Stark für den Wandel – Fachkräfte für eine nachhaltige Zukunft
der Abgeordneten Gerhard Zickenheiner, Beate Walter-Rosenheimer, Lisa Badum, Dr. Anna Christmann, Kai Gehring, Stefan Gelbhaar, Christian Kühn (Tübingen), Dr. Bettina Hoffmann, Dieter Janecek, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Steffi Lemke, Dr. Ingrid Nestle, Margit Stumpp, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Vorbemerkung
Im „Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050“ (KSP 2050) https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975226/1679914/e01d6bd855f09bf05cf7498e06d0a3ff/2019-10-09-klima-massnahmen-data.pdf?download=1) wird ersichtlich, dass für die praktische Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen Fachleute gebraucht werden – sowohl auf Seiten der Forschung und Entwicklung von Strategien und Maßnahmen als auch bei der Planung und Ausführung in den einzelnen Handlungsfeldern. Schon heute suchen Unternehmen dringend Fachkräfte. Die Bundesagentur für Arbeit prognostiziert, dass die Zahl der Erwerbspersonen bis 2030 um mindestens 3,6 Millionen sinken wird. Weil viel mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen als neu dazukommen, wird es schwieriger werden, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.
Dabei kann im Zuge des klimainduzierten wirtschaftlichen Wandels Personal aus rückläufigen Wirtschaftszweigen eingesetzt werden; es wird jedoch auch zusätzliches Fachpersonal benötigt werden. Das KSP 2050 nennt als wichtige Handlungsfelder Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie, Landnutzung und Forstwirtschaft sowie Verwaltung.
In den kommenden zehn Jahren wird die Umsetzung des KSP 2050 also eine Vielzahl von Beschäftigten mit Handwerksqualifikationen, z. B. Zimmerleute, Stuckateurinnen und Stuckateure, Heizungsbau und Solartechnik, mit Ingenieurinnenqualifikation bzw. Ingenieursqualifikation für Verkehr – insbesondere Radverkehr und ÖPNV –, Bauen und Anlagenbau, Qualifikationen im Garten- und Landschaftsbau sowie Forsten und nicht zuletzt Verwaltungspersonal unterschiedlichster Qualifikation benötigen, die der aktuelle Arbeitsmarkt nicht vorhält. In vielen industriellen Branchen werden sich durch die ökologische und digitale Transformation zudem die Anforderungsprofile verändern, werden beispielsweise Fachkräfte im Bereich Batteriezellfertigung benötigt werden (Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autoindustrie-studie-e-mobilitaet-vernichtet-keine-auto-jobs-doch-viele-chancen-bleiben-un-genutzt/26222606.html?ticket=ST-729212-ffBn2deYyUwvIoMLqXFL-ap2).
Eine gezielte Fachkräftestrategie mit Fokus auf Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann aus Sicht der fragestellenden Fraktion ein Teil der Antwort sein. Heute muss bereits an die Anforderungen und Bedarfe von morgen gedacht werden.
Die Länder sollen sich an der Fortschreibung des Klimaschutzprogramms beteiligen, Kommunen, Unternehmen und Verbände sowie weitere AkteurInnen hat das KSP 2050 im Blick. Sie alle sind beteiligt bei der Gewinnung von Fachkräften. Gefragt werden sowohl akademische als auch berufliche Qualifikationen sein.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wie viele planende und ausführende Fachkräfte, unterteilt in akademische Disziplinen und berufliche Qualifikationen, werden nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt benötigt, um die Umsetzung der Maßnahmen im KSP 2050 der Bundesregierung gewährleisten zu können?
Welchen Fachkräftebedarf lösen nach Kenntnis der Bundesregierung die Maßnahmen des KSP 2050 im Bereich 3.4.1 Energiewirtschaft (Energiewende, Kohleausstieg, Netzstabilität, Versorgungssicherheit) aus?
Welchen Fachkräftebedarf lösen nach Kenntnis der Bundesregierung die Maßnahmen des KSP 2050 im Bereich 3.4.2 Gebäude (steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung, Bundesförderung für effiziente Gebäude einschließlich Investitionszuschüssen sowie einer Austauschprämie für Ölheizungen, Förderung der seriellen Sanierung, Energetische Stadtsanierung, Energieberatung und Öffentlichkeitsarbeit) aus?
Welchen Fachkräftebedarf lösen nach Kenntnis der Bundesregierung die Maßnahmen des KSP 2050 im Bereich 3.4.3 Verkehr (Schiene, ÖPNV und Radverkehr, Tank- und Ladeinfrastruktur sowie Oberleitungsinfrastruktur) aus?
Welchen Fachkräftebedarf lösen nach Kenntnis der Bundesregierung die Maßnahmen des KSP 2050 im Bereich 3.4.6 Landwirtschaft (insbesondere Neubau güllebasierter Biogasanlagen und gasdichter Lagerstätten) und 3.4.7 Forst (insbesondere Erhalt und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Holzverwendung) aus?
Welchen Fachkräftebedarf lösen nach Kenntnis der Bundesregierung die Maßnahmen des KSP 2050 im Bereich 3.5 Umsetzung (insbesondere in Verwaltung und Forschung) aus?
a) Welche Qualifikationen werden für die einzelnen Maßnahmen in welcher Größenordnung benötigt (bitte einzeln anhand der Maßnahmen auflisten)?
Mit welchen Akteurinnen und Akteuren aus den Ländern, den Kommunen, Unternehmen und Verbänden (und ggf. weitere: welche) ist die Bundesregierung seit wann im Gespräch, um den Fachkräftebedarf sowie die Schaffung der zum Aufwuchs benötigten Infrastruktur (Schulen, Universitäten etc.) zu erörtern?