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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Jahresbericht der Drogenbeauftragten: Fehlende Daten zu Medikamentenbezogenen Störungen

(insgesamt 16 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

17.02.2021

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2638403.02.2021

Jahresbericht der Drogenbeauftragten: Fehlende Daten zu medikamentenbezogenen Störungen

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Dr. Jürgen Martens, Dr. Martin Neumann, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Der am 26. November 2020 vorgelegte Jahresbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung unterscheidet sich deutlich von den Berichten der vorherigen Jahre. Während im Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2019 auf 220 Seiten viele Fachdaten veröffentlicht wurden (https://www.drogenbeauftragte.de/assets/Service/DSB_2019_mj_barr.pdf), wurde der Jahresbericht des Jahres 2020 erheblich gekürzt. Auf nun nur noch 86 Seiten finden sich deutlich weniger Daten und Fakten als in den Berichten der Vorjahre.

Das Thema „Medikamentenbezogene Störungen“ findet keinerlei Beachtung im aktuellen Drogen- und Suchtbericht. Das verwundert besonders, da die Prävalenzzahlen in diesem Bereich sehr hoch sind (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/24523).

Nach Auffassung der Fragesteller stellten die ursprünglich veröffentlichten Fachdaten eine wichtige Informationsquelle dar, die von vielen in der Drogen- und Suchtarbeit tätigen Personen aufmerksam verfolgt wurden. Diese Anfrage soll daher im Bereich des Medikamentenmissbrauchs und der Medikamentenabhängigkeit die fehlenden Fachdaten abfragen und weitere wichtige Fachdaten liefern.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Wie hoch ist die Prävalenz (mindestens wöchentliche Einnahme, Gebrauch in den letzten sieben Tagen, Gebrauch in den letzten 30 Tagen) von Medikamentengebrauch (bitte nach Altersgruppe und Geschlecht aufschlüsseln, Jahr der Datenerhebung angeben) für folgende Medikamentengruppen:

a) psychoaktive Arzneimittel,

b) Schmerzmittel,

c) opioidhaltige Schmerzmittel,

d) Antidepressiva,

e) Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel,

f) Benzodiazepine,

g) Antidementiva,

h) Neuroleptika Antiepileptika,

i) Stimulanzien,

j) Appetitzügler,

k) Anabolika?

2

Wie hat sich die mindestens wöchentliche Einnahme von Medikamenten bei Männern und Frauen seit 2010 entwickelt (bitte nach Medikamentengruppe auflisten)?

3

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die jährliche Prävalenz von Medikamentenmissbrauch und Medikamentenabhängigkeit bei Minderjährigen in Deutschland seit 2010 (bitte nach Geschlecht und Medikamentenklasse aufschlüsseln)?

4

Wie hat sich der klinisch relevante Medikamentengebrauch in den einzelnen Bundesländern und Altersgruppen jeweils bei Männern und Frauen sowie insgesamt seit 2014 entwickelt?

5

Wie hoch ist die Prävalenz von Psychopharmakagebrauch kombiniert mit täglichem Alkoholkonsum (bitte nach Altersgruppe und Geschlecht auflisten)?

6

Wie hat sich der Konsum psychoaktiver Arzneimittel bei 60- bis 79-Jährigen seit 2010 verändert (bitte nach Geschlecht und Medikamentengruppe auflisten)?

7

Wie hat sich der Anteil von Personen, die mehrere Medikamente gleichzeitig einnahmen (Polypharmazie) seit 2010 entwickelt (bitte nach Altersgruppe und Geschlecht auflisten)?

8

Wie hat sich die Prävalenz von potenziell inadäquaten Medikationen (PIM) bei Männern und Frauen seit 2010 entwickelt (bitte nach Altersgruppe und Medikamentenklasse auflisten)?

9

Wie hoch ist die Prävalenz von Sturzereignissen bei den 60- bis 79-jährigen Männern und Frauen? Wie hoch ist die Prävalenz von Sturzereignissen in dieser Altersgruppe unter Anwendung von psychoaktiven Arzneimitteln?

10

Wie viel Prozent der bewilligte Entwöhnungsbehandlungen durch die Deutsche Rentenversicherung 2019 und 2020 fielen auf die Behandlung von Medikamentenabhängigkeit (bitte nach Behandlungssetting, Geschlecht und Altersgruppe auflisten)?

11

Wie viele Patienten wurden seit 2017 jährlich mit Medizinalcannabis behandelt (bitte nach Alter, Geschlecht und Symptom auflisten)?

12

In welcher Form wurde Medizinalcannabis wie häufig verordnet?

13

Welche Erkenntnisse konnten aus dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt „Datenquellen und Erhebungsinstrumente“ zum nichtbestimmungsgemäßen Gebrauch psychotroper Medikamente gewonnen werden?

14

Welche Präventions- und Suchthilfeprojekte im Bereich der Medikamentenbezogene Störungen hat die Bundesregierung jeweils in den Jahren 2019 und 2020 finanziell gefördert?

a) In welcher Höhe wurden diese Projekte gefördert?

b) Welche Zielvorgaben gab es jeweils für die Gewährung der Fördermittel?

c) Wie wurde überprüft, ob diese Zielvorgaben eingehalten bzw. erreicht wurden?

d) Welche dieser Projekte wurden wann wie und mit welchem Ergebnis evaluiert?

e) Sind weitere Evaluationen der Projekte geplant, wenn ja, wann, und für welche Projekte?

15

Welche messbaren Ziele hat sich die Bundesregierung im Bereich Prävention und Suchthilfe im Bereich Medikamentenbezogene Störungen für die Zukunft gesetzt?

16

Warum wurden die Daten zu medikamentenbezogenen Störungen im aktuellen Jahresbericht der Drogenbeauftragten nicht veröffentlicht, und auf welche Art sollen diese zukünftig der Fachöffentlichkeit präsentiert werden?

Berlin, den 27. Januar 2021

Christian Lindner und Fraktion

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