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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Büroarbeit und körperliche Gesundheit

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

11.11.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2324709.10.2020

Büroarbeit und körperliche Gesundheit

der Abgeordneten Jutta Krellmann, Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, Sylvia Gabelmann, Dr. Achim Kessler, Katja Kipping, Pascal Meiser, Cornelia Möhring, Sören Pellmann, Jessica Tatti, Harald Weinberg, Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE

Vorbemerkung

Viele Millionen Beschäftigte in Deutschland leisten Büroarbeit, mit steigender Tendenz (vgl. Institut der Deutschen Wirtschaft 2020: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Trends/PDF/2020/IW-Trends_2020-03-04_Hammermann-Voigtländer.pdf). Wie hoch genau der Anteil dieser Beschäftigtengruppe an der Erwerbsbevölkerung ist, bleibt aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller unklar. Weitgehend offen bleibt auch, inwiefern Büroarbeit negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Denn Büroarbeit scheint „entgegen landläufiger Meinung (…) eben keine relativ belastungsarme Tätigkeit“ zu sein, worauf die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hinweist (vgl. BAuA 2010: Wohlbefinden im Büro. Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Büroarbeit, S. 3: https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis/A11.pdf?__blob=publicationFile&v=2). Wenn Gesundheitsbelastungen durch Büroarbeit betrachtet werden, geraten häufig psychische Belastungen in den Blick (vgl. ebd.). Allerdings können auch zahlreiche körperliche Belastungen mit Büroarbeit einhergehen wie Kopfschmerzen, Beschwerden im Rücken-, Nacken und Schulterbereich, Augenbeschwerden und Handgelenksentzündungen (vgl. ebd.).

Deshalb soll die Bundesregierung nach dem Stand der Büroarbeit in Deutschland und möglichen Gesundheitsfolgen befragt werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen22

1

Wie definieren die Bundesregierung und ihr nachgeordnete Behörden wie die BAuA „Büroarbeit“, und inwiefern lässt sich diese von anderen Formen der Arbeit abgrenzen?

2

Wie viele Beschäftigte leisteten in den letzten 15 Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung „Büroarbeit“, und wie hat sich ihr Anteil im Vergleich zu allen Beschäftigten entwickelt (bitte nach Geschlecht, Alter, Vollzeit- bzw. Teilzeit sowie nach Bundesländern, Städten und Landkreisen differenzieren)?

3

In welchen fünf Branchen war in den letzten 15 Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die „Büroarbeit“ leisten, am höchsten (bitte jährlich darstellen sowie gesondert nach Bundesländern und Branchen darstellen)?

a) Wie lange dauert es nach Kenntnis der Bundesregierung durchschnittlich, bis ein Betrieb dieser fünf Branchen nach einer Arbeitsschutzkontrolle erneut durch die Arbeitsaufsichten der Länder kontrolliert wird (bitte jährlich für die letzten 15 Jahre sowie geordnet nach Bundesländern und Branchen darstellen)?

b) Wie hoch war der Anteil der Betriebe dieser fünf Branchen, für die eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde (bitte jährlich für die letzten 15 Jahre sowie geordnet nach Bundesländern und Branchen darstellen)?

c) In welchen fünf Branchen war der Anteil von Bürobeschäftigten in den letzten 15 Jahren am geringsten?

4

Welche negativen Belastungen gehen nach Kenntnis der Bundesregierung mit „Büroarbeit“ einher. und wie haben sich diese in den letzten 15 Jahren entwickelt?

a) Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der BAuA, dass neben psychischen Belastungen auch zahlreiche negative körperliche Belastungen mit „Büroarbeit“ einhergehen können wie Kopfschmerzen, Beschwerden im Rücken-, Nacken und Schulterbereich, Augenbeschwerden und Handgelenksentzündungen?

b) Welche weiteren negativen körperlichen Gesundheitsfolgen können mit „Büroarbeit“ einhergehen?

5

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung hinsichtlich der Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) in den letzten fünfzehn Jahren vor (bitte in Summe darstellen sowie gesondert für Bundesländer, Alter und Geschlecht ausweisen)?

6

Wie viele durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünfzehn Jahren (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

7

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei der BAuA-Erwerbstätigenbefragung angaben, der körperlichen Anforderung „Arbeit im Sitzen“ in den Jahren 2006, 2012 und 2018 ausgesetzt gewesen zu sein, im Vergleich zu allen Beschäftigten, und wie hoch war der Anteil derjenigen, die sich davon belastet gefühlt haben (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

8

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei BAuA-Erwerbstätigenbefragungen angaben, mit ihren körperlichen Arbeitsbedingungen „weniger zufrieden“ oder „nicht zufrieden“ zu sein in den Jahren 2006, 2012 und 2018 im Vergleich zu allen Beschäftigten (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

9

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei den BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2018 und 2012 angegeben haben, „Schmerzen im unteren Rücken, Kreuzschmerzen“ zu haben im Vergleich zu allen Beschäftigten, und wie hoch war der Anteil der Beschäftigten, die deswegen in den letzten zwölf Monaten in Behandlung waren (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

10

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei den BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2018 und 2012 angegeben haben, „Schmerzen im Nacken-, Schulterbereich“ zu haben im Vergleich zu allen Beschäftigten, und wie hoch war der Anteil der Beschäftigten, die deswegen in den letzten zwölf Monaten in Behandlung waren (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

11

Wie viele Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten 15 Jahren (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

12

Wie viele durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünfzehn Jahren (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

13

Wie viele Personen sind in den letzten fünfzehn Jahren wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzeitig in die Rente eingetreten (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Renteneintritten darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

14

Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünfzehn Jahren die gesamtgesellschaftlichen Kosten, die durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht wurden (bitte für die einzelnen Jahre nach direkten und indirekten Kosten differenzieren)?

15

Wie hoch war nach Kenntnis der Bunderegierung der Anteil der Beschäftigten die ihre Arbeitszeit mindestens anteilig vor einem Computer bzw. einem Bildschirm verbringen (bitte nach Geschlecht, Alter, Vollzeit- bzw. Teilzeit, Branchen sowie nach Bundesländern differenzieren)?

a) Welche Unterschiede gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung hier zwischen Beschäftigten allgemein und Bürobeschäftigten?

b) Wie viele Stunden verbringen nach Kenntnis der Bundesregierung Beschäftigte in Deutschland im Durchschnitt täglich bei ihrer Arbeit vor dem Bildschirm?

c) Für welchen Anteil der Bürobeschäftigten war in den letzten fünfzehn Jahren der Computer das wichtigste Arbeitsmittel?

16

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei den BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2018 und 2012 angegeben haben, „Kopfschmerzen“ zu haben, im Vergleich zu allen Beschäftigten, und wie hoch war der Anteil der Beschäftigten, die deswegen in den letzten zwölf Monaten in Behandlung waren (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

17

Wie viele AU-Tage aufgrund von Kopfschmerzen (ICD 10: G43, G44 und R51) gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten fünfzehn Jahren (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

18

Wie viele durchschnittliche AU-Tage je 100 Versicherte aufgrund von Kopfschmerzen (ICD 10: G43, G44 und R51) gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten 15 Jahren (bitte für die einzelnen Jahre sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an allen Diagnosegruppen darstellen, bitte nach Geschlecht, Alter und nach Bundesländern differenzieren)?

19

Welcher Zusammenhang besteht nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen Bildschirmarbeit und Augenbeschwerden, und welche Entwicklungen sind hierzu in den letzten fünfzehn Jahren zu beobachten?

a) Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Beschäftigten, die von einer negativen Belastung ihrer Augen durch Bildschirmarbeit berichtet haben?

b) Trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass Augenleiden wie Kurzsichtigkeit seit Jahren zunehmen, und welchen Zusammenhang sieht sie hier zu Bildschirmarbeit?

20

Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Beschäftigten, die bei den BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2018 und 2012 angegeben haben, „Schmerzen in den Händen“ zu haben, im Vergleich zu allen Beschäftigten, und wie hoch war der Anteil der Beschäftigten, die deswegen in den letzten zwölf Monaten in Behandlung waren (bitte nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen, Stellung im Beruf und Geschlecht sowie Wochenarbeitszeit: Teilzeit bzw. Vollzeit ausweisen)?

21

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich Berufskrankheiten vor, die mit „Büroarbeit“ einhergehen, und inwiefern wurden solche in den letzten 15 Jahren von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt?

22

Was unternehmen die Bundesregierung und ihr nachgeordnete Behörden wie die BAuA, um zu verhindern, dass Beschäftigte durch „Büroarbeit“ körperlich erkranken?

Berlin, den 1. Oktober 2020

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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