen haben Musikkorps der Bundeswehr im Jahr 2019 durchgeführt, welche Kosten sind dabei entstanden, und wie viele Zuschauer bzw. Zuhörer wurden schätzungsweise erreicht?
Wie viele Große Zapfenstreiche und Gelöbnisse außerhalb militärischer Anlagen wurden im Jahr 2019 durchgeführt, und welche Kosten entstanden dabei?
Welche wesentlichen Änderungen bzw. Neuausrichtungen bei der Personalwerbung hat es im Jahr 2019 gegeben, wie bewertet die Bundesregierung deren Wirksamkeit, und welche weiteren Änderungen sind für die nächste Zukunft beabsichtigt?
Wie bewertet die Bundesregierung insgesamt die Effizienz und Wirksamkeit der verschiedenen Instrumente ihrer Personal- bzw. Nachwuchswerbung, und welche Kriterien legt sie dafür an?
a) Welchen Bedarf an Nachwuchskräften bzw. Neueinstellungen hat sie im Jahr 2019 gehabt, und zu welchem Anteil konnte dieser gedeckt werden?
b) In welchen Bereichen gibt es diesbezüglich Schwierigkeiten?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung hieraus?