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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Jahresbilanz der Einsätze von Jugendoffizieren und Karriereberatern der Bundeswehr im Jahr 2020

(insgesamt 31 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

29.03.2021

Antwortdauer

26 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2723703.03.2021

Jahresbilanz der Einsätze von Jugendoffizieren und Karriereberatern der Bundeswehr im Jahr 2020

der Abgeordneten Ulla Jelpke, Dr. André Hahn, Gökay Akbulut, Christine Buchholz, Heike Hänsel, Andrej Hunko, Kerstin Kassner, Cornelia Möhring, Niema Movassat, Norbert Müller (Potsdam), Żaklin Nastić, Tobias Pflüger, Helin Evrim Sommer, Kersten Steinke, Friedrich Straetmanns, Dr. Kirsten Tackmann, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Die Werbeaktivitäten der Bundeswehr an Schulen mussten aufgrund pandemiebedingter Einschränkungen stark zurückgefahren werden. So lag etwa im ersten Quartal 2021 der Umfang an geplanten Maßnahmen der Nachwuchs- und Öffentlichkeitsarbeit nur bei einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr (vgl. Antwort zu Frage 12 auf Bundestagsdrucksache 19/24866). Zugleich ist die Zahl von Rekruten im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent eingebrochen (https://www.welt.de/politik/deutschland/article224477802/Bundeswehr-Zahl-der-neuen-Rekruten-stark-eingebrochen.html, vgl. auch die Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 53 des Abgeordneten Norbert Müller auf Bundestagsdrucksache 19/25900).

Hierin zeigt sich nach Auffassung der Fragestellerinnen und Fragesteller die hohe Bedeutung der Werbemaßnahmen der Bundeswehr in Schulen wie auch ihrer Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen wie etwa Messen. Die Fragestellerinnen und Fragesteller haben bereits in den Vorjahren die aus ihrer Sicht hohe Präsenz der Bundeswehr an solchen Veranstaltungen als Ausdruck der Militarisierung der Gesellschaft kritisiert.

Im Jahr 2019 erreichten die Jugendoffiziere der Bundeswehr 114 317 Schülerinnen und Schüler (vgl. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/21235), was weitgehend dem Vorjahresstand entsprach. Sogenannte Karriereberater erreichten 275 967 Jugendliche (die meisten davon an Schulen). Den Rückgang um fast 60 000 Jugendliche im Vergleich zum Vorjahr erklärt die Bundesregierung mit Veränderungen des strategischen Ansatzes (Antwort zu Frage 25 auf Bundestagsdrucksache 19/21235). Zugleich wurden etwa in Berufsinformationszentren und Jobcentern mit 16 662 fast doppelt so viele Menschen erreicht wie im Vorjahr (Antwort zu Frage 24 auf Bundestagsdrucksache 19/21235). Zusammengefasst erreichten Jugendoffiziere und Karriereberater mit ihren unterschiedlich ausgerichteten Angeboten fast 400 000 Jugendliche, überwiegend im Unterricht.

Die Fragestellerinnen und Fragesteller begrüßen ausdrücklich hiergegen gerichtete Proteste der Friedensbewegung und von Schülerinnen und Schülern. Sie sehen in der Präsenz der Bundeswehr kein neutrales Informationsangebot, sondern den Versuch, die Schule als Ort der Militärwerbung zu missbrauchen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen31

1

Wie viele Vorträge an Schulen und Hochschulen haben die Jugendoffiziere der Bundeswehr im Jahr 2020 gehalten, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte nach Schultypen wie Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, berufsbildenden Schulen und anderen Schulen aufgliedern)?

2

An wie vielen Podiumsdiskussionen im Rahmen des Unterrichts bzw. im Klassenrahmen haben sich die Jugendoffiziere im Jahr 2020 beteiligt, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte nach Schultypen wie Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, berufsbildenden Schulen und anderen Schulen sowie Hochschulen aufgliedern)?

3

Wie viele Seminare haben die Jugendoffiziere für Schülerinnen und Schüler durchgeführt, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte wie oben nach Schultypen aufgliedern und POL&IS-Seminare gesondert aufgliedern)?

4

Wie viele Besuche bei der Truppe haben Jugendoffiziere im Klassenrahmen durchgeführt, und wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich daran beteiligt (bitte nach Schultypen sowie Hochschulen aufgliedern)?

Haben Jugendoffiziere außerhalb des Klassenrahmens weitere Truppenbesuche angeboten, und wenn ja, wie viele, und wie viele Jugendliche haben daran teilgenommen?

5

Wie viele Schülerinnen und Schüler haben Jugendoffiziere im Rahmen weiterer Veranstaltungen erreicht (bitte möglichst nach Veranstaltungen sowie Schultypen aufgliedern)?

6

Wie viele Lehrerinnen und Lehrer, Referendarinnen und Referendare sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schulbehörden bzw. Schulleitungen (bitte getrennt auflisten) haben Jugendoffiziere jeweils im Rahmen von Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen, Truppenbesuchen, Informationsgesprächen oder anderen Maßnahmen erreicht (bitte für jede solche Maßnahme getrennt angeben)?

7

Wie viele weitere Multiplikatoren aus Politik, Medien, Bundeswehr bzw. Reservisten und sonstige Multiplikatoren (bitte jeweils getrennt auflisten) haben Jugendoffiziere jeweils im Rahmen von Vorträgen, Seminaren, Podiumsdiskussionen, Truppenbesuchen, Informationsgesprächen oder anderen Maßnahmen erreicht (bitte für jede solche Maßnahme getrennt angeben)?

8

Was waren die thematischen Schwerpunkte der Jugendoffiziere im Jahr 2020, und welche Feststellungen zur Haltung der Jugendlichen gegenüber Auslands- und insbesondere Kampfeinsätzen der Jugendlichen wurden dabei von den Jugendoffizieren gemacht?

9

Mit welchen Bundesländern sind derzeit Kooperationsabkommen zum Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen bzw. Hochschulen sowie zur Lehrerfortbildung geschlossen (sofern im Jahr Vorjahr bestehende Kooperationsabkommen modifiziert oder neu verfasst wurden, bitte die Abkommen beifügen oder die wesentlichen Vereinbarungen und Änderungen angeben)?

10

Inwiefern haben die Jugendoffiziere gesonderte Veranstaltungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schülerzeitungen, zur Vermittlung von journalistischen Grundlagen für Schülerinnen und Schüler und vergleichbare Veranstaltungen angeboten oder sich an solchen Veranstaltungen beteiligt, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht?

11

Inwiefern haben die Jugendoffiziere gesonderte Veranstaltungen für Journalisten angeboten, welcher Art waren diese Veranstaltungen, und wie viele Personen wurden dabei erreicht?

12

Hat es auch im Jahr 2020 signifikante Unterschiede zwischen der Entwicklung der Teilnehmerzahl in den westlichen und östlichen Bundesländern gegeben, wie sie im Bericht der Jugendoffiziere für 2019 genannt werden (https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5016406/62f2d3a3d515cca913a91365c3a9427f/200714-jahresbericht-jgdoffz-2019-final-data.pdf, S. 12 f.), und wenn ja, worauf führt die Bundesregierung dies zurück?

13

Wie viele Dienstposten gibt es derzeit für Jugendoffiziere, wie viele davon waren 2020 vakant, und welche Auswirkungen hatten die Vakanzen auf die Einsatztätigkeit und die Zahl der erreichten Jugendlichen?

14

Welche Einschränkungen in Zusammenhang mit der Pandemie haben sich nach Einschätzung der Bundesregierung besonders stark auf die Arbeit der Jugendoffiziere ausgewirkt?

a) Inwiefern haben die Jugendoffiziere auf die mangelnden Möglichkeiten analoger Auftritte vor Schulklassen reagiert und sie zu kompensieren versucht?

Welche Erfolge und welche Mängel wurden dabei sichtbar, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?

b) Wie bewertet die Bundesregierung angesichts der pandemiebedingten Einschränkungen die Wirkung der Arbeit der Jugendoffiziere im Jahr 2020, und auf welche Kriterien stützt sie sich dabei?

15

Haben Jugendoffiziere sich im Zuge des Fernunterrichtes eingebracht, und wenn ja, wie häufig, und vor wie vielen Schulklassen, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte angeben, ob diese Zahlen in den in den Fragen 1 bis 3 erfragten Zahlen bereits enthalten sind)?

Sind für die Zukunft (ggf. weitere) Maßnahmen geplant, Jugendoffiziere in den Fernunterricht einzubauen, und wenn ja, was wird diesbezüglich unternommen?

16

Womit haben die Jugendoffiziere angesichts der geringen Möglichkeiten zu Auftritten in Schulen im Jahr 2020 ihre Arbeitszeit verbracht?

17

Sind bezüglich der taktischen bzw. strategischen Ausrichtung der Arbeit der Jugendoffiziere gegenüber der Vergangenheit Änderungen vorgenommen worden bzw. geplant, und wenn ja, welche, und warum?

18

Liegen der Bundesregierung Erfahrungswerte zur Frage vor, wie häufig Vorträge von Jugendoffizieren an Schulen zeitgleich bzw. in zeitlicher Nähe zu Vorträgen von Vertreterinnen und Vertretern der Friedensbewegung stattfanden (bitte ggf. ausführen)?

19

Welche weiteren Erfahrungswerte wurden bei der Erprobung eintägiger POL&IS-Seminare gemacht, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus (vgl. Antwort zu Frage 18 auf Bundestagsdrucksache 19/10212)?

20

Wie viele Vorträge haben Karriereberater der Bundeswehr im Jahr 2020 an Schulen und Hochschulen gehalten, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte nach Schultypen wie Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, berufsbildenden Schulen und anderen Schulen aufgliedern)?

21

Wie viele Vorträge haben Karriereberater

a) vor weiteren Jugendlichen,

b) vor Lehrkräften bzw. Vertretern von Schulbehörden,

c) vor weiteren Multiplikatoren (bitte deren Zusammensetzung möglichst darstellen)

gehalten, und wie viele Jugendliche, Lehrkräfte bzw. Vertreter von Schulbehörden und Multiplikatoren wurden dabei erreicht?

22

An wie vielen

a) Ausstellungen, Projekttagen, Jobmessen, Berufswahltagen und ähnlichen Veranstaltungen auf Schulgelände,

b) Truppenbesuchen im Klassenrahmen und

c) anderen Maßnahmen (bitte jeweils Art der Maßnahme kurz beschreiben)

haben sich Karriereberater im Jahr 2020 beteiligt, und wie viele Schülerinnen und Schüler sind dabei erreicht worden (bitte nach den Kategorien a bis c aufgliedern)?

23

Wie viele Lehrkräfte (Lehrerinnen und Lehrer sowie Referendarinnen und Referendare) sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulbehörden haben sich an Truppenbesuchen beteiligt?

24

Wie viele weitere Truppenbesuche haben Karriereberater organisiert (bitte nach Bundesländern aufgliedern)?

Wie viele Jugendliche sowie Multiplikatoren haben sich daran beteiligt, und wie gliedern sich die Multiplikatoren auf?

25

Wie viele Vorträge haben Karriereberater in Jobcentern, Arbeitsagenturen und Berufsinformationszentren jeweils gehalten (bitte nach Jobcentern, Arbeitsagenturen und Berufsinformationszentren aufgliedern), und wie viele Personen wurden dabei erreicht?

26

Welche Einschränkungen in Zusammenhang mit der Pandemie haben sich nach Einschätzung der Bundesregierung besonders stark auf die Arbeit der Karriereberater ausgewirkt?

a) Inwiefern haben die Karriereberater auf die mangelnden Möglichkeiten analoger Auftritte vor Schulklassen reagiert und sie zu kompensieren versucht?

Welche Erfolge und welche Mängel wurden dabei sichtbar, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?

b) Wie bewertet die Bundesregierung angesichts der pandemiebedingten Einschränkungen die Wirkung der Arbeit der Karriereberater im Jahr 2020?

27

Haben Karriereberater sich im Zuge des Fernunterrichtes eingebracht, und wenn ja, wie häufig, und vor wie vielen Schulklassen, und wie viele Schülerinnen und Schüler wurden dabei erreicht (bitte angeben, ob diese Zahlen in den in den Fragen 1 bis 3 erfragten Zahlen bereits enthalten sind)?

Sind für die Zukunft (ggf. weitere) Maßnahmen geplant, Karriereberater in den Fernunterricht einzubauen, und wenn ja, was wird diesbezüglich unternommen?

28

Nutzen Karriereberater in Jobcentern bzw. Berufsinformationszentren verstärkt Online- bzw. Videoformate, und wenn ja, welche quantitativen Angaben kann die Bundesregierung hierzu machen?

29

Womit haben die Karriereberater angesichts der geringen Möglichkeiten zu Auftritten in Schulen im Jahr 2020 ihre Arbeitszeit verbracht?

30

Inwiefern haben Karriereberater (oder ggf. andere Mitarbeiter der Bundeswehr) Veranstaltungen zur gezielten Ansprache bestimmter Berufsgruppen durchgeführt, und wie viele Personen sind dabei erreicht worden?

31

Wie viele Jugendoffiziere und Karriereberater waren im Jahr 2020 jeweils im Einsatz, und welche Personalausgaben fielen für diese jeweils an?

Berlin, den 23. Februar 2021

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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