Süßstoffe statt Zucker in Erfrischungsgetränken – Rezepturveränderungen und die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Franziska Gminder, Wilhelm von Gottberg, Berengar Elsner von Gronow, Thomas Ehrhorn, Johannes Huber, Enrico Komning und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Im Dezember 2018 wurde vom Bundeskabinett die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten verabschiedet (vgl. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/reduktionsstrategie/reduktionsstrategie_node.html). Mit dieser Strategie möchte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Verbraucher dabei unterstützen, sich gesundheitsförderlich zu ernähren (vgl. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/reduktionsstrategie/reduktionsstrategie-zucker-salz-fette.html). Im Rahmen der Strategie hat sich die Lebensmittelwirtschaft dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2025 konkrete Reduktionsziele zu erreichen (ebd. unter „Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft“).
Bis 2025 soll beispielsweise der Zuckerzusatz in Erfrischungsgetränken und fruchthaltigen Getränken um 15 Prozent reduziert werden (ebd.). Nicht jeder Verbraucher ist begeistert von den bisherigen Rezepturveränderungen insbesondere bei Erfrischungsgetränken (vgl. https://www.abendblatt.de/ratgeber/article230508558/Suessstoffe-zugesetzt-Pepsi-hat-Rezeptur-der-Cola-veraendert.html). Das Problem ist, dass den Erfrischungsgetränken zur Kompensation des reduzierten Zuckergehaltes Zuckerersatzstoffe wie Süßungsmittel zugesetzt wurden, die den Geschmack für viele Verbraucher verfälschen (ebd.).
Außerdem ist umstritten, ob Süßstoffe möglicherweise den Heißhunger nach Süßem anregen und somit kontraproduktiv für eine gesundheitsfördernde Ernährung wären (vgl. https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/lebensmittelzusatzstoffe.php). Experten fordern daher die genaue Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Süßstoffen (vgl. https://www.fr.de/wissen/suessstoffe-zuckerersatz-experten-fordern-kennzeichnung-von-lebensmitteln-13190023.html).
Letztendlich hat das Max Rubner-Institut (MRI) eine schrittweise Zuckerreduktion im Zuge der Strategie empfohlen und nicht eine Rezepturveränderung, die mit einer Kompensation der Zuckerreduktion durch vermehrten Einsatz von Süßstoffen einhergeht (vgl. https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Themen/Reformulierung/180911_Bericht_Zuckergehalt_Erfrischungsgetraenke-Titel.pdf). Denn aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es sinnvoll, dass sich Verbraucher schrittweise an eine niedrigere Gesamtsüße von Lebensmitteln gewöhnen (vgl. https://www.ernaehrungs-umschau.de/news/07-04-2020-unterschiedliche-auffassungen-der-gesundheitspolitischen-akteure/).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wie lauten nach Kenntnis der Bundesregierung die bisherigen bzw. aktuellsten Ergebnisse vom begleitenden Monitoring zum Einsatz von Süßstoffen und anderen Zuckerersatzstoffen, das im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie durchgeführt wird (vgl. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/Reduktionsstrategie/NationaleReduktionsInnovationsstrategie-Kabinett.pdf?__blob=publicationFile&v=3, S. 18)?
Hat nach Kenntnis der Bundesregierung der Einsatz von Süßstoffen und anderen Zuckerersatzstoffen seit Beginn des Monitorings insbesondere in Erfrischungsgetränken, aber auch in anderen Fertigprodukten zugenommen?
Ist der Bundesregierung bekannt, in wie vielen Erfrischungsgetränken seit der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie erstmalig Süßstoffe und andere Zuckerersatzstoffe zugesetzt werden, und wenn ja, in welchen?
Wurden bereits die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken beim Einsatz von Süßstoffen und anderen Zuckerersatzstoffen im Rahmen des produktgruppenübergreifenden Forschungsvorhabens beurteilt, und wenn ja, wie lauten die Ergebnisse (vgl. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ernaehrung/Reduktionsstrategie/NationaleReduktionsInnovationsstrategie-Kabinett.pdf?__blob=publicationFile&v=3, S. 18)?
Welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die Bundesregierung aus den Rezepturveränderungen von Erfrischungsgetränken, bei denen der Zuckeranteil reduziert und Süßstoffe oder andere Zuckerersatzstoffe hinzugefügt wurden und dadurch die Süße eines Getränks nicht verringert wurde, im Hinblick auf die Empfehlung des MRI, dass eine schrittweise Zuckerreduktion nicht mit einem vermehrten Einsatz von Süßstoffen kompensiert werden sollte (vgl. https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Themen/Reformulierung/180911_Bericht_Zuckergehalt_Erfrischungsgetraenke-Titel.pdf)?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung für ihr eigenes Handeln aus den enttäuschten Verbraucherkommentaren, in denen sich Verbraucher über die nicht gekennzeichnete Rezepturveränderung durch Zugabe von Süßungsmitteln bei gleichzeitiger Zuckerreduktion in einem bekannten Erfrischungsgetränk beschweren (vgl. https://www.abendblatt.de/ratgeber/article230508558/Suessstoffe-zugesetzt-Pepsi-hat-Rezeptur-der-Cola-veraendert.html)?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um mögliche Verbrauchertäuschung durch diesen Sachverhalt zu verhindern, wie beispielsweise eine Kennzeichnung von Süßstoffen bei Nicht-Light-Produkten?
Ist ein Produkt, bei dem Zucker durch Süßstoffe ausgetauscht wird, aus Sicht der Bundesregierung gesundheitsfördernder als ein Produkt, dass vorher etwas mehr Zucker enthalten hat, und wenn ja, wieso?